Rezidivierende Zystitis: Wirksamkeit der Phytotherapie
Hintergrund
Der IQWiG HTA-Bericht HT20-01 untersucht die Frage, ob pflanzliche Präparate bei erwachsenen Frauen mit unkomplizierter, rezidivierender Urozystitis (Blasenentzündung) wirksam sind. Von einer rezidivierenden Form wird gesprochen, wenn mindestens zwei symptomatische Episoden in sechs Monaten oder drei Episoden in zwölf Monaten auftreten.
Die Standardtherapie akuter Schübe erfolgt häufig antibiotisch, was jedoch das Risiko von Resistenzentwicklungen und Mikrobiomstörungen birgt. Daher besteht ein hohes klinisches Interesse an nicht-antibiotischen Alternativen zur Akutbehandlung und Rezidivprophylaxe.
Der Bericht weist darauf hin, dass der Markt für Phytopräparate sehr unübersichtlich ist, da diese oft als Nahrungsergänzungsmittel und seltener als zugelassene Arzneimittel vertrieben werden. Die Kosten für diese Präparate müssen in der Regel von den betroffenen Frauen selbst getragen werden.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert basierend auf der verfügbaren Evidenz folgende Kernaussagen:
Cranberry-Präparate zur Prophylaxe
Laut Bericht existiert die meiste Evidenz für Präparate, die Cranberry enthalten.
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Es zeigt sich ein Hinweis auf einen Nutzen von Cranberry im Vergleich zu Placebo hinsichtlich der Verringerung der Rezidivrate und der Verlängerung des Zeitraums bis zum ersten Rezidiv.
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Im Vergleich zu einer antibiotischen Langzeitprophylaxe (Trimethoprim-Sulfamethoxazol) ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen von Cranberry bei der Rezidivvermeidung.
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Die bewerteten Studien weisen eine hohe Heterogenität bezüglich der Präparatezusammensetzung und des Proanthocyanidin-Gehalts (PAC) auf, was allgemeingültige Aussagen erschwert.
Weitere pflanzliche Präparate
Für andere Phytopräparate liegen deutlich weniger Daten vor. Der Bericht leitet folgende Anhaltspunkte ab:
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Ein Präparat aus Bärentraubenblättern und Löwenzahn zeigt einen Anhaltspunkt für einen Nutzen im Vergleich zu Placebo.
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Für ein Kombinationspräparat aus Liebstöckelwurzel, Rosmarinblättern und Tausendgüldenkraut ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen bei der Rezidivvermeidung, wenn es mit Antibiotika kombiniert wird.
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Für ein Präparat aus Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut ergibt sich auf Basis der Daten kein Anhaltspunkt für einen Nutzen im Vergleich zu Placebo.
Akuttherapie und Sicherheit
Der Bericht stellt fest, dass zur Akutbehandlung von symptomatischen Episoden bei Frauen mit rezidivierender Blasenentzündung keine verwertbaren Studiendaten zu pflanzlichen Mitteln vorliegen.
Hinsichtlich der Sicherheit ergeben sich aus den Studien keine Anhaltspunkte für einen höheren Schaden durch die untersuchten Phytopräparate im Vergleich zu Placebo oder Antibiotika. Die Berichterstattung zu unerwünschten Ereignissen in den Primärstudien wird jedoch als mangelhaft eingestuft.
Dosierung
| Präparat / Inhaltsstoffe | Untersuchte Dosierung (Beispiele aus Studien) | Indikation laut Studie |
|---|---|---|
| Cranberry-Extrakt (z.B. Cran-Max) | 500 mg täglich | Rezidivprophylaxe |
| Cranberry-Saft | 120 - 250 ml (1- bis 3-mal täglich) | Rezidivprophylaxe |
| Meerrettichwurzel + Kapuzinerkresse (Angocin) | 2 Tabletten 2-mal täglich | Rezidivprophylaxe |
| Liebstöckel, Rosmarin, Tausendgüldenkraut (Canephron N) | 2 Tabletten 3-mal täglich (für 3 Monate) | Rezidivprophylaxe |
| Cranberry-PAC + D-Mannose (z.B. Manosar) | 1 Beutel täglich | Rezidivprophylaxe |
Kontraindikationen
Der Bericht listet basierend auf den Einschlusskriterien der Primärstudien folgende Faktoren auf, bei denen die untersuchten pflanzlichen Mittel nicht angewendet wurden:
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Vorliegen von komplizierenden Faktoren (z. B. anatomische Anomalien, Nierensteine, Harnkatheter, Niereninsuffizienz, Immunschwäche).
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Schwangerschaft und Stillzeit.
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Gleichzeitige Einnahme von oralen Antikoagulanzien (wie Warfarin), was in mehreren Cranberry-Studien ein explizites Ausschlusskriterium darstellte.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht betont, dass Cranberry-Präparate stark in ihrer Zusammensetzung und ihrem Proanthocyanidin-Gehalt (PAC) variieren, was die Übertragbarkeit von Studienergebnissen auf kommerziell erhältliche Produkte erschwert. Zudem wird in mehreren Studien die gleichzeitige Einnahme von oralen Antikoagulanzien als Ausschlusskriterium für Cranberry-Präparate genannt, was im klinischen Alltag ein relevantes Interaktionsrisiko darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es einen Hinweis auf einen Nutzen von Cranberry-Präparaten im Vergleich zu Placebo bei der Verringerung der Rezidivrate. Im direkten Vergleich zu einer antibiotischen Langzeitprophylaxe zeigen sie jedoch eine geringere Wirksamkeit.
Der Bericht stellt fest, dass für Frauen mit rezidivierender unkomplizierter Zystitis keine Studiendaten zur Wirksamkeit pflanzlicher Mittel bei der Akutbehandlung vorliegen. Die vorhandene Evidenz bezieht sich fast ausschließlich auf die vorbeugende Einnahme.
Da die meisten pflanzlichen Mittel als Nahrungsergänzungsmittel oder nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel eingestuft sind, werden die Kosten in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Einige Kassen erstatten sie jedoch anteilig als freiwillige Satzungsleistung.
Der Bericht formuliert keine einheitliche Dosierungsempfehlung, da die in den Studien verwendeten Präparate stark variieren. Es wird eine bessere Standardisierung zukünftiger Produkte, insbesondere hinsichtlich des Proanthocyanidin-Gehalts (PAC), gefordert.
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Quelle: IQWiG HT20-01: Blasenentzündung: Helfen pflanzliche Mittel bei wiederkehrender unkomplizierter Blasenentzündung? (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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