Pankreaskarzinom: S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Das exokrine Pankreaskarzinom gehört zu den aggressivsten Tumorerkrankungen und weist eine relative 5-Jahres-Überlebensrate von lediglich etwa 11 Prozent auf. Die S3-Leitlinie zum exokrinen Pankreaskarzinom (2024) fasst den aktuellen Stand zu Diagnostik und Therapie zusammen.
Als gesicherte Risikofaktoren gelten Rauchen, starker Alkoholkonsum, Adipositas sowie bestimmte Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus und chronische Pankreatitis. Ein generelles Screening der asymptomatischen Normalbevölkerung wird aufgrund der niedrigen Prävalenz nicht empfohlen.
Für Hochrisikogruppen, wie Personen mit familiärem Pankreaskarzinom oder spezifischen genetischen Tumorrisikosyndromen, werden strukturierte Surveillance-Programme empfohlen. Hierzu zählen unter anderem das Peutz-Jeghers-Syndrom sowie BRCA-Mutationen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, bei einem resektablen Pankreaskarzinom routinemäßig eine präoperative Galleableitung mittels Stent durchzuführen, sofern keine Cholangitis vorliegt. Es wird betont, dass eine Stentanlage ohne Infektionszeichen die Rate an schweren postoperativen Komplikationen deutlich erhöht. Zudem wird darauf hingewiesen, dass bei einem CA 19-9-Wert über 500 U/ml vor einer Laparotomie zwingend eine diagnostische Laparoskopie erfolgen sollte, um okkulte Mikrometastasen auszuschließen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird ein Screening der asymptomatischen Normalbevölkerung nicht empfohlen. Personen mit familiärem Pankreaskarzinom oder spezifischen genetischen Syndromen wie Peutz-Jeghers oder BRCA-Mutationen sollten jedoch an strukturierten Surveillance-Programmen teilnehmen.
Es wird eine sechsmonatige adjuvante Chemotherapie empfohlen. Bei Patienten mit einem ECOG-Status von 0 bis 1 soll mFOLFIRINOX eingesetzt werden, während bei einem ECOG von > 1 bis 2 Gemcitabin-basierte Regime bevorzugt werden.
Die Leitlinie stellt klar, dass bei einer potenziell resektablen, karzinomverdächtigen Raumforderung primär die Resektion erfolgen sollte. Eine bioptische Diagnosesicherung ist präoperativ nicht notwendig, es sei denn, es ist eine palliative oder neoadjuvante Chemotherapie geplant.
Es wird empfohlen, Patienten auf BRCA1/2-Keimbahnmutationen zu testen, da diese von einer platinbasierten Therapie und anschließenden PARP-Inhibitoren profitieren. Zudem können bei Nachweis einer Mikrosatelliteninstabilität (MSI-H) Immuncheckpoint-Inhibitoren erwogen werden.
Gemäß der Leitlinie sollen bei der standardisierten Lymphadenektomie mindestens 12 regionäre Lymphknoten entfernt werden. Eine erweiterte Lymphadenektomie wird aufgrund fehlender Überlebensvorteile und höherer Morbidität nicht empfohlen.
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Quelle: S3-Leitlinie Pankreaskarzinom v3.0 (2024) (Leitlinienprogramm Onkologie, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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