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Management von Diabetes: Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein HbA1c-Wert von 48 mmol/mol (6,5 %) wird als Grenzwert für die Diagnose von Diabetes empfohlen.
  • Strukturierte Schulungsprogramme werden für Erwachsene mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes dringend empfohlen.
  • Die Blutzuckerselbstkontrolle ist bei insulinbehandelten Patienten Standard, bei rein oraler Therapie jedoch nicht routinemäßig empfohlen.
  • Kardiovaskuläre Risikofaktoren erfordern eine konsequente Therapie, inklusive Statinen zur Primärprävention ab 40 Jahren.
  • Psychosoziale Faktoren wie Depressionen beeinflussen die Blutzuckerkontrolle negativ und sollten regelmäßig evaluiert werden.
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Hintergrund

Diabetes mellitus ist eine metabolische Erkrankung, die durch chronische Hyperglykämie gekennzeichnet ist. Die Diagnose basiert auf spezifischen Blutzuckergrenzwerten. Eine frühzeitige Modifikation des Lebensstils sowie die konsequente Behandlung kardiovaskulärer Risikofaktoren sind essenziell, um mikrovaskuläre und makrovaskuläre Komplikationen zu verhindern.

Diagnosekriterien

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert folgende Grenzwerte für die Diagnose eines Diabetes mellitus:

ParameterGrenzwert
Nüchternplasmaglukose (venös)≥ 7,0 mmol/l
2-Stunden-Wert (75 g oGTT)≥ 11,1 mmol/l
HbA1c≥ 48 mmol/mol (6,5 %)

Hinweis: Der HbA1c-Wert ist nicht geeignet zur Diagnose bei Verdacht auf Typ-1-Diabetes, bei Kindern und Jugendlichen sowie in der Schwangerschaft.

Lebensstilinterventionen und Schulung

Strukturierte Schulungsprogramme und Lebensstilanpassungen bilden die Basis der Diabetestherapie.

  • Empfehlungsgrad A: Erwachsene mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes sollten Zugang zu strukturierten Schulungsprogrammen haben, die auf Theorien des Erwachsenenlernens basieren.
  • Empfehlungsgrad B: Alle rauchenden Patienten sollten den Rat und die Unterstützung zum Rauchstopp erhalten, um kardiovaskuläre Risiken zu minimieren.
  • Empfehlungsgrad A: Übergewichtige Erwachsene mit Typ-2-Diabetes sollten individualisierte Interventionen zur Gewichtsreduktion (Lebensstil, medikamentös oder chirurgisch) erhalten.
  • Empfehlungsgrad A: Patienten mit Typ-2-Diabetes sollten zu körperlicher Aktivität oder strukturiertem Training ermutigt werden, um die Blutzuckerkontrolle und kardiovaskuläre Risikofaktoren zu verbessern.

Blutzuckerselbstkontrolle (SMBG)

Die Indikation zur Blutzuckerselbstkontrolle hängt maßgeblich von der Therapieform ab.

  • Empfehlungsgrad B: Die SMBG wird für Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes empfohlen, die Insulin verwenden (vorausgesetzt, sie sind in der Dosisanpassung geschult).
  • Empfehlungsgrad B: Eine routinemäßige SMBG bei Typ-2-Diabetes unter oralen Antidiabetika (mit Ausnahme von Sulfonylharnstoffen) wird nicht empfohlen.

Eine SMBG kann bei Typ-2-Diabetikern ohne Insulin in folgenden Situationen erwogen werden:

  • Erhöhtes Hypoglykämierisiko (z. B. unter Sulfonylharnstoffen)
  • Akute Erkrankungen
  • Signifikante Änderungen der Medikation oder Fastenperioden (z. B. Ramadan)
  • Instabile oder schlechte Blutzuckerkontrolle (HbA1c > 8,0 % bzw. 64 mmol/mol)
  • Schwangerschaft oder geplante Schwangerschaft

Psychosoziale Faktoren

Psychologische und soziale Faktoren haben einen direkten Einfluss auf die Blutzuckerkontrolle. Depressionen treten bei Menschen mit Diabetes häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.

  • Empfehlungsgrad B: Ein regelmäßiges Assessment psychologischer Probleme wird empfohlen (bei Kindern: Essstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, familiäre Probleme; bei Erwachsenen: Angst, Depression, Essstörungen).
  • Empfehlungsgrad A: Kindern und Erwachsenen sollten psychologische Interventionen (z. B. kognitive Verhaltenstherapie, Motivational Interviewing) angeboten werden, um die Blutzuckerkontrolle zu verbessern.

Management von Komplikationen

Die Prävention und Behandlung von Endorganschäden erfordert die strikte Kontrolle von Blutdruck, Lipiden und Blutzucker.

Komplikation / BereichZielwert / MaßnahmeEmpfehlungsgrad
BlutdruckzielDiastolisch ≤ 80 mmHg, Systolisch < 130 mmHgA / D
Dyslipidämie (Primärprävention)Simvastatin 40 mg oder Atorvastatin 10 mg bei Typ 2 > 40 JahreA
Dyslipidämie (Sekundärprävention)Intensive Therapie mit Atorvastatin 80 mg bei KHK oder akutem KoronarsyndromA
Diabetische NierenerkrankungACE-Hemmer bei Typ 1 & 2 mit Mikroalbuminurie (unabhängig vom Blutdruck); ARB als Alternative bei Typ 2A
Diabetische RetinopathieLaserkoagulation bei Neovaskularisationen an Papille/Iris oder GlaskörperblutungA

Diabetes in der Schwangerschaft

  • Empfehlungsgrad A: Ein geeignetes Programm zur Erkennung und Behandlung von Gestationsdiabetes (GDM) sollte allen schwangeren Frauen angeboten werden.
  • Empfehlungsgrad B: Metformin oder Glibenclamid können als initiale pharmakologische Therapie bei Frauen mit Gestationsdiabetes erwogen werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei Typ-2-Diabetikern, die ausschließlich mit oralen Antidiabetika (außer Sulfonylharnstoffen) behandelt werden, auf die routinemäßige Verordnung von Blutzuckermessstreifen. Nutzen Sie die Zeit stattdessen für Lebensstil- und Ernährungsberatung.

Häufig gestellte Fragen

Ein HbA1c-Wert von 48 mmol/mol (6,5 %) wird als Grenzwert für die Diagnose empfohlen (Ausnahmen: Typ-1-Verdacht, Kinder, Schwangerschaft).
Eine routinemäßige Kontrolle wird nicht empfohlen, es sei denn, der Patient nimmt Sulfonylharnstoffe ein, ist schwanger, akut erkrankt oder hat einen HbA1c über 8,0 %.
Der diastolische Zielblutdruck liegt bei ≤ 80 mmHg, der systolische bei < 130 mmHg.
Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes über 40 Jahren wird unabhängig vom Ausgangscholesterin Simvastatin 40 mg oder Atorvastatin 10 mg empfohlen.

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