Sprachentwicklungsstörungen (SES): Therapie-Empfehlung
Hintergrund
Sprachentwicklungsstörungen (SES) gehören mit einer Prävalenz von knapp zehn Prozent zu den häufigsten Störungsbildern im Kindesalter. Sie können isoliert oder in Verbindung mit anderen Erkrankungen wie Hörstörungen, Intelligenzminderungen oder genetischen Syndromen auftreten.
Die interdisziplinäre S3-Leitlinie der AWMF formuliert evidenzbasierte Standards für die Behandlung dieser Störungen. Ziel ist es, durch gezielte sprachtherapeutische Interventionen die kommunikativen Fähigkeiten der betroffenen Kinder zu verbessern und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu sichern.
Dabei wird zwischen umschriebenen Sprachentwicklungsstörungen und solchen unterschieden, die mit Komorbiditäten einhergehen. Die Therapieauswahl richtet sich nach der spezifischen linguistischen Ebene, die beeinträchtigt ist, sowie nach dem individuellen Entwicklungsstand des Kindes.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist der isolierte Einsatz von mund- und zungenmotorischen Übungen ohne Sprechbezug bei funktionellen Aussprachestörungen wirkungslos. Es wird stattdessen empfohlen, bei phonologischen Störungen direkt an der auditiven Wahrnehmung und der sprachlichen Regelbildung zu arbeiten. Zudem wird betont, dass bei Late Talkers ein reines Abwarten nicht ratsam ist, sondern eine engmaschige Kontrolle und frühzeitige Intervention erfolgen sollte.
Häufig gestellte Fragen
Ein Kind wird als Late Talker bezeichnet, wenn es im Alter von 24 Monaten einen deutlich eingeschränkten expressiven Wortschatz aufweist und keine Primärbeeinträchtigungen vorliegen. Zudem bilden diese Kinder laut Leitlinie in diesem Alter meist noch keine Zweiwortkombinationen.
Die Leitlinie empfiehlt im dritten Lebensjahr zunächst ein strukturiertes Elterntraining, um die sprachförderliche Interaktion im Alltag zu verbessern. Bei ausbleibendem Erfolg oder zusätzlichen Sprachverständnisproblemen ist eine direkte, kindzentrierte Sprachtherapie indiziert.
Eine phonetische Störung ist ein motorisches Artikulationsproblem, bei dem ein Laut isoliert falsch gebildet wird, wie beispielsweise beim Lispeln. Eine phonologische Störung betrifft hingegen das sprachliche Regelsystem, wodurch Laute regelhaft ersetzt oder ausgelassen werden, obwohl das Kind sie motorisch bilden könnte.
Es wird empfohlen, nach Möglichkeit alle Sprachen des Kindes in die Therapie einzubeziehen, beispielsweise durch mehrsprachige Therapeuten oder die Einbindung der Eltern. Die Leitlinie betont, dass Eltern in der Sprache mit dem Kind kommunizieren sollen, in der sie sich am sichersten fühlen.
Bei einer verbalen Entwicklungsdyspraxie wird eine möglichst frühzeitige Sprachtherapie mit hochrepetitiven Übungseinheiten zum Erlernen von Sprechbewegungsabläufen empfohlen. Ansätze wie DTTC oder VEDiT können hierbei im deutschsprachigen Raum in Betracht gezogen werden.
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Quelle: Therapie von Sprachentwicklungsstörungen (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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