Adipositas: Diagnostik und Therapieempfehlungen
Hintergrund
Die SIGN-Leitlinie 115 befasst sich mit der Prävention und Behandlung von Übergewicht und Adipositas im klinischen Umfeld. Sie umfasst evidenzbasierte Empfehlungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Adipositas ist mit zahlreichen Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmten Krebsarten assoziiert. Es wird ein umfassender Ansatz zur Gewichtsreduktion und -erhaltung gefordert.
Die primären Ziele des Gewichtsmanagements umfassen die Prävention einer weiteren Gewichtszunahme sowie die Optimierung der Gesundheit. Dabei wird eine Kombination aus diätetischen, physischen und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen empfohlen.
Empfehlungen
Diagnostik und Klassifikation
Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung des Body-Mass-Index (BMI) zur Klassifikation von Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen (Empfehlungsgrad B). Die Klassifikation des Körpergewichts erfolgt nach festgelegten Grenzwerten.
| Klassifikation | BMI (kg/m2) |
|---|---|
| Untergewicht | < 18,5 |
| Normalgewicht | 18,5 - 24,9 |
| Übergewicht | 25,0 - 29,9 |
| Adipositas Grad I | 30,0 - 34,9 |
| Adipositas Grad II | 35,0 - 39,9 |
| Adipositas Grad III | ≥ 40,0 |
Zusätzlich kann der Taillenumfang gemessen werden, um das Risiko für Begleiterkrankungen genauer einzuschätzen (Empfehlungsgrad C). Das Krankheitsrisiko wird wie folgt eingestuft:
| BMI-Klasse | BMI (kg/m2) | Risiko bei Taillenumfang (Männer 94-102 cm, Frauen 80-88 cm) | Risiko bei Taillenumfang (Männer > 102 cm, Frauen > 88 cm) |
|---|---|---|---|
| Übergewicht | 25,0 - 29,9 | Erhöht | Hoch |
| Adipositas I | 30,0 - 34,9 | Hoch | Sehr hoch |
| Adipositas II | 35,0 - 39,9 | Sehr hoch | Sehr hoch |
| Adipositas III | ≥ 40,0 | Extrem hoch | Extrem hoch |
Bei Kindern wird die Verwendung von BMI-Perzentilen zur Diagnose empfohlen (Empfehlungsgrad C). Der Taillenumfang oder internationale Cut-offs sollen bei Kindern nicht zur Diagnose herangezogen werden (Empfehlungsgrad C/D).
Therapieziele
Die Zielwerte für die Gewichtsreduktion sollten sich an den individuellen Risiken orientieren:
-
Bei einem BMI von 25-35 kg/m2 wird ein Gewichtsverlust von 5-10 % empfohlen
-
Bei einem BMI >35 kg/m2 ist oft ein Verlust von über 15-20 % erforderlich, um Begleiterkrankungen zu verbessern
-
Bei den meisten adipösen Kindern (BMI ≥ 98. Perzentile) gilt die Gewichtserhaltung als akzeptables Behandlungsziel (Empfehlungsgrad D)
Lebensstil- und Verhaltensinterventionen
Es wird empfohlen, dass Programme zum Gewichtsmanagement körperliche Aktivität, Ernährungsumstellung und Verhaltenskomponenten umfassen (Empfehlungsgrad A). Für Erwachsene wird ein tägliches Energiedefizit von 600 kcal empfohlen (Empfehlungsgrad A).
Zudem wird ein Aktivitätsvolumen von 1.800-2.500 kcal/Woche angeraten (Empfehlungsgrad B). Dies entspricht etwa 225-300 Minuten moderater Aktivität pro Woche.
Bei Kindern sollen familienbasierte Programme eingesetzt werden, die auf eine Reduktion der Energieaufnahme und eine Steigerung der körperlichen Aktivität abzielen (Empfehlungsgrad B). Es wird empfohlen, die Zeit für sitzende Tätigkeiten und Bildschirmzeit auf unter 2 Stunden pro Tag zu reduzieren.
Bariatrische Chirurgie
Die bariatrische Chirurgie wird als Teil eines klinischen Pfades für Erwachsene betrachtet. Sie kann bei einem BMI ≥ 35 kg/m2 und schweren Begleiterkrankungen nach erfolglosen konservativen Maßnahmen erwogen werden (Empfehlungsgrad C).
Bei Jugendlichen nach der Pubertät mit extremer Adipositas und schweren Begleiterkrankungen kann ein chirurgischer Eingriff ebenfalls in Betracht gezogen werden (Empfehlungsgrad D).
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungen und Indikationen für die medikamentöse Therapie:
| Medikament | Dosis | Indikation |
|---|---|---|
| Orlistat | 120 mg 3-mal täglich | Erwachsene mit BMI ≥ 28 kg/m2 (mit Komorbiditäten) oder BMI ≥ 30 kg/m2 als Ergänzung zur Lebensstilintervention |
| Orlistat (Apothekenpflichtig) | 60 mg 3-mal täglich | Erwachsene ab 18 Jahren mit BMI ≥ 28 kg/m2 |
| Orlistat | individuell | Schwer adipöse Jugendliche (BMI ≥ 99,6. Perzentile) mit Komorbiditäten in Spezialambulanzen |
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist darauf hin, dass Binge-Eating-Störungen, dysfunktionales Essverhalten oder frühere Interventionen wegen Substanzmissbrauch keine absoluten Kontraindikationen für eine bariatrische Operation darstellen (Empfehlungsgrad C).
Sehr kalorienarme Diäten (VLCD) sollen nur unter medizinischer Aufsicht durchgeführt werden (Empfehlungsgrad D).
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass bei den meisten adipösen Kindern (BMI ≥ 98. Perzentile) bereits die reine Gewichtserhaltung als erfolgreiches und akzeptables Behandlungsziel gilt, da das Längenwachstum im Verlauf zu einer relativen BMI-Reduktion führt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird bei Erwachsenen ein BMI ab 30,0 kg/m2 als Adipositas klassifiziert. Ein BMI zwischen 25,0 und 29,9 kg/m2 gilt als Übergewicht.
Bei einem BMI zwischen 25 und 35 kg/m2 wird ein Gewichtsverlust von 5 bis 10 % empfohlen. Liegt der BMI über 35 kg/m2, ist oft ein Verlust von über 15 bis 20 % erforderlich, um Begleiterkrankungen zu verbessern.
Eine bariatrische Operation kann bei Erwachsenen mit einem BMI ab 35 kg/m2 und schweren Begleiterkrankungen erwogen werden. Voraussetzung ist, dass zuvor konservative Maßnahmen zur Gewichtsreduktion erfolglos blieben.
Für Erwachsene wird ein Aktivitätsvolumen von 1.800 bis 2.500 kcal pro Woche angeraten. Dies entspricht etwa 225 bis 300 Minuten moderater körperlicher Aktivität wöchentlich.
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Quelle: SIGN 115: Management of Upper Limb Fractures in Children (SIGN, 2010). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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