Exokrines Pankreaskarzinom: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Kein generelles Screening für asymptomatische Personen ohne familiäres oder genetisches Risiko.
- •Screening mittels MRT/MRCP oder Endosonographie nur bei definierten Hochrisikogruppen.
- •Diagnostische Laparoskopie indiziert bei resektablen Tumoren >3 cm, Aszites oder CA 19-9 >500 U/ml.
- •Erweiterung der palliativen Erstlinientherapie um das Schema NALIRIFOX.
- •Frühzeitige Integration einer spezialisierten Palliativversorgung und regelmäßiges Screening auf Mangelernährung werden empfohlen.
Hintergrund
Das exokrine Pankreaskarzinom (über 95 % Adenokarzinome) ist die vierthäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate ist mit 11 % sehr gering. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 72 Jahren (Männer) bzw. 76 Jahren (Frauen).
Risikofaktoren und Prävention
Gesicherte Risikofaktoren für die Entstehung eines sporadischen Pankreaskarzinoms sind:
- Rauchen (jeglicher Tabakkonsum)
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Adipositas
- Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus und chronische Pankreatitis
Es gibt keine spezifische Diätempfehlung zur Reduktion des Risikos. Ein Verzicht auf Tabak und übermäßigen Alkohol sowie regelmäßige körperliche Bewegung werden empfohlen.
Screening-Empfehlungen
Ein allgemeines Screening bei asymptomatischen Personen ohne erhöhtes Risiko wird nicht empfohlen. Auch Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Gallensteine oder NASH rechtfertigen kein Screening bei asymptomatischen Personen.
Ein Screening mittels MRT/MRCP und/oder endoskopischem Ultraschall (EUS) ist ausschließlich für definierte Hochrisikogruppen indiziert:
| Risikogruppe | Screening-Beginn |
|---|---|
| Familiäres Pankreaskarzinom (ohne bekannte Keimbahnmutation) | Ab 50-55 Jahren (oder 10 Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie) |
| Pathogene Keimbahnvariante + erstgradig Verwandter mit Pankreaskarzinom | Ab 50-55 Jahren (oder 10 Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie) |
| Peutz-Jeghers-Syndrom oder CDKN2A-Keimbahnvariante | Ab 40 Jahren (oder 10 Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie) |
| Hereditäre chronische Pankreatitis | 20 Jahre nach Krankheitsbeginn (spätestens ab 40 Jahren) |
Chirurgische Diagnostik
Vor einer geplanten Resektion sollte bei bestimmten Risikokonstellationen eine diagnostische Laparoskopie durchgeführt werden, da hier häufiger Mikrometastasierungen vorliegen:
- Tumorgöße > 3 cm
- Vorliegen von Aszites
- CA 19-9 > 500 U/ml (ohne Vorliegen einer Cholestase)
Palliative und zielgerichtete Therapie
In der palliativen Erstlinientherapie des fortgeschrittenen oder metastasierten Pankreaskarzinoms wurde die Empfehlung um das Schema NALIRIFOX erweitert.
| Molekulare Subgruppe | Therapieoption | Bemerkung |
|---|---|---|
| KRAS G12C Mutation | Selektiver KRAS G12C Inhibitor | Nach Ausschöpfen aller Optionen (Off-Label-Use, Einzelantrag nötig) |
Supportive Therapie und Palliativversorgung
Die Leitlinie betont die frühzeitige Integration der Palliativversorgung unabhängig vom Krankheitsstadium.
- Ernährung: Regelmäßiges Screening auf Mangelernährung mit etablierten Instrumenten. Bei Bedarf Assessment und Beratung durch Ernährungsfachkräfte sowie ggf. enterale/parenterale Ernährung.
- Antikoagulation: Eine Primärprophylaxe mit niedermolekularem Heparin (NMH) kann bei ambulanten Patienten mit fortgeschrittenem Karzinom unter Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
- Symptomerfassung: Standardisiertes Screening auf belastende Symptome und psychosoziale Belastungen, inklusive obligatorischer Schmerzanamnese.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei asymptomatischen Patienten mit neu aufgetretenem Diabetes mellitus oder Gallensteinen kein routinemäßiges Pankreaskarzinom-Screening durch. Denken Sie bei resektablen Tumoren >3 cm oder einem CA 19-9 >500 U/ml an die diagnostische Laparoskopie vor der Laparotomie.