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Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2024EndokrinologieInnere Medizin

Typ-1-Diabetes: Blutzuckerkontrolle (SIGN-Leitlinie 2024)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Erwachsene, Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes sollen Zugang zu kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) und entsprechender Schulung erhalten.
  • Closed-Loop-Systeme werden bei suboptimaler Einstellung, rezidivierenden Hypoglykämien oder diabetesbezogenem Distress empfohlen.
  • Time in Range (TIR) und Time Below Range (TBR) dienen als primäre Metriken zur Therapieanpassung.
  • Bei Hinweisen auf Essstörungen oder Insulin-Omission ist eine integrierte fachärztliche Behandlung (Diabetologie und Psychiatrie) indiziert.
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Hintergrund

Die Optimierung der Blutzuckerkontrolle bei Menschen mit Typ-1-Diabetes erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Die SIGN-Leitlinie 170 (2024) betont neben technologischen Fortschritten wie kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) und Closed-Loop-Systemen auch die Bedeutung sozialer Determinanten und psychologischer Unterstützung.

Kommunikation und Edukation

  • Personenzentrierte Sprache: Ein Kommunikationsstil, der aktives Zuhören und positive Bestärkung nutzt sowie Patientenpräferenzen und Barrieren erfasst, wird empfohlen.
  • Strukturierte Schulung: CGM (inklusive Real-Time-CGM und Flash-Glukose-Monitoring) muss in die Schulungsprogramme für Erwachsene, Kinder und Jugendliche integriert werden.

Psychologische und verhaltensbezogene Interventionen

Psychische Begleiterkrankungen erfordern eine interdisziplinäre Zusammenarbeit:

ProblemstellungEmpfohlene Intervention
Hypoglykämie-WahrnehmungsstörungEvidenzbasierte strukturierte Intervention zur Wiederherstellung der Wahrnehmung und Reduktion von Ängsten.
Essstörungen / Insulin-OmissionIntegrierte, intensive Spezialversorgung durch Diabetologen und erfahrene Fachkräfte für psychische Gesundheit (ggf. stationär).
Depression oder AngststörungenÜberweisung an psychiatrische/psychologische Dienste (z. B. für kognitive Verhaltenstherapie) in kollaborativer Betreuung.

Warnsignale für Essstörungen bei Typ-1-Diabetes umfassen eine übermäßige Sorge um Figur und Gewicht, einen niedrigen BMI, häufige Hypoglykämien sowie eine suboptimale Blutzuckereinstellung.

Glukosemonitoring (CGM)

  • Erwachsene: Angebot einer CGM-Auswahl basierend auf individuellen Präferenzen, Bedürfnissen und Gerätefunktionen.
  • Kinder und Jugendliche: Allen ist ein Real-Time-CGM inklusive Schulung für sie und ihre Betreuer anzubieten.
  • Krankenhausaufenthalt: Die Fortführung von CGM oder Insulinpumpen sollte bei kognitiv unbeeinträchtigten Patienten erwogen werden, idealerweise unterstützt durch geschulte Angehörige oder ein spezialisiertes stationäres Diabetesteam.

Kriterien zur Auswahl eines CGM-Geräts

Bei der Auswahl des passenden Systems sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:

KategorieZu beachtende Faktoren
Technik & GenauigkeitMessgenauigkeit, prädiktive Alarme (auch für Betreuer), Kompatibilität (z. B. Smartphone), Kalibrierungsbedarf.
HandhabungBedienbarkeit (auch bei eingeschränkter Feinmotorik), Häufigkeit des Sensorwechsels, Hautverträglichkeit.
Klinik & AlltagInsulinregime (Pumpen-Integration), Hypoglykämie-Risiko, unvorhersehbare Aktivitäten, Berufstätigkeit.
PsychosozialesKörperbildsorgen, psychologische Akzeptanz.

Closed-Loop-Systeme

Um Ungleichheiten beim Zugang zu Diabetestechnologien zu minimieren, sollten Ärzte proaktiv die Eignung von Closed-Loop-Systemen mit allen Patienten besprechen.

Indikationen für Single-Hormon-Closed-Loop-Systeme:

  • Suboptimale glykämische Kontrolle unter aktueller Therapie
  • Hohes Risiko für schwere Hypoglykämien oder Wahrnehmungsstörungen
  • Diabetesbezogener Distress (gemessen mit validiertem Tool), der die Lebensqualität beeinträchtigt und durch das System voraussichtlich gebessert wird.
  • Patienten, die aktuell ein CGM in Kombination mit einer nicht-integrierten Insulinpumpe nutzen.

Patienten, die ihre Zielwerte mit ihrer aktuellen Therapie (z. B. blutige Messung, Flash-Monitoring, MDI) erreichen, sollen darin unterstützt werden, diese beizubehalten, sofern es ihrer Lebensqualität entspricht.

Glukose-Metriken zur Therapiesteuerung

Für die Beurteilung der glykämischen Kontrolle und als Basis für Therapieanpassungen sollen primär zwei Metriken herangezogen werden:

  • % Time in Range (TIR)
  • % Time Below Range (TBR)

Ein besonderer Fokus auf die Reduktion der TBR ist erforderlich, wenn der Prozentsatz der CGM-Werte unter 3,0 mmol/L oder 3,9 mmol/L die Zielvorgaben erreicht oder überschreitet.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Patienten mit unerklärlich schlechter Blutzuckereinstellung, häufigen Hypoglykämien und niedrigem BMI aktiv auf Anzeichen einer Essstörung (Diabulimie) und leiten Sie frühzeitig eine interdisziplinäre psychiatrische Mitbehandlung ein.

Häufig gestellte Fragen

Bei suboptimaler Kontrolle, hohem Hypoglykämie-Risiko, Wahrnehmungsstörungen oder starkem diabetesbezogenem Distress unter der aktuellen Therapie.
Die Leitlinie empfiehlt Time in Range (TIR) und Time Below Range (TBR) als primäre Ausgangspunkte für die Beurteilung und Anpassung der Therapie.
Ja, bei kognitiv unbeeinträchtigten Patienten sollte dies erwogen werden, sofern geschulte Angehörige oder ein stationäres Diabetesteam unterstützen können.
Allen Kindern und Jugendlichen sollte ein Real-Time-CGM (kontinuierliche Echtzeit-Glukosemessung) inklusive entsprechender Schulung angeboten werden.

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