Pädiatrische Notfallmedizin: Triage und Reanimation
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2013) bietet evidenzbasierte Empfehlungen für die stationäre Versorgung von kranken Kindern in Krankenhäusern der ersten Überweisungsebene.
Der Fokus liegt auf der Behandlung der Hauptursachen für die Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern. Dazu gehören neonatale Probleme, Pneumonie, Diarrhö, Malaria, Meningitis und schwere akute Mangelernährung.
Es wird ein systematischer Ansatz zur Triage und Notfallbehandlung beschrieben. Ziel ist es, lebensbedrohliche Zustände schnell zu erkennen und zu stabilisieren.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Triage und Notfallbewertung
Laut Leitlinie wird eine schnelle Triage aller kranken Kinder bei Ankunft im Krankenhaus empfohlen. Dabei wird auf Notfallzeichen wie Atemwegsverlegung, schwere Atemnot, zentrale Zyanose, Schock, Koma, Krampfanfälle und schwere Dehydration geachtet.
Kinder mit Notfallzeichen benötigen eine sofortige Notfallbehandlung. Kinder mit Prioritätszeichen sollen gemäß Leitlinie ohne Verzögerung untersucht werden.
Atemwegs- und Beatmungsmanagement
Bei Atemwegsverlegung oder fehlender Atmung wird ein sofortiges Freimachen der Atemwege empfohlen. Es wird die Gabe von Sauerstoff über eine Nasensonde oder Nasenbrille empfohlen, wenn eine zentrale Zyanose oder schwere Atemnot vorliegt.
Bei Verdacht auf ein HWS-Trauma wird eine Stabilisierung des Halses empfohlen, bevor die Atemwege geöffnet werden.
Kreislauf und Schockbehandlung
Bei Zeichen eines Schocks wird eine sofortige Volumentherapie empfohlen. Die Leitlinie unterscheidet strikt zwischen der Schockbehandlung bei Kindern mit und ohne schwere Mangelernährung.
Bei schwerer Mangelernährung wird eine langsamere und vorsichtigere Flüssigkeitsgabe empfohlen. Dies dient der Vermeidung einer Herzinsuffizienz.
Koma und Krampfanfälle
Bei komatösen oder krampfenden Kindern wird die sofortige Sicherung der Atemwege und die Gabe von intravenöser Glukose empfohlen. Zur Durchbrechung von Krampfanfällen wird die rektale oder intravenöse Gabe von Diazepam empfohlen.
Neonatale Reanimation
Die Leitlinie empfiehlt, Neugeborene sofort abzutrocknen und warm zu halten. Bei fehlender Atmung oder einer Herzfrequenz unter 100/min wird eine Überdruckbeatmung mit Maske und Beutel empfohlen.
Bleibt die Herzfrequenz unter 60/min, werden Thoraxkompressionen empfohlen. Zusätzlich wird in diesem Fall die Gabe von Adrenalin angeraten.
Dosierung
Die Leitlinie enthält spezifische Dosierungs- und Therapieschemata für Notfallsituationen:
Notfallmedikamente
| Medikament | Indikation | Dosierung |
|---|---|---|
| Adrenalin | Anaphylaxie | 0,15 ml der 1:1000 Lösung i.m. (0,3 ml für Kinder > 6 Jahre) |
| Adrenalin | Schwerer Croup | Verneblung von 0,5 ml/kg der 1:1000 Lösung (Maximaldosis: 5 ml) |
| Glukose (10%) | Hypoglykämie | 5 ml/kg als schnelle intravenöse Injektion |
| Diazepam | Krampfanfälle | Rektal: 0,5 mg/kg, Intravenös: 0,2-0,3 mg/kg |
Zusammensetzung intravenöser Flüssigkeiten
| Intravenöse Flüssigkeit | Na+ (mmol/l) | K+ (mmol/l) | Cl- (mmol/l) | Glucose (g/l) |
|---|---|---|---|---|
| Ringer-Laktat | 130 | 5,4 | 112 | - |
| 0,9% NaCl | 154 | - | 154 | - |
| Darrow-Lösung | 121 | 35 | 103 | - |
| 0,45% NaCl mit 5% Glucose | 77 | - | 77 | 50 |
Klassifikation der Dehydration bei Diarrhö
| Schweregrad | Klinische Zeichen (mindestens 2 erforderlich) | Behandlung |
|---|---|---|
| Schwere Dehydration | Lethargie/Bewusstlosigkeit, tief liegende Augen, unfähig zu trinken, Hautfalte verstreicht sehr langsam | Schnelle intravenöse Rehydratation (Plan C) |
| Leichte/Mäßige Dehydration | Unruhe/Reizbarkeit, tief liegende Augen, trinkt gierig, Hautfalte verstreicht langsam | Orale Rehydratation (Plan B) |
| Keine Dehydration | Nicht ausreichend Zeichen für leichte oder schwere Dehydration | Orale Flüssigkeitsgabe zu Hause (Plan A) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät davon ab, bei Kindern mit schwerer Mangelernährung und Dehydration (ohne Schock) intravenöse Flüssigkeiten zu verabreichen. Es besteht ein hohes Risiko für eine Überwässerung und Herzinsuffizienz.
Es wird davor gewarnt, bei Vergiftungen mit ätzenden Substanzen oder Erdölprodukten Erbrechen herbeizuführen. Bei Verdacht auf ein HWS-Trauma darf der Hals nicht bewegt werden.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die strikte Unterscheidung der Flüssigkeitstherapie bei Schock je nach Ernährungszustand. Es wird betont, dass bei schwer mangelernährten Kindern eine aggressive Volumengabe vermieden werden sollte, da dies zu einem tödlichen Lungenödem führen kann. Stattdessen wird eine langsamere Rehydratation mit speziellen Lösungen empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die schnelle intravenöse Gabe von 20 ml/kg Ringer-Laktat oder 0,9% NaCl. Bei fehlender Besserung kann dieser Bolus wiederholt werden.
Es wird empfohlen, die Atemwege zu sichern und Diazepam rektal (0,5 mg/kg) oder intravenös (0,2-0,3 mg/kg) zu verabreichen. Zudem sollte der Blutzucker kontrolliert werden.
Es wird eine schnelle intravenöse Rehydratation mit 100 ml/kg Ringer-Laktat empfohlen. Die Infusionsgeschwindigkeit richtet sich dabei nach dem Alter des Kindes.
Die Leitlinie empfiehlt Thoraxkompressionen, wenn die Herzfrequenz nach 30 bis 60 Sekunden effektiver Überdruckbeatmung weiterhin unter 60 Schlägen pro Minute liegt.
Es wird eine Flussrate von 1 bis 2 Litern pro Minute empfohlen. Bei jungen Säuglingen sollte die Rate auf 0,5 Liter pro Minute reduziert werden.
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Quelle: Pocket book of hospital care for children: Second edition (WHO, 2013). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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