EMS Zones of Care: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie (2026) beschreibt die sogenannten "Zones of Care" für den Rettungsdienst (EMS) bei taktischen oder hochriskanten Einsätzen. Dazu zählen unter anderem Amokläufe, Terroranschläge, Gefahrgutunfälle (HAZMAT) oder ein Massenanfall von Verletzten (MANV) in gefährlichen Umgebungen.
Das Konzept basiert auf den Richtlinien der Tactical Emergency Casualty Care (TECC), welche militärische Erfahrungen für den zivilen Bereich adaptieren. Die Einteilung erfolgt in drei dynamische Zonen, die sich nach dem jeweiligen Bedrohungspotenzial richten.
Ziel dieser Zonen-Einteilung ist es, den Einsatz von Personal und medizinischen Maßnahmen optimal an die Gefahrenlage anzupassen. Dabei steht die sichere und schnelle Evakuierung der Patienten in sichere Bereiche im Vordergrund, um sowohl Helfer als auch Betroffene zu schützen.
Empfehlungen
Die Leitlinie definiert spezifische medizinische Maßnahmen in Abhängigkeit von der jeweiligen Gefahrenzone. Die Einteilung erfolgt in drei Stufen:
| Zone | Gefahrenstufe | Primärer Fokus | Zulässige medizinische Maßnahmen |
|---|---|---|---|
| Hot Zone (Rot) | Unmittelbare Lebensgefahr | Gefahrenabwehr, schnelle Evakuierung | Ausschließlich Kontrolle lebensbedrohlicher Extremitätenblutungen (Tourniquet) |
| Warm Zone (Gelb) | Potenzielle, reduzierte Gefahr | Lebensrettende Sofortmaßnahmen, Patientenablage | MARCH-Algorithmus, Anlage weiterer Tourniquets, Atemwegssicherung |
| Cold Zone (Grün) | Keine unmittelbare Gefahr | Umfassende Versorgung, Transportvorbereitung | Formelle Triage, Reevaluation aller Maßnahmen, Standard-Rettungsdienstprotokolle |
Hot Zone (Rote Zone)
In der Hot Zone besteht eine unmittelbare Lebensgefahr durch aktive Bedrohungen. Laut Leitlinie liegt der primäre Fokus auf der Gefahrenabwehr, der Vermeidung weiterer Opfer und der schnellen Evakuierung.
Medizinische Maßnahmen sind in diesem Bereich streng limitiert:
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Es wird ausschließlich die Kontrolle lebensbedrohlicher Extremitätenblutungen empfohlen.
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Als primäre Maßnahmen werden direkter Druck und die Anlage von Tourniquets genannt.
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Die Helfer müssen hochmobil bleiben und nur die absolut notwendige Ausrüstung mitführen.
Warm Zone (Gelbe Zone)
Die Warm Zone stellt einen Übergangsbereich dar, in dem eine reduzierte, aber weiterhin potenzielle Gefahr besteht. Es wird empfohlen, die Aufenthaltszeit in dieser Zone so kurz wie möglich zu halten.
Die medizinische Versorgung fokussiert sich auf lebensrettende Sofortmaßnahmen nach dem MARCH-Algorithmus:
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M (Massive Blutung): Anlage weiterer Tourniquets, Wundpackung mit Druckverband oder hämostatischen Gaze.
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A (Atemwege): Basismaßnahmen wie Kinnheben oder Wendl-Tubus. Bei schwerer Kompromittierung wird eine Krikothyreotomie gegenüber einer Intubation bevorzugt.
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R (Atmung): Nadeldekompression bei Spannungspneumothorax sowie Anlage von ventilierten Chest-Seals bei offenen Thoraxverletzungen.
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C (Zirkulation): Schockmanagement und intravenöse Flüssigkeitsgabe.
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H (Hypothermie/Schädel-Hirn-Trauma): Maßnahmen zur Wiedererwärmung.
Zudem wird die rasche Einrichtung einer Patientenablage (Casualty Collection Point) empfohlen. Die Behandlung nicht-lebensbedrohlicher Verletzungen soll laut Leitlinie auf die Cold Zone verschoben werden.
Cold Zone (Grüne Zone)
In der Cold Zone besteht keine unmittelbare Gefahr mehr, sodass eine umfassende medizinische Versorgung stattfinden kann. Hier erfolgt die formelle Triage aller Patienten.
Die Leitlinie empfiehlt für diesen Bereich folgende Maßnahmen:
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Vollständige Reevaluation aller bisherigen Interventionen (z. B. Kontrolle von Tourniquets und Dekompressionsnadeln).
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Anwendung regulärer rettungsdienstlicher Protokolle inklusive vollständigem Atemwegsmanagement und Wundversorgung.
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Vorbereitung und Priorisierung des Transports in geeignete Zielkliniken.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise und Einschränkungen für die taktische Patientenversorgung:
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In der Hot Zone ist die Behandlung nicht-lebensbedrohlicher Verletzungen kontraindiziert, da die schnelle Evakuierung Vorrang hat.
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Eine formelle Triage wird in der Warm Zone nicht empfohlen; gehfähige Patienten sollen diese Zone direkt in Richtung Cold Zone verlassen.
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Bei offenen Thoraxverletzungen wird vor der Verwendung unventilierter Chest-Seals gewarnt, stattdessen werden ventilierte Systeme empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die Bevorzugung der Krikothyreotomie gegenüber der klassischen endotrachealen Intubation in der Warm Zone. Aufgrund der taktischen und dynamischen Umgebung wird dieses Verfahren als schneller und effektiver eingestuft. Zudem wird betont, dass angelegte Chest-Seals kontinuierlich auf die Entwicklung eines Spannungspneumothorax überwacht werden müssen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist in der Hot Zone ausschließlich die Kontrolle lebensbedrohlicher Extremitätenblutungen vorgesehen. Dies erfolgt primär durch direkten Druck und die schnelle Anlage von Tourniquets.
Das MARCH-Schema priorisiert lebensrettende Maßnahmen in der Warm Zone. Es steht für Massive Blutung, Atemwege (Airway), Atmung (Respiration), Zirkulation (Circulation) und Hypothermie/Kopfverletzungen.
Die formelle Triage wird gemäß der Leitlinie erst in der sicheren Cold Zone durchgeführt. In den vorgelagerten Gefahrenzonen liegt der Fokus auf der reinen Lebenserhaltung und Evakuierung.
Es wird die Anlage von ventilierten Chest-Seals empfohlen. Die Leitlinie weist darauf hin, dass diese Patienten engmaschig auf die Entstehung eines Spannungspneumothorax überwacht werden müssen.
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Quelle: StatPearls: EMS Zones of Care (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.