Osteoporose: Diagnostik, Therapie und Frakturprävention
Hintergrund
Osteoporose ist eine häufige Knochenerkrankung, die durch eine verringerte Knochenmasse und ein erhöhtes Frakturrisiko gekennzeichnet ist. Die SIGN-Leitlinie 142 bietet evidenzbasierte Empfehlungen für das Management der Osteoporose und die Prävention von Fragilitätsfrakturen.
Das primäre Ziel der Behandlung ist die Reduktion des Frakturrisikos bei postmenopausalen Frauen und älteren Männern. Dabei spielen sowohl die Identifikation von Risikofaktoren als auch die gezielte medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie eine zentrale Rolle.
Die Leitlinie betont die Bedeutung einer strukturierten Risikobewertung vor der Einleitung einer spezifischen Therapie. Zudem wird die Implementierung von integrierten Versorgungsmodellen, wie Fracture Liaison Services, für Personen nach einer Fragilitätsfraktur hervorgehoben.
Empfehlungen
Risikobewertung und Diagnostik
Die Leitlinie empfiehlt, bei Personen über 50 Jahren mit klinischen Risikofaktoren eine Frakturrisikobewertung durchzuführen. Hierfür wird bevorzugt das QFracture-Tool vor einer DXA-Messung empfohlen.
Eine DXA-Messung der Knochendichte an Wirbelsäule und Hüfte wird für Personen über 50 Jahre mit einer stattgehabten Fragilitätsfraktur empfohlen. Zudem wird ein DXA-Scan angeraten, wenn das 10-Jahres-Frakturrisiko bei über 10 Prozent liegt.
Indikation zur Therapie
Laut Leitlinie sollte eine medikamentöse Therapie primär bei Personen mit einer niedrigen Knochendichte (T-Score von -2,5 oder darunter) erfolgen. Auch bei Vorliegen von Wirbelkörperfrakturen wird eine Behandlung empfohlen, selbst wenn keine DXA-Messung möglich ist.
Zoledronsäure wird zur Prävention weiterer Frakturen bei postmenopausalen Frauen mit kürzlicher Hüftfraktur empfohlen. Dies gilt insbesondere, wenn orale Therapien nicht vertragen werden.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Die Leitlinie formuliert folgende Empfehlungen zur Lebensstilmodifikation:
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Kombinationen aus Gleichgewichts-, Flexibilitäts- und Krafttraining zur Sturz- und Frakturprävention
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Ausreichende diätetische Kalziumzufuhr von 700 mg pro Tag
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Vitamin-D-Supplementierung (10 Mikrogramm/Tag) in den Wintermonaten oder ganzjährig bei hohem Risikoprofil
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Reduktion des Alkoholkonsums auf unter 14 Einheiten pro Woche und Raucherentwöhnung
Medikamentöse Erstlinientherapie
Zur Prävention von Wirbelkörper-, Nicht-Wirbelkörper- und Hüftfrakturen bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose empfiehlt die Leitlinie:
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Alendronsäure oder Risedronat als orale Standardtherapie
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Zoledronsäure (5 mg intravenös jährlich)
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Denosumab bei Kontraindikationen oder Unverträglichkeit gegenüber oralen Bisphosphonaten
Therapie bei schwerer Osteoporose
Für postmenopausale Frauen mit schwerer Osteoporose und stattgehabten Frakturen werden anabole Therapien empfohlen. Teriparatid oder Romosozumab sollten hierbei oralen Bisphosphonaten vorgezogen werden.
Nach Abschluss einer anabolen Therapie wird der Wechsel auf ein antiresorptives Medikament empfohlen. Dies dient der Erhaltung der gewonnenen Knochendichte.
Monitoring und Therapiedauer
Die Leitlinie schlägt vor, eine wiederholte DXA-Messung nach drei Jahren in Betracht zu ziehen, um das Therapieansprechen zu beurteilen.
Für Alendronsäure wird eine Therapiedauer von bis zu 10 Jahren erwogen, insbesondere bei hohem Wirbelkörperfrakturrisiko. Bei Zoledronsäure ist der klinische Nutzen nach drei jährlichen Infusionen für eine weitere Fortsetzung ungewiss.
Dosierung
| Wirkstoff | Dosierung | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| Alendronsäure | 10 mg täglich oder 70 mg wöchentlich oral | Postmenopausale Osteoporose, Osteoporose beim Mann, Glukokortikoid-induzierte Osteoporose |
| Risedronat | 5 mg täglich oder 35 mg wöchentlich oral | Postmenopausale Osteoporose, Osteoporose beim Mann, Glukokortikoid-induzierte Osteoporose |
| Zoledronsäure | 5 mg intravenös einmal jährlich | Postmenopausale Osteoporose, Osteoporose beim Mann, Glukokortikoid-induzierte Osteoporose |
| Ibandronsäure | 150 mg oral monatlich oder 3 mg intravenös alle 3 Monate | Postmenopausale Osteoporose |
| Denosumab | 60 mg subkutan alle 6 Monate | Postmenopausale Osteoporose bei Bisphosphonat-Unverträglichkeit |
| Teriparatid | 20 Mikrogramm täglich subkutan | Schwere postmenopausale Osteoporose (max. 18-24 Monate) |
| Romosozumab | 210 mg subkutan monatlich | Schwere postmenopausale Osteoporose mit Frakturhistorie (max. 12 Monate) |
| Strontiumranelat | 2 g täglich oral | Schwere Osteoporose, wenn andere Therapien ungeeignet sind |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise für spezifische Osteoporosetherapien:
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Orale Bisphosphonate: Sollen bei aktiven Problemen des oberen Gastrointestinaltrakts mit Vorsicht angewendet werden. Alendronat und Ibandronat sind bei Ösophagusanomalien, die die Entleerung verzögern (z. B. Strikturen, Achalasie), kontraindiziert.
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Romosozumab: Kontraindiziert bei Frauen mit einer Vorgeschichte von Myokardinfarkt oder Schlaganfall.
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Strontiumranelat: Darf nicht bei ischämischer Herzkrankheit, peripherer arterieller Verschlusskrankheit, zerebrovaskulären Erkrankungen oder unkontrollierter Hypertonie angewendet werden.
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Denosumab: Erhöhtes Risiko für Hypokalzämie, insbesondere bei Niereninsuffizienz. Der Serumkalziumspiegel sollte vor der Gabe kontrolliert werden.
💡Praxis-Tipp
Ein sofortiges Absetzen von Denosumab führt laut Leitlinie zu einem raschen Rebound-Effekt mit erhöhtem Knochenumbau und einem gesteigerten Risiko für Wirbelkörperfrakturen. Es wird dringend empfohlen, nach Beendigung einer Denosumab-Therapie nahtlos auf ein antiresorptives Medikament (z. B. ein Bisphosphonat) umzustellen, um die gewonnene Knochendichte zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie erwägt eine Fortsetzung der Therapie mit Alendronsäure für bis zu 10 Jahre. Dies gilt insbesondere für postmenopausale Frauen, die ein hohes Risiko für Wirbelkörperfrakturen aufweisen.
Bei Personen unter 50 Jahren wird eine Frakturrisikobewertung nur bei Vorliegen starker klinischer Risikofaktoren empfohlen. Dazu zählen eine vorherige Fragilitätsfraktur, eine systemische Glukokortikoidtherapie oder eine unbehandelte vorzeitige Menopause.
Bei schwerer Osteoporose mit mindestens zwei moderaten oder einer schweren Wirbelkörperfraktur wird eine anabole Therapie mit Teriparatid oder Romosozumab empfohlen. Diese Wirkstoffe zeigen laut Leitlinie in dieser Gruppe eine Überlegenheit gegenüber oralen Bisphosphonaten.
Es wird empfohlen, den Serumkalziumspiegel zwei Wochen vor der geplanten Denosumab-Gabe zu kontrollieren. Bei Personen mit einer Niereninsuffizienz (eGFR <30 ml/min) sollte zudem eine engmaschigere Überwachung erfolgen, da ein erhöhtes Risiko für eine Hypokalzämie besteht.
Die Leitlinie rät von einer generellen medikamentösen Supplementierung mit Kalzium und Vitamin D zur Frakturprävention bei gesunden, zu Hause lebenden älteren Menschen ab. Eine Supplementierung wird jedoch für gebrechliche ältere Menschen, beispielsweise in Pflegeheimen, empfohlen.
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Quelle: SIGN 142: Management of Osteoporosis and the Prevention of Fragility Fractures (SIGN, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Executive Summary
Cochrane Review: Alendronate for the primary and secondary prevention of osteoporotic fractures in postmenopausal women
NICE Guideline on Osteoporosis
USPSTF Recommendation: Screening for Osteoporosis
CG146: Osteoporosis: assessing the risk of fragility fracture
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