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Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2024EndokrinologieInnere Medizin

Diabetes in der Schwangerschaft: SIGN-Leitlinie 2024

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Frauen mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes sollten präkonzeptionell einen möglichst niedrigen HbA1c-Wert ohne schwere Hypoglykämien anstreben.
  • Allen Schwangeren mit Typ-1-Diabetes muss ein kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) angeboten werden (Ziel: >70 % Time in Range).
  • Die Diagnose eines Gestationsdiabetes (GDM) erfolgt mittels 75-g-oGTT (Nüchtern ≥5,3 mmol/l, 2-Stunden-Wert ≥9,0 mmol/l).
  • Bei unkompliziertem Typ-1- oder Typ-2-Diabetes wird die Entbindung zwischen 37+0 und 38+6 Schwangerschaftswochen empfohlen.
  • Ein HbA1c ≥48 mmol/mol in der Frühschwangerschaft spricht für einen manifesten Diabetes, Werte von 42-47 mmol/mol für ein hohes GDM-Risiko.
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Hintergrund

Die schottische SIGN-Leitlinie 171 (2024) fasst die evidenzbasierten Empfehlungen zum Management von vorbestehendem Diabetes (Typ 1 und Typ 2) sowie Gestationsdiabetes (GDM) während der Schwangerschaft zusammen. Ziel ist es, mütterliche und fetale Komplikationen wie Makrosomie, Präeklampsie und neonatale Hypoglykämien durch eine optimale Blutzuckereinstellung zu minimieren.

Präkonzeptionelle Betreuung

Eine geplante Schwangerschaft und die Optimierung der Stoffwechsellage vor der Konzeption verbessern die Outcomes signifikant.

  • HbA1c-Ziel: So niedrig wie möglich, ohne exzessive Hypoglykämien zu provozieren. Ein Wert <48 mmol/mol minimiert das Risiko für perinatale Mortalität und Morbidität.
  • Kontraindikation: Bei einem HbA1c >86 mmol/mol sollte eine Schwangerschaft vermieden werden.
  • Supplementation: 5 mg Folsäure täglich für mindestens 3 Monate vor der Konzeption und während des gesamten ersten Trimenons.
  • Medikationscheck: Überprüfung und ggf. Umstellung potenziell ungeeigneter Medikamente (z. B. Statine, bestimmte Antihypertensiva, GLP-1-Analoga, DPP-4-Inhibitoren, SGLT2-Inhibitoren und Sulfonylharnstoffe).

Antenatale Überwachung und Zielwerte

Die Nutzung von Diabetestechnologie wird zur Erreichung der strengen Zielwerte stark empfohlen.

  • CGM-Nutzung: Allen Schwangeren mit Typ-1-Diabetes muss der Zugang zu kontinuierlichem Glukosemonitoring (CGM) ermöglicht werden. Bei Typ-2-Diabetes sollte es erwogen werden.
  • Time in Range (TIR): Das Ziel für die TIR (3,5-7,8 mmol/l) liegt bei mindestens 70 %.
  • Ketonmessung: Schwangere mit Typ-1-Diabetes sollten bei Blutzuckerwerten ≥10 mmol/l oder bei akuter Krankheit Blutketone messen.
ParameterZielwert in der SchwangerschaftBemerkung
Nüchternglukose<5,5 mmol/lGilt für GDM, Orientierung für T1DM/T2DM
1-Stunde postprandial<8,0 mmol/lGilt für GDM, Orientierung für T1DM/T2DM
2-Stunden postprandial<7,0 mmol/lGilt für GDM, Orientierung für T1DM/T2DM
Präprandial (unter Insulin)<5,5 mmol/lBei GDM mit Insulintherapie

Gestationsdiabetes (GDM)

Ein HbA1c in der Frühschwangerschaft (erstes Trimenon) hilft bei der Risikostratifizierung und Erkennung eines unerkannten präexistenten Diabetes:

  • HbA1c ≥48 mmol/mol: Diagnose eines manifesten (overt) Diabetes.
  • HbA1c 42-47 mmol/mol: Hohes Risiko für GDM. Glukosemonitoring und Diät ab dem 2. Trimenon empfohlen.

Die definitive Diagnose eines GDM wird durch einen 75-g-oGTT gestellt. Ein einziger pathologischer Wert reicht für die Diagnose aus:

Messzeitpunkt (75-g-oGTT)Diagnostischer Grenzwert
Nüchtern≥5,3 mmol/l
Nach 1 Stunde≥10,6 mmol/l (falls gemessen)
Nach 2 Stunden≥9,0 mmol/l

Wichtige Risikofaktoren für GDM:

  • BMI >30 kg/m²
  • Vorangegangenes makrosomes Kind (≥4,5 kg)
  • Z.n. Gestationsdiabetes
  • Verwandte 1. Grades mit Diabetes
  • Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS, Odds Ratio 2-3)
  • Alter >35 Jahre

Entbindungszeitpunkt

Die Planung der Entbindung sollte frühzeitig besprochen und im dritten Trimenon festgelegt werden.

DiabetestypEmpfohlener EntbindungszeitraumBemerkung
Typ 1 oder Typ 2 (unkompliziert)37+0 bis 38+6 SSWElektive Einleitung oder primäre Sectio (falls indiziert)
Gestationsdiabetes (GDM)Spätestens bis 40+6 SSWBei maternalen oder fetalen Komplikationen auch früher erwägen

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie den HbA1c-Wert bereits bei der ersten Schwangerschaftsvorsorge (Booking). Ein Wert ≥48 mmol/mol beweist einen vorbestehenden Diabetes, während Werte zwischen 42 und 47 mmol/mol ein sehr hohes Risiko für einen späteren Gestationsdiabetes anzeigen.

Häufig gestellte Fragen

Frauen mit Diabetes sollten einen HbA1c-Wert von <48 mmol/mol anstreben, um das Risiko für Fehlbildungen zu minimieren. Bei Werten >86 mmol/mol wird von einer Schwangerschaft abgeraten.
Nüchtern <5,5 mmol/l, 1 Stunde nach dem Essen <8,0 mmol/l und 2 Stunden nach dem Essen <7,0 mmol/l.
Bei unkompliziertem Verlauf wird eine elektive Entbindung (Einleitung oder Sectio) zwischen 37+0 und 38+6 SSW empfohlen.
Beim 75-g-oGTT reicht ein Nüchternwert ≥5,3 mmol/l, ein 1-Stunden-Wert ≥10,6 mmol/l oder ein 2-Stunden-Wert ≥9,0 mmol/l für die Diagnose.
Es wird eine hochdosierte Gabe von 5 mg Folsäure täglich empfohlen, beginnend 3 Monate vor der Konzeption bis zum Ende des ersten Trimenons.

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