Diabetes mellitus: Therapie und Leitlinien-Empfehlungen

Diese Leitlinie stammt aus 2010 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2010)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die SIGN-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen für das umfassende Management von Diabetes mellitus. Die Erkrankung ist durch eine chronische Hyperglykämie gekennzeichnet und kann zu schweren mikrovaskulären sowie makrovaskulären Komplikationen führen.

Ein zentraler Fokus der Publikation liegt auf der Modifikation von Lebensstilfaktoren, der strukturierten Schulung sowie der Prävention von kardiovaskulären, renalen und ophthalmologischen Folgeerkrankungen.

Die medikamentöse Blutzuckereinstellung bei Typ-2-Diabetes wird in diesem Dokument nicht detailliert behandelt. Diese spezifischen Empfehlungen wurden in eine separate Leitlinie (SIGN 154) ausgelagert.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:

Lebensstil und Schulung

Es wird empfohlen, Erwachsenen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes den Zugang zu strukturierten Schulungsprogrammen zu ermöglichen (Empfehlungsgrad A).

Übergewichtigen Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes sollten individualisierte Interventionen zur Gewichtsreduktion angeboten werden, um die metabolische Kontrolle zu verbessern (Empfehlungsgrad A).

Allen rauchenden Personen sollte laut Leitlinie eine Entwöhnung nahegelegt und entsprechende Unterstützung angeboten werden (Empfehlungsgrad B).

Typ-1-Diabetes

Für Erwachsene mit Typ-1-Diabetes wird eine intensivierte Insulintherapie mit Normalinsulin oder kurzwirksamen Insulinanaloga empfohlen (Empfehlungsgrad B).

Eine kontinuierliche subkutane Insulininfusion (CSII) sollte bei Personen erwogen werden, die ihre glykämischen Ziele nicht erreichen oder rezidivierende schwere Hypoglykämien erleiden (Empfehlungsgrad A/B).

Das Ziel für alle jungen Menschen mit Diabetes ist die Optimierung der glykämischen Kontrolle in Richtung normaler Werte, um das Risiko mikrovaskulärer Komplikationen zu reduzieren (Empfehlungsgrad A).

Schwangerschaft und Gestationsdiabetes

Eine präkonzeptionelle Betreuung durch ein multidisziplinäres Team wird für Frauen mit Diabetes dringend empfohlen (Empfehlungsgrad C).

Schwangere mit Gestationsdiabetes sollten eine Ernährungsberatung erhalten und bei Bedarf mit blutzuckersenkenden Medikamenten behandelt werden (Empfehlungsgrad A).

Kardiovaskuläre Prävention

Bluthochdruck bei Menschen mit Diabetes sollte aggressiv mit Lebensstiländerungen und medikamentöser Therapie behandelt werden (Empfehlungsgrad A).

Die Leitlinie definiert folgende Blutdruckziele für Menschen mit Diabetes:

ParameterZielwert
Diastolischer Blutdruck≤ 80 mm Hg
Systolischer Blutdruck< 130 mm Hg

Als primäre Prävention wird für Personen mit Typ-2-Diabetes über 40 Jahren eine lipidsenkende Therapie empfohlen, unabhängig vom Ausgangscholesterin (Empfehlungsgrad A).

Nierenerkrankungen

Bei Vorliegen einer Mikroalbuminurie wird die Behandlung mit einem ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) empfohlen, unabhängig vom Blutdruck (Empfehlungsgrad A).

Der Blutdruck sollte auf das niedrigste erreichbare Niveau gesenkt werden, um den Abfall der glomerulären Filtrationsrate zu verlangsamen und die Proteinurie zu reduzieren (Empfehlungsgrad A).

Augen- und Fußkomplikationen

Ein systematisches Screening auf diabetische Netzhauterkrankungen wird für alle Menschen mit Diabetes empfohlen (Empfehlungsgrad B).

Alle Personen mit Diabetes sollten auf ihr Risiko für die Entwicklung eines Fußulkus gescreent werden (Empfehlungsgrad B).

Bei aktiven Fußerkrankungen wird eine Überweisung an einen multidisziplinären Fußpflegedienst empfohlen (Empfehlungsgrad C).

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen für die medikamentöse Prävention:

MedikamentDosisIndikation
Simvastatin40 mgPrimärprävention bei Typ-2-Diabetes (>40 Jahre)
Atorvastatin10 mgPrimärprävention bei Typ-2-Diabetes (>40 Jahre)
Atorvastatin80 mgSekundärprävention nach akutem Koronarsyndrom
Folsäure5 mgPräkonzeptionell und bis zur 12. Schwangerschaftswoche

Kontraindikationen

Statine, ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blocker sind während der Schwangerschaft kontraindiziert. Die Medikation sollte präkonzeptionell überprüft und abgesetzt werden.

Betablocker und Alphablocker sollten laut Leitlinie normalerweise nicht in der initialen Blutdruckeinstellung bei Personen mit Diabetes verwendet werden.

Thiazolidindione sind bei Personen mit Herzinsuffizienz im Stadium NYHA III oder IV kontraindiziert.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Eine rasche Verbesserung der glykämischen Kontrolle kann zu einer kurzfristigen Verschlechterung einer diabetischen Netzhauterkrankung führen. Die Leitlinie rät dazu, eine eventuell erforderliche Laserkoagulation abzuschließen, bevor eine schnelle Blutzuckersenkung angestrebt wird.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird empfohlen, Patienten mit Typ-1-Diabetes ab einem Alter von 12 Jahren systematisch auf diabetische Retinopathie zu screenen.

Die Leitlinie empfiehlt einen diastolischen Zielwert von ≤ 80 mm Hg und einen systolischen Zielwert von < 130 mm Hg.

Der routinemäßige Einsatz von niedrig dosiertem Aspirin zur Primärprävention von Gefäßerkrankungen wird bei Menschen mit Diabetes nicht empfohlen.

Neben einer Ernährungsumstellung können Metformin oder Glibenclamid als initiale medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden.

Es wird empfohlen, das Risiko für die Entwicklung eines Fußulkus bei allen Personen mit Diabetes mindestens einmal jährlich zu beurteilen.

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Quelle: SIGN 116: Management of Diabetes - A National Clinical Guideline (SIGN, 2010). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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