Tamoxifen, Epoetin & Tocilizumab Risiken: PEI Bulletin

Diese Leitlinie stammt aus 2010 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: PEI (2010)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Bulletin zur Arzneimittelsicherheit (Ausgabe 2/2010) des BfArM und PEI informiert über aktuelle Risikobewertungen im Rahmen der Pharmakovigilanz.

Ziel ist die verbesserte Kommunikation möglicher Arzneimittelrisiken nach der Zulassung.

Ein zentraler Fokus liegt auf schwerwiegenden Wechselwirkungen in der Onkologie, insbesondere bei der adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms.

Zudem werden kardiovaskuläre Risiken bei der Behandlung der renalen Anämie sowie seltene Infektionsübertragungen durch Gewebetransplantate thematisiert.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert folgende Kernwarnungen und Empfehlungen:

Tamoxifen und SSRI

Laut Bericht wird von der gleichzeitigen Anwendung von Tamoxifen und stark CYP2D6-hemmenden SSRI dringend abgeraten.

Es wurde eine erhöhte Brustkrebssterblichkeit nachgewiesen, da die Umwandlung von Tamoxifen in den aktiven Metaboliten Endoxifen blockiert wird.

Bei zwingender Indikation für ein Antidepressivum wird empfohlen, auf Wirkstoffe mit schwacher CYP2D6-Hemmung auszuweichen.

Die Publikation teilt die SSRI hinsichtlich ihrer CYP2D6-Hemmung wie folgt ein:

EigenschaftWirkstoffe
Starke CYP2D6-HemmungParoxetin, Fluoxetin
Schwache CYP2D6-HemmungCitalopram, Escitalopram, Fluvoxamin

Darbepoetin alfa (Epoetine)

Der Bericht warnt vor einem erhöhten Schlaganfallrisiko bei Typ-2-Diabetikern mit renaler Anämie unter Darbepoetin alfa.

Zudem wurde eine erhöhte Mortalität bei Personen mit malignen Vorerkrankungen beobachtet.

Es wird nachdrücklich empfohlen, bei der Therapie folgende Aspekte zu beachten:

  • Strikte Einhaltung der Hämoglobinzielbereiche

  • Kritische Abwägung des Nutzens gegen das kardiovaskuläre Risiko

  • Besondere Vorsicht bei onkologischer Vorgeschichte

Tocilizumab (RoACTEMRA)

Unter der Therapie mit dem IL-6-Rezeptor-Blocker Tocilizumab wurden Verdachtsfälle von Panzytopenien gemeldet.

Es wird ärztliches Personal dazu aufgerufen, bei Behandelten auf entsprechende hämatologische Veränderungen zu achten und Verdachtsfälle zu melden.

Hornhauttransplantate

Nach Hornhauttransplantationen wird empfohlen, bei einer therapieresistenten Keratitis differenzialdiagnostisch an eine Akanthamöbeninfektion durch das Spendermaterial zu denken.

In Verdachtsfällen wird als Methode der Wahl ein Screening der Spenderhornhäute mittels konfokaler Mikroskopie empfohlen.

Dosierung

Der Bericht betont die strikte Einhaltung folgender Zielwerte unter Epoetin-Therapie:

IndikationMedikamentHämoglobin-Zielbereich
Renale Anämie bei Diabetes Typ 2Darbepoetin alfa10 - 12 g/dl (6,2 - 7,5 mmol/l)

Kontraindikationen

Laut Bericht ist die gleichzeitige Anwendung von Tamoxifen und stark CYP2D6-hemmenden Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) aufgrund einer erhöhten Brustkrebssterblichkeit zu vermeiden.

Insbesondere wird dringend von der Kombination mit Paroxetin oder Fluoxetin abgeraten.

Zudem wird vor dem Einsatz von Darbepoetin alfa bei Personen mit malignen Vorerkrankungen gewarnt, da hier in Studien eine erhöhte Gesamtsterblichkeit beobachtet wurde.

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💡Praxis-Tipp

Bei Brustkrebspatientinnen unter Tamoxifen-Therapie wird häufig ein SSRI zur Behandlung von Depressionen oder Hitzewallungen im Off-Label-Use eingesetzt. Es wird dringend empfohlen, hierbei auf Wirkstoffe mit schwacher CYP2D6-Hemmung (wie Citalopram) zurückzugreifen, da starke Hemmer wie Paroxetin die Aktivierung von Tamoxifen blockieren und die Überlebensrate signifikant verschlechtern können. Eine abrupte Unterbrechung einer bestehenden SSRI-Therapie sollte jedoch zur Vermeidung von Rebound-Effekten vermieden werden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Bericht ist die Gabe von SSRI prinzipiell möglich, jedoch wird von starken CYP2D6-Hemmern wie Paroxetin und Fluoxetin dringend abgeraten. Es wird empfohlen, auf Wirkstoffe mit schwacher Hemmung wie Citalopram oder Escitalopram auszuweichen.

Tamoxifen ist ein Prodrug, das über das Enzym CYP2D6 in seinen aktiven Metaboliten Endoxifen umgewandelt wird. Paroxetin hemmt dieses Enzym irreversibel, wodurch die Wirksamkeit der Krebstherapie sinkt und die Brustkrebssterblichkeit steigt.

Der Sicherheitsbericht gibt einen strikten Hämoglobinzielbereich von 10 g/dl bis 12 g/dl vor. Ein Überschreiten dieser Werte wird aufgrund eines erhöhten Schlaganfallrisikos nicht empfohlen.

Neben bekannten Nebenwirkungen wie Infektionen und Leberwerterhöhungen berichtet das PEI über Verdachtsfälle von Panzytopenien. Es wird geraten, unter dieser Therapie auf entsprechende hämatologische Veränderungen zu achten.

Eine im Bericht zitierte Studie zeigt, dass viele vermutete Impfenzephalopathien tatsächlich auf genetische Mutationen (wie das Dravet-Syndrom) zurückzuführen sind. Die Impfung kann den Zeitpunkt des ersten Anfalls beeinflussen, ist aber laut wissenschaftlichem Stand nicht die Ursache der Erkrankung.

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Quelle: Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 2/2010 (PEI, 2010). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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