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Diabetes und Schwangerschaft: Leitlinie (Diabetes Canada)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Diabetes Canada Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Präkonzeptionell sollte ein HbA1c-Wert von <=7,0 % (ideal <=6,5 %) sowie eine Folsäure-Gabe von 1 mg/Tag angestrebt werden.
  • Strenge Blutzuckerziele in der Schwangerschaft: Nüchtern <5,3 mmol/l, 1h postprandial <7,8 mmol/l und 2h postprandial <6,7 mmol/l.
  • Das GDM-Screening erfolgt in der 24.-28. SSW, bevorzugt als zweistufiges Verfahren (50-g-Suchtest, gefolgt von 75-g-oGTT).
  • Insulin ist die medikamentöse Therapie der ersten Wahl bei GDM, wenn Lebensstiländerungen nicht ausreichen.
  • Nach einem GDM muss 6 Wochen bis 6 Monate postpartal ein 75-g-oGTT zur Re-Evaluation durchgeführt werden.
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Hintergrund

Die Betreuung von Frauen mit präexistentem Diabetes (Typ 1 und Typ 2) sowie Gestationsdiabetes (GDM) erfordert ein interdisziplinäres Team. Eine suboptimale Blutzuckereinstellung erhöht das Risiko für kongenitale Fehlbildungen, Präeklampsie, Makrosomie und perinatale Mortalität.

Präexistenter Diabetes (Typ 1 und Typ 2)

Eine strukturierte präkonzeptionelle Beratung ist essenziell, um mütterliche und fetale Risiken zu minimieren.

  • HbA1c-Ziel: Präkonzeptionell <=7,0 % (ideal <=6,5 %). In der Schwangerschaft <=6,5 % (ideal <=6,1 %).
  • Folsäure: 1 mg/Tag ab 3 Monaten vor Konzeption bis zur 12. SSW.
  • Medikamenten-Umstellung: ACE-Hemmer, ARBs und Statine vor der Schwangerschaft absetzen. Frauen mit Typ-2-Diabetes sollten vor der Konzeption auf Insulin umgestellt werden.
  • Präeklampsie-Prophylaxe: ASS 81 mg/Tag ab der 12.-16. SSW.
  • Augenärztliche Kontrolle: Präkonzeptionell, im 1. Trimenon, nach Bedarf im Verlauf und im ersten Jahr postpartal.

Blutzucker-Zielwerte in der Schwangerschaft

Für alle Diabetestypen (Typ 1, Typ 2, GDM) gelten strenge Blutzuckerziele:

MesszeitpunktZielwert
Nüchtern / Präprandial<5,3 mmol/l
1 Stunde postprandial<7,8 mmol/l
2 Stunden postprandial<6,7 mmol/l

Gestationsdiabetes (GDM)

Das Screening auf GDM sollte bei allen Schwangeren ohne bekannten Diabetes zwischen der 24. und 28. SSW erfolgen. Bei hohem Risiko für Typ-2-Diabetes sollte bereits im 1. Trimenon ein HbA1c-Test durchgeführt werden.

Diagnostik-Algorithmen

Diabetes Canada empfiehlt bevorzugt ein zweistufiges Vorgehen, nennt aber auch den einstufigen Ansatz als Alternative.

AnsatzSchritt 1 (Screening)Schritt 2 (Diagnostik)Diagnosekriterien
Bevorzugt (2-stufig)50-g-Glukose-Suchtest (nicht nüchtern)75-g-oGTT (wenn Suchtest >=7,8 mmol/l)Nüchtern >=5,3 mmol/l ODER 1h >=10,6 mmol/l ODER 2h >=9,0 mmol/l
Alternativ (1-stufig)Direkt 75-g-oGTTEntfälltNüchtern >=5,1 mmol/l ODER 1h >=10,0 mmol/l ODER 2h >=8,5 mmol/l

Hinweis: Ein Wert >=11,1 mmol/l im 1-Stunden-Wert des 50-g-Suchtests ist direkt beweisend für einen GDM.

Stufenschema der GDM-Therapie

StufeTherapieBemerkung
1Ernährung & BewegungErste Maßnahme. Zielerreichung nach 1-2 Wochen evaluieren.
2InsulinTherapie der 1. Wahl, falls Lebensstil nicht ausreicht (Basal-Bolus-Regime).
3Metformin / GlibenclamidAlternative zu Insulin. Metformin passiert die Plazenta (ca. 40 % benötigen additiv Insulin).

Peripartales und postpartales Management

  • Unter der Geburt: Blutzucker zwischen 4,0 und 7,0 mmol/l halten, um neonatale Hypoglykämien zu vermeiden.
  • Postpartaler Insulinbedarf: Bei präexistentem Diabetes sinkt der Insulinbedarf unmittelbar nach Plazentageburt drastisch (um 30-50 %). Dosis sofort anpassen!
  • Stillen: Sofortiges Stillen wird empfohlen, um neonatale Hypoglykämien zu verhindern. Stillen über mindestens 4 Monate senkt das kindliche Adipositas-Risiko und das mütterliche Diabetes-Risiko.
  • GDM-Nachsorge: 6 Wochen bis 6 Monate postpartal muss ein 75-g-oGTT durchgeführt werden, um einen manifesten Diabetes auszuschließen.

💡Praxis-Tipp

Reduzieren Sie die Insulindosis bei Patientinnen mit präexistentem Diabetes unmittelbar nach der Plazentageburt um 30–50 %, um schwere postpartale Hypoglykämien zu vermeiden. Der Insulinbedarf sinkt schlagartig.

Häufig gestellte Fragen

Bei allen Schwangeren ohne bekannten Diabetes sollte das Screening zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden.
Die Zielwerte liegen nüchtern/präprandial bei <5,3 mmol/l, 1 Stunde postprandial bei <7,8 mmol/l und 2 Stunden postprandial bei <6,7 mmol/l.
Erste Wahl ist Insulin. Metformin und Glibenclamid können als Alternativen eingesetzt werden, wenn Insulin abgelehnt wird oder nicht vertragen wird. Andere orale Antidiabetika sind nicht empfohlen.
Frauen mit GDM sollten 6 Wochen bis 6 Monate postpartal mit einem 75-g-oGTT auf Prädiabetes und Diabetes gescreent werden.

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