Restless-Legs-Syndrom: Nicht medikamentöse Therapie
Hintergrund
Das Restless-Legs-Syndrom (RLS) ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang und Missempfindungen in den Beinen gekennzeichnet ist. Die Beschwerden treten gehäuft in Ruhesituationen auf und bessern sich in der Regel durch Bewegung.
Häufig leiden Betroffene unter Ein- und Durchschlafstörungen, was zu Erschöpfung und einer verminderten Lebensqualität führt. Die medikamentöse Standardtherapie kann mit Nebenwirkungen wie der sogenannten Augmentation (einer paradoxen Verschlechterung der Symptome) einhergehen.
Der IQWiG HTA-Bericht HT21-04 untersucht den Nutzen nicht medikamentöser Verfahren zur Linderung der direkten Symptome bei primärem (idiopathischem) RLS. Ziel ist es, evidenzbasierte Behandlungsalternativen zur medikamentösen Therapie zu bewerten.
Empfehlungen
Der Bericht des IQWiG liefert auf Basis der aktuellen Studienlage folgende Erkenntnisse zu nicht medikamentösen Verfahren beim Restless-Legs-Syndrom:
Physikalische und manuelle Therapien
Laut Bericht gibt es Anhaltspunkte für einen Nutzen hinsichtlich der Linderung von RLS-Symptomen bei folgenden Verfahren:
-
Ganzkörper-Kältetherapie (Kältekammer)
-
Elektrische Fußmassagegeräte
-
Vibrationsboards und pneumatische Kompression
-
Nahinfrarotlicht-Therapie
-
Akupunktur und osteopathische Counterstrain-Manipulation
Für die pneumatische Kompression zeigt sich zudem ein Anhaltspunkt für einen Nutzen bei der Reduktion von Erschöpfung (Fatigue). Für lokale Kälte- oder Wärmetherapien konnte kein Nutzen belegt werden.
Bewegungsinterventionen
Der Bericht identifiziert Anhaltspunkte für einen Nutzen bei gezielten Bewegungsprogrammen. Dies betrifft insbesondere das Krafttraining der unteren Extremitäten sowie Yoga.
Ein spezielles Iyengar-Yoga-Programm zeigte neben der Symptomlinderung auch Anhaltspunkte für eine Verbesserung von Depressivität und Fatigue. Für sogenannte Trauma Release Exercises ergab sich kein Beleg für einen Nutzen.
Neuromodulation
Die Niedrigfrequenz-Elektrostimulation zeigt laut Bericht einen Anhaltspunkt für einen Nutzen bei der Reduktion der RLS-Symptomatik.
Für die spinale Gleichstromstimulation besteht ein Anhaltspunkt für einen Nutzen bezüglich der Reduktion von Ein- und Durchschlafstörungen. Für die transkranielle Stimulation konnte kein Nutzen belegt werden.
Nahrungsergänzungsmittel und Eisengabe
Bei der oralen Einnahme von Eisenpräparaten sowie Baldrian zeigt die Evidenz einen Anhaltspunkt für einen Schaden aufgrund vermehrter Magen-Darm-Beschwerden. Für Vitamin D konnte kein Nutzen festgestellt werden.
Eine intravenöse Eisengabe (Off-Label-Use bei Personen ohne Eisenmangel) zeigt einen Hinweis auf einen Nutzen bezüglich der RLS-Symptomatik. Der Bericht betont jedoch die Notwendigkeit einer strengen ärztlichen Überwachung.
Dosierung
Der Bericht listet folgende durchschnittliche Dosierungen der medikamentösen Vergleichstherapien sowie der intravenösen Eisengabe auf:
| Wirkstoff | Durchschnittliche Tagesdosis | Anwendungsart |
|---|---|---|
| Ropinirol | 2 mg | oral |
| Pramipexol Base | 0,35 mg | oral |
| Rotigotin | 2 mg | transdermales Pflaster |
| Levodopa / Benserazid | 100 mg / 25 mg | oral |
| Gabapentin | 2400 mg | oral |
| Pregabalin | 300 mg | oral |
| Eisencarboxymaltose | 2x 500 mg oder 1x 1000 mg | intravenös (Off-Label bei RLS ohne Eisenmangel) |
Kontraindikationen
Der Bericht warnt vor der unkritischen oralen Einnahme von Eisenpräparaten und Baldrian zur RLS-Therapie. Hier zeigten sich in den Studien signifikant erhöhte Raten an unerwünschten Ereignissen, insbesondere Magen-Darm-Beschwerden.
Die intravenöse Eisengabe bei Patientinnen und Patienten ohne nachgewiesenen Eisenmangel stellt einen Off-Label-Use dar. Es wird eine ausführliche Aufklärung über Risiken und eine strenge ärztliche Überwachung gefordert.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt hervor, dass kostengünstige Leihgeräte für die Heimanwendung (wie TENS-Geräte) eine praktikable Alternative zu teuren Einzelbehandlungen in der Praxis darstellen. Da die Symptome häufig abends oder nachts auftreten, ermöglicht die Heimanwendung eine gezielte Nutzung direkt vor dem Schlafengehen. Es wird zudem betont, dass der Erfolg nicht medikamentöser Verfahren stark von der Gesundheitskompetenz und Eigenmotivation der Betroffenen abhängt.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es Anhaltspunkte dafür, dass elektrische Fußmassagegeräte die RLS-Symptomatik lindern können. Für eine Kombination aus Massage und Wärmetherapie konnte dieser Nutzen jedoch nicht eindeutig belegt werden.
Der Bericht zeigt Anhaltspunkte für einen Nutzen von Iyengar-Yoga bei RLS. Neben der Linderung der direkten Symptome zeigten sich auch positive Effekte auf Erschöpfung und depressive Verstimmungen.
Die meisten nicht medikamentösen Verfahren müssen von den Betroffenen selbst bezahlt werden. Ausnahmen bilden laut Bericht bestimmte Elektrotherapien oder gerätegestützte Krankengymnastik, die unter bestimmten Voraussetzungen als Heilmittel verordnungsfähig sind.
Die aktuelle Studienlage liefert Anhaltspunkte für einen Nutzen der Ganzkörper-Kältetherapie in einer Kältekammer. Für lokale Kälte- oder Wärmeanwendungen konnte der Bericht keinen therapeutischen Nutzen belegen.
Der Bericht findet Hinweise auf eine Verbesserung der Symptomatik durch intravenöse Eisengaben auch bei Personen ohne Eisenmangel. Da es sich hierbei um einen Off-Label-Use handelt, ist eine strenge ärztliche Indikationsstellung und Überwachung erforderlich.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG HT21-04: Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine): Lassen sich durch nicht medikamentöse Verfahren die Symptome lindern? (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG HT19-02: Schmerzen bei Endometriose: Helfen anstelle von Schmerzmedikamenten auch andere Verfahren?
IQWiG V20-07: Evidenzrecherche S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen - Insomnie bei Erwachsenen
IQWiG HT19-03: Multiple Sklerose: Führt die Nutzung von mHealth-Lösungen (z. B. Apps) im Selbstmanagement der Betroffenen zu besseren Ergebnissen?
IQWiG HT20-05: Störungen der Beweglichkeit: Hilft die Feldenkrais-Methode?
IQWiG N24-03: Behandlung mittels Hochfrequenzenergie bei organischer erektiler Dysfunktion
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen