Armparese nach Schlaganfall: Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Ein frueher Beginn der Armrehabilitation innerhalb weniger Tage nach dem Schlaganfall wird empfohlen.
- •Fuer subakute Patienten sollen werktaeglich mindestens 30 Minuten spezifische aktive Armrehabilitation erfolgen.
- •Bei chronischen Patienten sollten woechentlich 90 bis 270 Minuten strukturiertes Training durchgefuehrt werden.
- •Klinische Assessments wie der Fugl-Meyer-Test oder der ARAT sind essenziell fuer die Verlaufsdokumentation.
- •Bei sehr schlechter Prognose kann ein Kompensationstraining mit dem nicht-paretischen Arm priorisiert werden.
Hintergrund
Die Armparese gehoert zu den haeufigen Folgeschaedigungen nach einem Schlaganfall und ist ein bedeutsamer Praediktor fuer die laengerfristige Behinderung. Die Schwere der Armlaehmung zeigt oft eine bimodale Verteilung: Viele Patienten haben entweder leichte oder schwere Armaktivitaetslimitierungen. Waehrend schwer betroffene Patienten den Arm im Alltag kaum einsetzen koennen und unter Spastik leiden, haben leicht betroffene Patienten oft einen fast vollen Bewegungsumfang, sind aber verlangsamt und ungeschickt.
Klinische Diagnostik und Assessments
Zur Erfassung funktioneller Defizite und zur Therapieeffektdokumentation werden verschiedene standardisierte Assessments empfohlen:
| Assessment | Zielgroesse | Anmerkung |
|---|---|---|
| Motricity Index (MI) | Aktive motorische Funktion / Kraft | Schnell durchfuehrbar (ca. 5 Min) |
| Fugl-Meyer Test (FM) | Selektive motorische Kontrolle | Standard in der Effektdokumentation |
| Action Research Arm Test (ARAT) | Unilaterale Armaktivitaeten | 19 Aufgaben, hierarchisch aufgebaut |
| Box-and-Block Test (BBT) | Grobe manuelle Geschicklichkeit | Transport von Wuerfeln in 1 Minute |
| Nine-Hole-Peg-Test (NHPT) | Fingergeschicklichkeit | Einsetzen von 9 Stiften auf Zeit |
| Ashworth Scale / REPAS | Spastizitaet / Muskeltonus | Widerstand gegen passive Bewegung |
| Motor Activity Log (MAL) | Selbstbeurteilung im Alltag | Strukturiertes Interview |
Zeitpunkt und Intensitaet der Therapie
Die Leitlinie macht klare Vorgaben zur Dosierung der aktiven Uebungstherapie abhaengig von der Erkrankungsphase:
- Empfehlungsgrad B: Soweit der klinische Zustand es erlaubt, sollte ein frueher Beginn der Rehabilitation innerhalb weniger Tage nach dem Schlaganfall erfolgen.
- Empfehlungsgrad A: Bei subakuten Patienten sollen werktaeglich mindestens 30 Minuten zusaetzliche spezifische, an der aktiven Funktion orientierte Armrehabilitation erfolgen.
- Empfehlungsgrad B: Zur Wirkverstaerkung auf Bewegungsselektivitaet und Armaktivitaeten sollte bei subakuten Patienten ein spezifisches Armtraining von bis zu 2-3 Stunden pro Tag erwogen werden.
- Empfehlungsgrad B: Im chronischen Stadium sollten woechentlich 90 bis 270 Minuten strukturiertes repetitives Training (z.B. Schulter-, Ellenbogen-, Handgelenks- und Fingerbewegungen) durchgefuehrt werden.
Organisationsformen der Therapie
Neben der klassischen Einzeltherapie koennen verschiedene Organisationsformen genutzt werden, um die Therapieintensitaet zu erhoehen:
- Empfehlungsgrad B: Fuer geeignete Patienten sollte ein mehrwoechiges Zirkeltraining ausreichender Intensitaet (z.B. 3-5 Stunden pro Woche) bedacht werden.
- Eigentraining: Systematisches Eigentraining fuer zuhause (z.B. das GRASP-Programm) mit intermittierender Supervision zeigt signifikante Verbesserungen bei der Faehigkeit, den betroffenen Arm im Alltag zu benutzen.
Prognose und Therapieziele
Die Therapieziele muessen an die individuelle Erholungsprognose angepasst werden. Der PREP-Algorithmus (Kombination aus Kraftpruefung, motorisch evozierten Potenzialen [MEP] und MRT) kann hierbei unterstuetzen.
- Empfehlungsgrad 0: Bei nachweislich sehr schlechter Erholungsprognose (Plegie des Armes, MEP-Verlust und MRT-Nachweis einer deutlichen Pyramidenbahnschaedigung) koennen auch frueh nach dem Schlaganfall die Therapieziele 'Vermeidung von Sekundaerkomplikationen' und 'Kompensationstraining mit dem nicht-paretischen Arm' gegenueber aktiven Funktionsrestitutionsversuchen priorisiert werden.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie standardisierte Assessments wie den Fugl-Meyer-Test oder ARAT zur objektiven Dokumentation des Therapieerfolgs. Passen Sie die Therapieziele bei fehlenden motorisch evozierten Potenzialen (MEP) fruehzeitig auf Kompensation an.