SNAP-Leitlinie: Prävention in der Hausarztpraxis (RACGP)
📋Auf einen Blick
- •Die 5A-Strategie (Ask, Assess, Advise, Assist, Arrange) bildet das Gerüst für präventive Kurzinterventionen in der Hausarztpraxis.
- •Raucherentwöhnung: Vareniclin ist die effektivste Monotherapie; bei Nikotinersatztherapie ist eine Kombination (Pflaster + oral) überlegen.
- •Adipositas: Intensivierte Maßnahmen ab BMI >30 (oder >27 mit Risikofaktoren), bariatrische Chirurgie ab BMI >40 (oder >35 mit Komorbiditäten).
- •Alkohol: Screening ab 15 Jahren mittels AUDIT-C. Ein risikoarmer Konsum liegt bei maximal zwei Standardgetränken (je 10 g Alkohol) pro Tag.
Hintergrund
Die SNAP-Leitlinie (Smoking, Nutrition, Alcohol, Physical activity) des RACGP richtet sich an Hausärzte und Praxisteams zur Prävention und Behandlung von lebensstilbedingten Risikofaktoren. Die Betreuung stützt sich auf das 5A-Modell sowie auf Techniken der motivierenden Gesprächsführung (Motivational Interviewing).
| Schritt | Aktion | Bemerkung |
|---|---|---|
| Ask (Fragen) | Risikofaktoren systematisch erfragen | Bei jeder passenden Gelegenheit dokumentieren |
| Assess (Beurteilen) | Risiko und Abhängigkeit einschätzen | Bereitschaft zur Verhaltensänderung prüfen |
| Advise (Beraten) | Klare Ratschläge geben | Auf Gesundheitskompetenz (Health Literacy) achten |
| Assist (Unterstützen) | Konkrete Hilfe anbieten | Pharmakotherapie, Zielsetzung, Infomaterial |
| Arrange (Organisieren) | Follow-up planen | Überweisung an Spezialisten oder Programme |
Rauchen (Smoking)
Der Raucherstatus sollte bei jedem Patienten ab 10 Jahren erfasst werden. Eine ärztliche Kurzintervention (Brief Advice) ist hochwirksam: Die "Number Needed to Treat" (NNT) zur Verhinderung eines vorzeitigen Todesfalls liegt bei 67 für eine minimale Kurzintervention und bei 22 für eine optimale Behandlung.
Zeichen einer starken Nikotinabhängigkeit:
- Rauchen innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufwachen
- Mehr als 10 Zigaretten pro Tag
- Entzugssymptome bei früheren Aufhörversuchen
Pharmakotherapie:
- Nikotinersatztherapie (NRT): Erhöht die Erfolgsquote um ca. 60 %. Die Kombination aus Pflaster und oralem Präparat ist der Monotherapie überlegen.
- Vareniclin: Die effektivste Monotherapie (verdoppelt die Abstinenzrate nach 6 Monaten im Vergleich zu Placebo).
- Bupropion: Wirksam bei abhängigen Patienten in Kombination mit Verhaltensunterstützung.
Ernährung und Übergewicht (Nutrition & Obesity)
Body-Mass-Index (BMI) und Bauchumfang sollten alle zwei Jahre gemessen werden. Bei asiatischen Populationen kann bereits ein BMI >23 ein erhöhtes Risiko darstellen.
| Kategorie | BMI (kg/m²) |
|---|---|
| Untergewicht | < 18,5 |
| Normalgewicht | 18,5 - 24,9 |
| Übergewicht | 25,0 - 29,9 |
| Adipositas | ≥ 30,0 |
| Risiko | Männer | Frauen |
|---|---|---|
| Erhöhtes Risiko | > 94 cm | > 80 cm |
| Hohes Risiko | > 102 cm | > 88 cm |
Ernährungsempfehlungen: Erwachsene sollten täglich mindestens fünf Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst konsumieren.
Intensivierte Therapie:
- Sehr kalorienarme Diäten (VLED): Für 8-16 Wochen unter medizinischer Aufsicht bei BMI >30 oder >27 mit Komorbiditäten.
- Pharmakotherapie: Orlistat als Ergänzung zur Lebensstiländerung; Phentermin nur für den kurzfristigen Einsatz (z. B. 3 Monate).
- Bariatrische Chirurgie: Zu erwägen bei Erwachsenen mit BMI >40 oder >35 mit Komorbiditäten.
Alkohol (Alcohol)
Der Alkoholkonsum sollte bei allen Patienten ab 15 Jahren erfragt werden. Zur Beurteilung wird der AUDIT oder der kürzere AUDIT-C Fragebogen empfohlen. Ein positiver AUDIT-C (Männer ≥4, Frauen ≥3) weist auf riskanten Konsum hin.
Ein australisches Standardgetränk enthält 10 g (12,5 ml) reinen Alkohol. Um das lebenslange Risiko für alkoholbedingte Schäden zu minimieren, sollten gesunde Erwachsene nicht mehr als zwei Standardgetränke pro Tag konsumieren.
Therapie bei Abhängigkeit: Nach einem erfolgreichen Entzug bei mittelschwerer bis schwerer Abhängigkeit kann Acamprosat oder orales Naltrexon in Kombination mit psychologischen Interventionen angeboten werden.
Körperliche Aktivität (Physical Activity)
Die Leitlinie definiert körperliche Aktivität über das metabolische Äquivalent (MET). Ein MET entspricht dem Energieverbrauch in Ruhe. Aktivitäten werden in leichte, moderate und intensive Level unterteilt, wobei sitzende Tätigkeiten (Sedentary behaviours) einen Energieverbrauch von <1,5 MET aufweisen und minimiert werden sollten.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie den AUDIT-C Fragebogen für ein schnelles Alkohol-Screening im Praxisalltag. Ein Wert von ≥4 bei Männern oder ≥3 bei Frauen rechtfertigt eine sofortige Kurzintervention.