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AWMFS3Onkologie

Magenkarzinom: S3-Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Helicobacter pylori ist der wesentliche Risikofaktor für das Magenkarzinom; eine Eradikation senkt die Inzidenz signifikant.
  • Bei familiärer Häufung oder Erkrankungsalter unter 50 Jahren sollte eine humangenetische Beratung erfolgen.
  • In der perioperativen Therapie hat sich das FLOT-Schema weiter etabliert.
  • In der palliativen Erstlinientherapie sind Checkpoint-Inhibitoren neu zugelassen.
  • Sarkopenie gilt als neuer negativer Prognosemarker.
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Hintergrund

Das Magenkarzinom und Adenokarzinome des ösophagogastralen Übergangs (AEG) gehören weltweit zu den häufigsten tumorbedingten Todesursachen. Die aktuelle S3-Leitlinie fasst den neuesten Wissensstand zu Diagnostik, Therapie und Risikofaktoren zusammen.

Risikofaktoren und Ätiologie

Die Entstehung des Magenkarzinoms ist multifaktoriell. Helicobacter pylori ist der wesentliche Risikofaktor für das Magenkarzinom (Starker Konsens). Die Infektion induziert eine chronisch-aktive Gastritis, die über atrophische Gastritis und intestinale Metaplasie zum Karzinom führen kann.

Weitere wichtige Risikofaktoren für das Nicht-Kardiamagenkarzinom sind:

  • Alter und männliches Geschlecht
  • Übergewicht und Adipositas
  • Niedriger sozioökonomischer Status
  • Tabakrauchen (Risiko steigt mit der Anzahl der Zigaretten)
  • Hoher Alkoholkonsum (> 45 g/Tag)
  • Vorangegangene Magenoperationen
  • Hohe Zufuhr von in Salz konservierten Lebensmitteln und verarbeitetem Fleisch
  • Geringer Verzehr von Obst

Für das Adenokarzinom des gastroösophagealen Übergangs (AEG) ist die Assoziation mit einer gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) wahrscheinlich.

Familiäres Risiko und Genetik

Verwandte ersten Grades von Patienten mit einem Magenkarzinom haben ein 2- bis 3-fach erhöhtes Risiko.

Empfehlungen bei familiärer Belastung:

  • Ein Erkrankungsalter vor dem 50. Lebensjahr und/oder eine familiäre Häufung weisen auf eine erbliche Form hin und sollten durch eine humangenetische Beratung geklärt werden.
  • Bei Verwandten ersten Grades von Magenkarzinom-Patienten reduziert die Eradikation von H. pylori das Risiko signifikant.
  • Personen aus Familien, die die Kriterien des International Gastric Cancer Linkage Consortium (IGCLC) für ein hereditäres diffuses Magenkarzinom (HDGC) erfüllen, gelten als Risikopersonen.
Hereditäres SyndromAssoziierte GeneErbgang
Hereditäres diffuses Magenkarzinom (HDGC)CDH1, CTNNA1Autosomal dominant
Familiäres intestinales Magenkarzinom (FIGC)UnbekanntAutosomal dominant
Gastrales Adenokarzinom mit proximaler Polypose (GAPPS)APC Promoter 1BAutosomal dominant

Für Risikopersonen und Anlageträger sollen psychosoziale Beratungsangebote zur Verfügung gestellt werden.

Diagnostik und Staging

  • Zur Histologie werden auch Biopsien aus nicht vom Tumor befallener Schleimhaut empfohlen.
  • Die Laparoskopie ist ein bestätigter, wichtiger diagnostischer Schritt vor der perioperativen Therapie.
  • Sarkopenie wurde als neuer negativer Prognosemarker identifiziert.
  • Eine regelmäßige Charakterisierung von Patienten für die Mikrosatelliteninstabilität (MSI)/HNPCC sowie die immunologische Testung für Checkpoint-Inhibitoren wird empfohlen.

Therapiekonzepte

Chirurgische und Perioperative Therapie

  • Die Resektionsränder bei der Gastrektomie werden diskutiert; nach neoadjuvanter Therapie kann in Einzelfällen von alten Standards mit hohem Sicherheitsabstand abgewichen werden, um eine bessere Lebensqualität zu erzielen.
  • Als perioperatives Konzept hat sich das FLOT-Schema weiter etabliert.

Palliative Systemtherapie

TherapielinieBiomarker / SituationEmpfohlene Therapieoptionen
ErstlinieMSI- und CPS-positive KarzinomeImmuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren
ErstlinieHER2+ und PDL-1+ KarzinomeKombinationstherapie mit Trastuzumab und Pembrolizumab
Zweit-/DrittlinieHER2+ / PDL-1+Trastuzumab-Deruxtecan, Pembrolizumab

In der palliativen Situation sollten die Therapieziele regelmäßig geprüft werden. In der Prävention werden keine Statine empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei Patienten mit Magenkarzinom auf das Erkrankungsalter (< 50 Jahre) und die Familienanamnese. Leiten Sie diese Patienten frühzeitig zur humangenetischen Beratung (Verdacht auf CDH1/CTNNA1-Mutation) weiter.

Häufig gestellte Fragen

Helicobacter pylori ist der wesentliche Risikofaktor. Eine Eradikation kann die Inzidenz des Magenkarzinoms signifikant senken.
Ein Erkrankungsalter vor dem 50. Lebensjahr und/oder eine familiäre Häufung weisen auf eine erbliche Form hin und sollten durch eine humangenetische Beratung weiter geklärt werden.
Ein hoher Konsum von in Salz konservierten Lebensmitteln, verarbeitetem Fleisch und Alkohol (> 45 g/Tag) erhöht das Risiko, während ein hoher Verzehr von frischem Obst protektiv wirkt.
In der Erstlinie sind Checkpoint-Inhibitoren (besonders bei MSI- und CPS-positiven Tumoren) sowie die Kombination aus Trastuzumab und Pembrolizumab (bei HER2+ und PDL-1+) neu zugelassen. In späteren Linien kommen Trastuzumab-Deruxtecan oder Pembrolizumab zum Einsatz.
Ja, die Laparoskopie ist ein wichtiger diagnostischer Schritt vor Beginn einer perioperativen Therapie, um das genaue Tumorstadium zu evaluieren.

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