Pädiatrischer Herzstillstand: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Der pädiatrische Herz-Kreislauf-Stillstand ist ein seltenes, aber lebensbedrohliches Ereignis. Laut der StatPearls-Leitlinie resultiert er meist aus einer progredienten respiratorischen Insuffizienz oder einem Schockgeschehen und seltener aus primär kardialen Ursachen.
Die Überlebensraten variieren stark je nach Ort des Geschehens. Ein innerklinischer Herzstillstand (IHCA) weist mit etwa 32 bis 46 Prozent eine deutlich höhere Überlebensrate auf als ein außerklinischer Herzstillstand (OHCA), bei dem nur etwa 5 bis 8 Prozent der Kinder bis zur Krankenhausentlassung überleben.
Eine schnelle Erkennung der Warnzeichen wie Hypoxie, Hypotonie und veränderter Bewusstseinszustand ist essenziell. Die Leitlinie betont, dass eine frühzeitige und qualitativ hochwertige Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR) die neurologischen und allgemeinen Überlebenschancen maßgeblich verbessert.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management des pädiatrischen Herzstillstands:
Diagnostik und initiale Beurteilung
Es wird die strukturierte Beurteilung nach dem ABCDE-Schema (Airway, Breathing, Circulation, Disability, Exposure) empfohlen. Bei intubierten Patienten wird zur Fehlersuche bei Verschlechterung das DOPE-Schema (Dislokation, Obstruktion, Pneumothorax, Equipment-Versagen) herangezogen.
Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR)
Für die Herzdruckmassage werden je nach Helfersituation spezifische Kompressions-Beatmungs-Verhältnisse empfohlen:
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30:2 bei einem einzelnen Helfer für alle pädiatrischen Altersgruppen
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15:2 bei zwei Helfern für Säuglinge und Kinder
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3:1 bei zwei Helfern für Neugeborene
Die Kompressionstiefe sollte etwa ein Drittel des Thoraxdurchmessers betragen. Gemäß den aktuellen Updates wird bei Säuglingen die Zwei-Daumen-Technik oder die Handballen-Technik empfohlen.
Atemwegsmanagement
Als Goldstandard der Atemwegssicherung gilt die endotracheale Intubation. Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung von gecufften Tuben für alle Kinder mit Ausnahme von Neugeborenen.
Zur Bestätigung der Tubuslage und zur Überwachung der Beatmung wird ein kontinuierliches endtidales CO2-Monitoring angeraten. Dies ermöglicht zudem eine frühzeitige Erkennung des Wiedereintritts eines Spontankreislaufs (ROSC).
Reversible Ursachen (H's und T's)
Es wird empfohlen, während der Reanimation systematisch nach reversiblen Ursachen zu suchen und diese gezielt zu behandeln. Die Leitlinie fasst diese in zwei Kategorien zusammen:
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H-Ursachen: Hypovolämie, Hypoxie, Wasserstoffionen (Azidose), Hypo-/Hyperkaliämie, Hypoglykämie, Hypothermie
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T-Ursachen: Spannungs-Pneumothorax, Herzbeuteltamponade, Toxine, Thrombose (pulmonal/koronar)
Dosierung
Die Leitlinie gibt folgende spezifische Dosierungen für die medikamentöse und elektrische Therapie beim pädiatrischen Herzstillstand vor:
| Intervention | Dosierung / Energie | Indikation / Bemerkung |
|---|---|---|
| Adrenalin (intravenös/intraossär) | 0,01 mg/kg (1:10.000 Lösung) | Alle 3 bis 5 Minuten bei Asystolie, PEA oder Kammerflimmern |
| Adrenalin (endotracheal) | 0,1 mg/kg | Nur wenn kein IV/IO-Zugang verfügbar ist |
| Defibrillation (1. Schock) | 2 J/kg | Bei schockbaren Rhythmen (Kammerflimmern, pulslose VT) |
| Defibrillation (2. Schock) | 4 J/kg | Bei persistierendem schockbarem Rhythmus |
| Defibrillation (Folgeschocks) | > 4 J/kg (maximal 10 J/kg) | Bei therapierefraktärem schockbarem Rhythmus |
| Naloxon | altersentsprechend | Bei Verdacht auf Opioid-Überdosierung während der CPR |
Kontraindikationen
Laut den aktualisierten Leitlinien wird die Zwei-Finger-Technik zur Herzdruckmassage bei Säuglingen nicht mehr empfohlen. Stattdessen sollte die Zwei-Daumen-Technik oder die Handballen-Technik angewendet werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, sich bei der Gewichtsschätzung ausschließlich auf das Broselow-Band zu verlassen, da dieses das Gewicht in fast der Hälfte der Fälle ungenau schätzt. Es wird empfohlen, neben der Körperlänge auch den Körperbau des Kindes zu berücksichtigen, um kritische Dosierungsfehler bei Notfallmedikamenten zu vermeiden. Zudem gilt ein fehlender Wiedereintritt des Spontankreislaufs (ROSC) nach zwei Adrenalin-Gaben als starker Prädiktor für ein schlechtes Überleben.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine Kompressionstiefe von etwa einem Drittel des anterior-posterioren Thoraxdurchmessers. Dies gilt für alle pädiatrischen Altersgruppen, um eine ausreichende kardiale Perfusion zu gewährleisten.
Für gecuffte Tuben wird laut Leitlinie die Formel '(Alter in Jahren / 4) + 3,5' empfohlen. Die Einstecktiefe sollte dabei etwa das Dreifache der berechneten Tubusgröße betragen.
Die initiale Defibrillation erfolgt gemäß Leitlinie mit 2 Joule pro Kilogramm Körpergewicht. Bei weiteren Schocks wird die Energie auf 4 Joule pro Kilogramm erhöht, bis zu einem Maximum von 10 Joule pro Kilogramm.
Die H's und T's sind eine Merkhilfe für reversible Ursachen eines Herzstillstands, die laut Leitlinie schnellstmöglich behoben werden müssen. Dazu gehören unter anderem Hypoxie, Hypovolämie, Toxine und der Spannungs-Pneumothorax.
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Quelle: StatPearls: Cardiopulmonary Arrest in Children (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.