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Onkopedia/DGHOOnkologie

Antivirale Prophylaxe bei Krebs: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die medikamentöse Prophylaxe schützt immunsupprimierte Krebspatienten vor der Reaktivierung von HSV-1, HSV-2 und VZV.
  • Ein routinemäßiges PCR-Screening auf Herpesviren-Reaktivierung wird nicht empfohlen, da die Seroprävalenz bei ca. 90 % liegt.
  • Aciclovir ist die am besten untersuchte Substanz zur Prophylaxe, alternativ kann Valaciclovir eingesetzt werden.
  • Trotz verfügbarer VZV-Impfung (Shingrix) sollte bei Hochrisikopatienten nicht auf die medikamentöse Prophylaxe verzichtet werden.
  • Die Indikation zur Prophylaxe richtet sich spezifisch nach der Grunderkrankung und der durchgeführten Tumortherapie.
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Hintergrund

Die Mehrzahl der Viruserkrankungen bei Patienten mit soliden Tumoren oder hämatologischen Neoplasien entsteht durch die Reaktivierung latenter Infektionen. Das Risiko steigt mit der Intensität und Dauer der T-Zell-Suppression. Die häufigsten Erreger sind Herpes-simplex-Viren (HSV-1 und HSV-2), das Varizella-Zoster-Virus (VZV) und das Hepatitis-B-Virus (HBV).

Klinisches Bild

Reaktivierungen können asymptomatisch verlaufen oder zu schweren, teils lebensbedrohlichen Organmanifestationen führen, insbesondere bei starker Immunsuppression.

ErregerHäufige ManifestationenManifestationen bei schwerer Immunsuppression
HSV-1Herpes labialis, StomatitisÖsophagitis, Hepatitis, Colitis, Pneumonitis, Enzephalitis, Keratitis
HSV-2Herpes genitalisHepatitis, Meningitis, Enzephalitis
VZVHerpes zoster, Zoster sine herpeteDisseminierter Zoster, Hepatitis, Pankreatitis, Pneumonitis, Meningoenzephalitis, zerebrale Vaskulopathie, Keratitis, Uveitis, Retinitis

Diagnostik

Die Seroprävalenz für HSV und VZV liegt bei Erwachsenen aufgrund hoher Primärinfektionsraten in der Kindheit bei etwa 90 %. Daher ist eine antivirale Prophylaxe in der Regel auch ohne vorherige serologische Testung adäquat.

  • Eine serologische Untersuchung (HSV-IgG, VZV-IgG) kann eine frühere Infektion bestätigen.
  • Es gibt keine Indikation für ein regelmäßiges Screening mittels PCR auf Reaktivierungen von HSV-1, HSV-2 oder VZV.

Medikamentöse Prophylaxe

Obwohl für VZV eine Impfprophylaxe (Shingrix) existiert, sind die Daten zur Dauer des Impfschutzes bei hämatologischen Neoplasien unzureichend. Bei Hochrisikopatienten kann daher nicht auf eine medikamentöse Prophylaxe verzichtet werden.

WirkstoffIndikationÜbliche DosierungBemerkung
AciclovirHSV-1 / HSV-2400 mg p.o. 2x tgl.Am besten untersucht. Höchstdosis an Nierenfunktion anpassen!
AciclovirVZV400 mg p.o. 1x bis 3x tgl.Höchstdosis an Nierenfunktion anpassen!
ValaciclovirHSV / VZV250 mg oder 500 mg p.o. 2x tgl.Geringere Studien-Evidenz, aber klinisch etabliert. Höchstdosis an Nierenfunktion anpassen!

Indikationen nach Grunderkrankung

Die Indikation zur Prophylaxe richtet sich nach der Grunderkrankung und der spezifischen Therapie.

Entität / TherapieProphylaxe gegenEmpfehlungsgrad (SoR)Evidenzqualität (QoE)
Solide TumoreHSV-1, HSV-2, VZVDIII
Ausnahme: Kopf-Hals-Tumor + RadiochemotherapieHSV-1, HSV-2--
Ausnahme: Prednisolon >10 mg/d für >14 TageVZV--
AML, ALL (intensive Chemotherapie)HSV-1, HSV-2, VZVBIIr
MPN (Ruxolitinib)HSV-1, HSV-2CIIu
MPN (Ruxolitinib)VZVBIIru
Malignes Lymphom, CLL (Immunochemotherapie)HSV-1, HSV-2, VZVBIIu
Malignes Lymphom, CLL (Idelalisib)HSV-1, HSV-2, VZVBIII (Zusätzlich obligate CMV-Prophylaxe!)
Malignes Lymphom, CLL (BTK-/BCL2-Inhibitoren)VZVCIII
Multiples Myelom (Proteasominhibitoren)VZVAIIt
Multiples Myelom (Lenalidomid, Daratumumab)VZVCIIt

(Hinweis: Bei der Therapie mit Idelalisib besteht eine obligate Prophylaxe-Indikation gegen CMV. Dies gilt ausdrücklich nicht für die Behandlung mit BTK-/BCL2-Inhibitoren.)

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf ein routinemäßiges PCR-Screening auf HSV- oder VZV-Reaktivierungen. Denken Sie bei der Verordnung von Aciclovir oder Valaciclovir stets an die Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion.

Häufig gestellte Fragen

Nein, laut Leitlinie gibt es keine Indikation für ein regelmäßiges Screening mit PCR auf Reaktivierungen durch HSV-1, HSV-2 oder VZV.
Nein. Die Daten zur Dauer des Impfschutzes bei hämatologischen Neoplasien sind noch unzureichend. Bei Hochrisikopatienten wird weiterhin eine medikamentöse Prophylaxe empfohlen.
Für die Prophylaxe von Reaktivierungen durch HSV-1 und HSV-2 wird Aciclovir meist in einer Dosierung von 400 mg p.o. 2x täglich eingesetzt. Bei VZV werden 400 mg 1x bis 3x täglich verwendet.
Bei der Therapie mit Idelalisib ist eine obligate Prophylaxe gegen CMV-Reaktivierung indiziert. Bei BTK- oder BCL2-Inhibitoren besteht diese Indikation nicht.

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