Spastisches Syndrom: Therapie und Botulinumtoxin
Hintergrund
Die spastische Bewegungsstörung (SMD) ist ein häufiges Phänomen nach Schädigungen des zentralen Nervensystems, beispielsweise durch Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Querschnittlähmung. Sie ist Teil des Syndroms des oberen Motoneurons und äußert sich durch einen geschwindigkeitsabhängigen Dehnungswiderstand der Skelettmuskulatur.
Pathophysiologisch tragen sowohl neurogene Mechanismen, wie eine erhöhte Erregbarkeit spinaler Reflexkreise, als auch nicht-neurogene Faktoren, wie strukturelle Muskelveränderungen, zur Tonuserhöhung bei. Eine behandlungsbedürftige Spastizität liegt vor, wenn sie zu funktionellen Beeinträchtigungen, Schmerzen oder Pflegehindernissen führt.
Die AWMF-S2k-Leitlinie betont, dass sich die Therapieauswahl nach dem individuellen Verteilungsmuster (fokal, segmental, generalisiert) und den spezifischen Behandlungszielen richten muss. Dabei kommen physikalische, medikamentöse und operative Verfahren zum Einsatz.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, dass zentral wirksame orale Antispastika häufig eine geringe therapeutische Breite aufweisen und insbesondere bei Patienten mit Hirnschädigungen zu Sedierung und unerwünschter Muskelschwäche führen können. Bei fokaler oder segmentaler Spastik wird daher primär eine lokale Injektionsbehandlung mit Botulinumtoxin A empfohlen, da diese in der Regel ein deutlich besseres Nutzen-Risiko-Verhältnis bietet.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist eine Therapie indiziert, wenn eine alltagsrelevante Beeinträchtigung vorliegt, Schmerzen bestehen oder Sekundärkomplikationen wie Kontrakturen drohen. Eine spastische Tonuserhöhung per se muss nicht zwingend behandelt werden, wenn sie beispielsweise das Stehen oder den Transfer erleichtert.
Bei fokaler, multifokaler und segmentaler Spastik empfiehlt die Leitlinie primär Botulinumtoxin A (BoNT A). Es weist gegenüber oralen Antispastika ein deutlich besseres Nutzen-Risiko-Verhältnis auf.
Ja, die Leitlinie stellt klar, dass eine ergo- und physiotherapeutische Behandlung zur Verbesserung aktiver motorischer Funktionen durchgeführt werden sollte. Es muss keine Sorge bestehen, dass wirksame Therapieverfahren die spastische Tonuserhöhung verstärken.
Die intrathekale Baclofen-Behandlung (ITB) wird für schwere multisegmentale oder generalisierte Spastik empfohlen. Sie kommt zum Einsatz, wenn physikalische Maßnahmen und orale Medikamente nicht ausreichen oder zu starke Nebenwirkungen verursachen.
Bei Erwachsenen mit Multipler Sklerose empfiehlt die Leitlinie, die Verordnung von Nabiximol (einem THC- und CBD-haltigen Spray) zur Linderung spastikbedingter Symptome zu bedenken. Für andere Ätiologien wird es in diesem Kontext nicht explizit empfohlen.
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Quelle: Therapie des spastischen Syndroms (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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