Präklinische junktionale Blutungskontrolle: StatPearls
Hintergrund
Traumata stellen eine der führenden Todesursachen dar, wobei ein Großteil der vermeidbaren Todesfälle auf katastrophale Blutungen zurückzuführen ist. Während der Einsatz von Extremitäten-Tourniquets die Mortalität in den letzten Jahren signifikant senken konnte, rücken nun Blutungen an den Körperstamm-Übergängen in den Fokus.
Die StatPearls-Leitlinie definiert junktionale Blutungen als Hämorrhagien im Übergangsbereich zwischen Torso und Hals oder den Extremitäten. Zu diesen Regionen zählen die Leiste, die Axilla, das Perineum, der Schultergürtel und die Halsbasis.
Da diese anatomischen Bereiche für klassische Extremitäten-Tourniquets meist nicht zugänglich sind, erfordern sie spezielle präklinische Maßnahmen. Laut Leitlinie sind etwa 19 Prozent der vermeidbaren präklinischen Todesfälle im militärischen Kontext auf unkontrollierte junktionale Blutungen zurückzuführen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur präklinischen Blutungskontrolle:
Manuelle Kompression und Wundpacking
Als erste Maßnahme wird die direkte manuelle Kompression der Wunde gegen eine feste Unterlage empfohlen. Der Druck sollte laut Leitlinie kontinuierlich aufrechterhalten und nicht unterbrochen werden, um den Blutungserfolg zu kontrollieren.
Bei Wunden, die auf direkten Druck nicht ansprechen, wird das Wundpacking (Austamponieren) empfohlen. Dabei wird Füllmaterial in die Wundhöhle eingebracht, um Druck auf die verletzten Gefäße auszuüben.
Es wird empfohlen, vor dem Packing Fremdkörper und scharfe Knochenfragmente aus der Wunde zu entfernen. Ein gut angelegter Druckverband kann anschließend helfen, den manuellen Druck zu ersetzen und die Hände des Anwenders freizumachen.
Hämostyptische Wundauflagen
Das Committee on Tactical Combat Casualty Care (CoTCCC) empfiehlt die Kombination von hämostyptischen Wundauflagen mit direktem Druck, wenn eine Blutung nicht anders kontrolliert werden kann. Die Leitlinie nennt folgende spezifische Produkte:
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QuikClot Combat Gauze: Gilt als Mittel der Wahl des CoTCCC und beschleunigt die Gerinnung durch Kaolin.
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Celox Gauze und ChitoGauze: Chitosan-basierte Auflagen, die an verletztem Gewebe haften und das Gefäß physisch versiegeln.
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XStat: Ein Applikator mit expandierenden Schwämmen, der speziell für tiefe und schmale Schuss- oder Stichkanäle empfohlen wird.
Nach dem Einbringen einer hämostyptischen Wundauflage wird empfohlen, den manuellen Druck für mindestens 3 Minuten aufrechtzuerhalten.
Junktionale Tourniquets
Für junktionale Blutungen stehen spezielle Tourniquet-Systeme zur Verfügung, die eine proximale arterielle Kompression erzeugen. Die CoTCCC empfiehlt deren Einsatz bei geeigneten Verletzungen.
Die Anlage eines junktionalen Tourniquets sollte laut Leitlinie nicht verzögert werden, auch wenn in der Zwischenzeit bereits hämostyptische Wundauflagen verwendet wurden. Zu den FDA-zugelassenen Geräten zählen das Combat Ready Clamp (CRoC), das Junctional Emergency Treatment Tool (JETT), das SAM Junctional Tourniquet (SJT) und das Abdominal Aortic and Junction Tourniquet (AAJT).
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt die frühzeitige Gabe von Tranexamsäure (TXA) zur Stabilisierung von Fibringerinnseln und zur Hemmung der Fibrinolyse.
| Medikament | Dosierung | Applikationsweg | Zeitfenster |
|---|---|---|---|
| Tranexamsäure (TXA) | 2 g | Langsamer IV-Bolus | Innerhalb von 3 Stunden nach Trauma |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie sind bei der Blutungskontrolle folgende Kontraindikationen und Warnhinweise zu beachten:
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XStat: Der Einsatz ist bei schweren intrathorakalen, intrapelvinen und intraabdominellen Verletzungen kontraindiziert.
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Tranexamsäure (TXA): Eine Verabreichung später als 3 Stunden nach dem Trauma wird nicht empfohlen, da dies weniger wirksam und potenziell schädlich ist.
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Wicking-Effekt: Es wird davor gewarnt, dass Wundfüllmaterialien Blut lediglich aufsaugen können, ohne die Blutung zu stoppen, was zu einer unbemerkten, fortgesetzten Hämorrhagie führt.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der präklinischen Versorgung ist das vorzeitige Lösen des manuellen Drucks, um den Blutungserfolg zu kontrollieren. Die Leitlinie betont, dass nach der Applikation von hämostyptischen Wundauflagen der manuelle Druck zwingend für mindestens 3 Minuten ununterbrochen aufrechterhalten werden muss, um eine effektive Gerinnung zu ermöglichen.
Häufig gestellte Fragen
Zu den junktionalen Zonen gehören die Leiste, die Axilla, das Perineum, der Schultergürtel und die Halsbasis. Blutungen in diesen Bereichen lassen sich mit klassischen Extremitäten-Tourniquets meist nicht kontrollieren.
Die Leitlinie nennt QuikClot Combat Gauze als das bevorzugte hämostyptische Mittel der CoTCCC. Es handelt sich um eine kaolinbeschichtete Gaze, die die Blutgerinnung beschleunigt.
XStat wird laut Leitlinie für tiefe und schmale Schuss- oder Stichkanäle in junktionalen Bereichen empfohlen. Es besteht aus expandierenden Schwämmen, ist jedoch bei intrathorakalen oder intraabdominellen Verletzungen kontraindiziert.
Die Leitlinie empfiehlt die Gabe von TXA zwingend innerhalb der ersten 3 Stunden nach dem Trauma. Eine spätere Verabreichung wird als potenziell schädlich eingestuft.
Ja, die CoTCCC empfiehlt den Einsatz von junktionalen Tourniquets bei geeigneten Verletzungen. Deren Anlage sollte nicht verzögert werden, auch wenn bereits Hämostyptika angewendet wurden.
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Quelle: StatPearls: EMS Junctional Hemorrhage Control (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.