S3-Leitlinie Magenkarzinom 2025: Diagnostik & Therapie
📋Auf einen Blick
- •Helicobacter pylori ist der wesentliche Risikofaktor; eine Eradikation senkt die Inzidenz signifikant.
- •Das FLOT-Schema hat sich als perioperatives Chemotherapie-Konzept weiter etabliert.
- •Immuntherapien (Checkpoint-Inhibitoren) sind in der palliativen Erstlinientherapie zugelassen, besonders bei MSI- und CPS-positiven Tumoren.
- •Bei HER2+ und PDL-1+ Karzinomen wird palliativ die Kombination aus Trastuzumab und Pembrolizumab favorisiert.
- •Genetische Testung (CDH1/CTNNA1) wird bei familiärer Häufung und Verdacht auf hereditäres diffuses Magenkarzinom (HDGC) empfohlen.
Hintergrund
Das Magenkarzinom und Adenokarzinome des ösophagogastralen Übergangs (AEG) erfordern eine interdisziplinäre Diagnostik und Therapie. Die S3-Leitlinie (Version 3.1, 2025) bringt wesentliche Neuerungen, insbesondere bei der Immuntherapie, den chirurgischen Standards und der genetischen Testung.
Risikofaktoren und Prävention
Helicobacter pylori ist der Hauptrisikofaktor (Klasse-I-Karzinogen). Eine Eradikation senkt das Risiko signifikant (Starker Konsens). Auch die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist wahrscheinlich mit der Entstehung eines AEG assoziiert.
| Risikofaktor | Einfluss auf das Risiko | Bemerkung |
|---|---|---|
| H. pylori Infektion | Stark erhöht | Hauptrisikofaktor, Eradikation empfohlen |
| Tabakrauchen | Erhöht | Risiko steigt mit Anzahl der Zigaretten |
| Alkoholkonsum | Erhöht | Insbesondere bei >45 g/Tag |
| Ernährung | Erhöht | Salzkonservierte Lebensmittel, verarbeitetes Fleisch |
| Obstverzehr | Gesenkt | Inverse Assoziation (protektiv) |
| Übergewicht/Adipositas | Erhöht | Assoziiert mit BMI-Anstieg |
- In der Prävention werden keine Statine empfohlen.
Diagnostik
- Zur Histologie werden auch Biopsien aus nicht vom Tumor befallener Schleimhaut empfohlen.
- Die Laparoskopie ist ein bestätigter, wichtiger diagnostischer Schritt vor der perioperativen Therapie.
- Sarkopenie gilt als neuer negativer Prognosemarker.
Chirurgische und Multimodale Therapie
| Therapiephase | Empfehlung / Neuerung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Chirurgie | Angepasste Resektionsränder | Bei der Gastrektomie (v.a. nach neoadjuvanter Therapie) kann in Einzelfällen vom hohen Sicherheitsabstand abgewichen werden, um den Rest-Magen für eine bessere Lebensqualität zu erhalten. |
| Perioperativ | FLOT-Schema | Hat sich als perioperatives Konzept weiter etabliert. |
Palliative Therapie
In der palliativen Situation sollten die Therapieziele regelmäßig geprüft werden. Es gibt wichtige medikamentöse Neuerungen:
- Erstlinientherapie: Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren ist neu zugelassen und vor allem bei MSI- und CPS-positiven Karzinomen sehr vielversprechend.
- HER2+ und PDL-1+ Karzinome: Die Kombinationstherapie mit Trastuzumab und Pembrolizumab wird favorisiert.
- Zweit- und Drittlinie: Weitere gezielte Medikamente wie Trastuzumab-Deruxtecan oder Pembrolizumab sind zugelassen.
Hereditäres diffuses Magenkarzinom (HDGC)
Verwandte ersten Grades von Magenkarzinom-Patienten haben ein 2- bis 3-fach erhöhtes Risiko. Eine H. pylori-Eradikation wird hier empfohlen. Bei Verdacht auf HDGC (Mutationen in CDH1 oder CTNNA1) gelten die IGCLC-Kriterien für eine genetische Testung.
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Familiär | ≥ 2 Fälle von Magenkarzinom (mind. 1 diffuses) |
| Familiär | ≥ 1 diffuses Magenkarzinom + ≥ 1 lobuläres Mammakarzinom (< 70 Jahre) |
| Individuell | Diffuses Magenkarzinom < 50 Jahre |
| Individuell | Diffuses Magenkarzinom + Lippen-/Gaumenspalte (persönlich/familiär) |
💡Praxis-Tipp
Prüfen Sie bei Verwandten ersten Grades von Magenkarzinom-Patienten stets den H. pylori-Status und führen Sie bei Nachweis eine Eradikation durch, da dies das Karzinomrisiko signifikant senkt.