Tactical Combat Casualty Care (TCCC): StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Tactical Combat Casualty Care (TCCC) ist der präklinische Standard für die medizinische Versorgung im Gefechtsfeld. Die Leitlinie von StatPearls beschreibt die vom Committee on Tactical Combat Casualty Care (CoTCCC) entwickelten Prinzipien.
Historisch zeigte sich, dass 90 Prozent der Todesfälle im Gefecht vor Erreichen einer medizinischen Einrichtung auftreten. Die primären Todesursachen sind Blutungen (91 Prozent), Atemwegsobstruktionen (7,9 Prozent) und Spannungspneumothoraces (1,1 Prozent).
Durch die flächendeckende Einführung der TCCC-Konzepte, insbesondere der frühzeitigen Anwendung von Tourniquets, konnten die Letalitätsraten signifikant gesenkt werden. Die Versorgung orientiert sich an drei Phasen und dem MARCH-Algorithmus.
Empfehlungen
Die Leitlinie unterteilt die Versorgung in drei aufeinanderfolgende Phasen:
Phase 1: Care Under Fire (CUF)
In der ersten Phase definiert die Leitlinie die Feuerüberlegenheit und das Bewegen des Verwundeten in Deckung als oberste Priorität.
Als einzige medizinische Maßnahme wird unter direktem Beschuss die Anlage eines Tourniquets bei massiven Blutungen empfohlen. Das Tourniquet wird laut Leitlinie schnellstmöglich "high and tight" (hoch und fest) über der Uniform angelegt.
Phase 2: Tactical Field Care (TFC)
Sobald eine Deckung erreicht ist, erfolgt die Versorgung gemäß Leitlinie nach dem MARCH-Algorithmus:
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M (Massive Hemorrhage): Es wird empfohlen, Tourniquets nun direkt auf der Haut zu platzieren und Wunden mit hämostatischen Verbänden auszutamponieren.
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A (Airway): Die Leitlinie rät zur Atemwegssicherung mittels Esmarch-Handgriff, Wendl- oder Guedel-Tubus. Bei Versagen wird eine Koniotomie beschrieben.
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R (Respiration): Bei Rumpftraumata und Atemnot wird eine Nadeldekompression empfohlen. Offene Thoraxwunden sollen mit einem Ventil-Thoraxpflaster (Chest Seal) versorgt werden.
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C (Circulation): Nach Etablierung eines Zugangs wird bei massivem Blutverlust die Gabe von Tranexamsäure (TXA) und Blutprodukten empfohlen.
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H (Hypothermia): Der Verwundete soll durch isolierende Materialien vor weiterem Auskühlen geschützt werden.
Phase 3: Tactical Evacuation Care (TACEVAC)
Während des Transports in eine klinische Einrichtung wird die kontinuierliche Überwachung nach dem MARCH-Schema empfohlen. In dieser Phase können laut Leitlinie erweiterte Maßnahmen wie die endotracheale Intubation oder die Anlage supraglottischer Atemwege durchgeführt werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist darauf hin, dass während der Phase "Care Under Fire" (CUF) von allen medizinischen Maßnahmen mit Ausnahme der Tourniquet-Anlage abgesehen werden soll. Zudem wird ein bewusstloser Verwundeter in dieser Phase unter Beschuss als jenseits der Versorgungsmöglichkeiten eingestuft, weshalb Rettungsversuche streng nach Risiko abgewogen werden sollen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass die Anlage eines Tourniquets je nach Versorgungsphase unterschiedlich erfolgt. Während unter Beschuss (Care Under Fire) das Tourniquet schnellstmöglich "high and tight" über der Kleidung platziert wird, wird in der Deckung (Tactical Field Care) eine Neubeurteilung und die direkte Anlage auf der Haut empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Der MARCH-Algorithmus steht für Massive Hemorrhage, Airway, Respiration, Circulation und Hypothermia. Laut Leitlinie ersetzt er im taktischen Umfeld das klassische ABCDE-Schema, da massive Blutungen die häufigste Todesursache darstellen.
Die Leitlinie empfiehlt die Anlage eines Tourniquets bereits in der ersten Phase (Care Under Fire) bei lebensbedrohlichen Extremitätenblutungen. Es ist die einzige medizinische Maßnahme, die unter direktem Beschuss durchgeführt werden soll.
Bei saugenden Brustwunden wird die Anlage eines speziellen Thoraxpflasters mit Ventil (Vented Chest Seal) empfohlen. Bei Verdacht auf einen Spannungspneumothorax rät die Leitlinie zur Nadeldekompression.
Die Leitlinie empfiehlt die Gabe von Tranexamsäure bei massiven Blutungen, hämorrhagischem Schock oder dem Verdacht auf intraabdominelle beziehungsweise intrathorakale Blutungen. Dies erfolgt in der Phase der Tactical Field Care nach Etablierung eines intravenösen oder intraossären Zugangs.
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Quelle: StatPearls: EMS Tactical Combat Casualty Care (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.