Phonokardiografie: KHK-Ausschluss bei Brustschmerz
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG evaluiert das Potenzial der Phonokardiografie zum Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Das Verfahren soll als Triage-Test bei Personen mit Brustschmerzen eingesetzt werden.
Ziel ist es, durch die Aufzeichnung und Analyse von Koronargeräuschen eine stenosierende KHK hinreichend sicher auszuschließen. Dadurch sollen weiterführende, potenziell belastende Diagnostikverfahren wie die CT-Koronarangiografie oder invasive Herzkatheteruntersuchungen vermieden werden.
Die Bewertung fokussiert sich auf Personen ab 40 Jahren ohne bekannte KHK-Vorgeschichte. Voraussetzung ist eine mittlere Vortestwahrscheinlichkeit zwischen 15 % und 85 % nach Anamnese, körperlicher Untersuchung und Basisdiagnostik.
Empfehlungen
Das IQWiG leitet aus den eingereichten Unterlagen ein Potenzial einer erforderlichen Behandlungsalternative ab. Die Phonokardiografie könnte als Triage-Test geeignet sein, um eine stenosierende KHK auszuschließen und Nebenwirkungen weiterer Diagnostik zu verhindern.
Bewertung des diagnostischen Potenzials
Ein direkter Beleg für den Nutzen der Methode kann laut Bericht aktuell nicht abgeleitet werden. Die vorliegenden Daten basieren auf retrospektiven Auswertungen zur Optimierung des Auswertungsalgorithmus bei bekanntem Krankheitsstatus.
Die Ergebnissicherheit wird als sehr gering eingestuft. Eine Validierung des Algorithmus an einer unabhängigen Stichprobe steht noch aus.
Das Triage-Konzept der Methode basiert auf einem berechneten Score-Wert:
| Phonokardiografie-Score | Interpretation | Klinische Konsequenz im Triage-Konzept |
|---|---|---|
| ≤ 20 | Geringes Risiko für stenosierende KHK | Verzicht auf weiterführende Diagnostik |
| > 20 | Erhöhtes Risiko für stenosierende KHK | Weiterführende Diagnostik empfohlen |
Eckpunkte einer Erprobungsstudie
Um den Nutzen abschließend zu bewerten, wird eine diagnostische Querschnittsstudie als grundsätzlich möglich und zielführend erachtet. Dabei soll die Phonokardiografie als Indextest mit der Folgediagnostik als Referenzstandard verglichen werden.
Für eine solche Studie formuliert der Bericht folgende Anforderungen:
-
Einschluss von Personen mit einer Vortestwahrscheinlichkeit zwischen 15 % und 85 %
-
Verblindete Durchführung der Phonokardiografie bei allen Teilnehmenden
-
Nachweis einer Sensitivität von mindestens 95 % zur Erkennung einer stenosierenden KHK
Kontraindikationen
Laut Bericht werden für die Anwendung der Phonokardiografie folgende Kontraindikationen und Einschränkungen genannt:
-
Bereits bekannte koronare Herzkrankheit (KHK)
-
Unfähigkeit, den Atem für mindestens 8 Sekunden anzuhalten
-
Komplexe Herzrhythmusstörungen
-
Akustisch wirksame Defekte an den Herzklappen
-
Zustand nach kardiologischer Intervention (z. B. implantierte elektronische Geräte)
-
Signifikante Operationsnarben im Bereich des Herzens
-
Abnorme Körperform im Aufzeichnungsgebiet des vierten Interkostalraums links (IC4-L)
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass die Qualität der Phonokardiografie-Aufzeichnungen stark von Umgebungsgeräuschen und der korrekten Platzierung des Sensors abhängt. Es wird betont, dass in den zugrundeliegenden Studien ein relevanter Anteil der Aufzeichnungen aufgrund von Systemfehlern, Arrhythmien oder Störgeräuschen nicht verwertbar war. Dies schränkt den potenziellen Nutzen der Methode im klinischen Alltag ein, da ein sicherer Ausschluss der KHK nicht in allen Fällen gelingt.
Häufig gestellte Fragen
Der Bericht definiert die Zielgruppe als Personen ab 40 Jahren mit Brustschmerzen und ohne KHK-Vorgeschichte. Voraussetzung ist eine mittlere Vortestwahrscheinlichkeit zwischen 15 % und 85 % nach der Basisdiagnostik.
Die Methode wird im Bericht als potenzieller Triage-Test bewertet, um bei unauffälligem Befund auf weiterführende Diagnostik wie Herzkatheter oder CT zu verzichten. Ein abschließender Beleg für diese Sicherheit steht laut IQWiG jedoch noch aus.
Laut den ausgewerteten Studien ergaben sich keine direkten unerwünschten Ereignisse durch die Anwendung des Geräts. Der Bericht warnt jedoch vor den absehbaren schädlichen Konsequenzen falsch-negativer Testergebnisse, falls eine KHK übersehen wird.
Das IQWiG stuft die aktuelle Ergebnissicherheit als sehr gering ein. Der Auswertungsalgorithmus wurde bisher nur an bekannten Datensätzen optimiert, eine Validierung an einer unabhängigen Stichprobe fehlt laut Bericht.
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Quelle: IQWiG E19-09: Phonokardiografie zum Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit (IQWiG, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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