Prostatakarzinom: PSA-Screening, Diagnostik & Therapie
Hintergrund
Das Prostatakarzinom ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern in Deutschland. Die altersstandardisierte Inzidenz und Mortalität machen eine strukturierte und evidenzbasierte Vorgehensweise in der klinischen Praxis unerlässlich.
Die aktualisierte AWMF S3-Leitlinie (Version 8.1, August 2025) fokussiert auf eine risikoadaptierte Strategie. Ziel ist es, aggressive Tumoren frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig Überdiagnosen sowie Übertherapien bei klinisch indolenten Karzinomen zu vermeiden.
Wesentliche Neuerungen der Leitlinie betreffen den Verzicht auf die digital-rektale Untersuchung in der Früherkennung, die Stärkung der Magnetresonanztomographie (MRT) in der Primärdiagnostik sowie die Bevorzugung der Aktiven Überwachung (Active Surveillance) bei Tumoren mit niedrigem Risikoprofil.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Paradigmenwechsel der Leitlinie betrifft die Früherkennung und Primärdiagnostik des Prostatakarzinoms. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass die digital-rektale Untersuchung (DRU) zur Früherkennung obsolet ist und stattdessen eine risikoadaptierte PSA-Bestimmung erfolgen soll. Zudem betont die Leitlinie, dass bei einem unauffälligen MRT-Befund (PI-RADS 1 und 2) auf eine Biopsie verzichtet werden soll, um Überdiagnosen zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie soll bei einem kontrolliert erhöhten PSA-Wert von ≥3 ng/ml eine urologische Konsultation erfolgen. Bestätigt sich der Verdacht, wird vor einer Biopsie die Durchführung einer multiparametrischen MRT empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt für Patienten mit einem niedrigen Risikoprofil (ISUP Gruppe 1 und low risk) ausschließlich die Aktive Überwachung (Active Surveillance). Auf sofortige invasive Therapien wie Operation oder Bestrahlung soll in diesem Stadium verzichtet werden.
Bei Patienten in gutem Allgemeinzustand mit einem hormonsensitiven, metastasierten Prostatakarzinom (mHSPC) wird eine Kombination aus Androgendeprivationstherapie (ADT) und einem neuen Hormonpräparat (z. B. Apalutamid, Enzalutamid, Abirateron) empfohlen. Bei Eignung für eine Chemotherapie rät die Leitlinie zu einer Dreifachkombination mit Docetaxel und Darolutamid.
Die Leitlinie empfiehlt die PSMA-PET/CT primär zur Ausbreitungsdiagnostik bei einem biochemischen Rezidiv nach kurativer Primärtherapie. Zudem soll sie beim primären High-Risk-Prostatakarzinom zum initialen Staging eingesetzt werden.
Bei einem lokal begrenzten Prostatakarzinom des hohen Risikoprofils wird zusätzlich zur perkutanen Strahlentherapie eine adjuvante Androgendeprivationstherapie empfohlen. Diese soll gemäß Leitlinie für eine Dauer von 24 bis 36 Monaten erfolgen.
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Quelle: AWMF 043-022: Prostatakarzinom (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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