Spenderauswahl Stammzelltransplantation (Onkopedia)
📋Auf einen Blick
- •Der Goldstandard für unverwandte Spender ist die hochauflösende 10/10-HLA-Kompatibilität (HLA-A, -B, -C, -DRB1, -DQB1).
- •Bei der Familienspendersuche werden bevorzugt Geschwister untersucht (Testung von HLA-A, -B, -DRB1).
- •Ein jüngerer Fremdspender kann einem deutlich älteren Geschwisterspender überlegen sein.
- •Bei HLA-Differenzen muss zwingend ein Crossmatch zum Nachweis donorspezifischer Antikörper (DSA) erfolgen.
- •CMV-Status, Spenderalter und Geschlechtskonstellation sind entscheidende sekundäre Auswahlkriterien.
Hintergrund
Die allogene Stammzelltransplantation besitzt für viele schwere hämatologische Erkrankungen ein hohes kuratives Potenzial. Ein kritisches Element für den Erfolg der Therapie ist die Auswahl eines geeigneten Spenders. Grundsätzlich wird zwischen der Suche nach Familienspendern und nicht verwandten Spendern (Fremdspendern) unterschieden.
HLA-Typisierung und Diagnostik
Alle HLA-Testungen müssen in einem EFI- oder ASHI-akkreditierten Labor durchgeführt werden. Zur Vermeidung von Probenverwechslungen ist zwingend eine Bestätigungstypisierung an neu gewonnenen Blutproben von Patient und Spender erforderlich.
| Auflösung | Definition | Beispiel |
|---|---|---|
| Niedrige Auflösung | Eindeutige Angabe des 1. Feldes der HLA-Allel-Bezeichnung | HLA-A*24 |
| Hohe Auflösung | Mindestens die ersten beiden Felder der HLA-Allel-Bezeichnung | HLA-A*24:02 |
Bei Wahl eines Spenders mit HLA-Differenzen muss ein Crossmatch zum Nachweis donorspezifischer Antikörper (DSA) erfolgen. Bei positivem Crossmatch und fehlenden Alternativen kann zur Vermeidung einer primären Abstoßung (off-label) die Gabe von Rituximab, Bortezomib, eine Plasmapherese oder Immunadsorption erwogen werden.
Algorithmus zur Spendersuche
Die Suche beginnt primär in der Familie. Bei hoher Dringlichkeit oder ungeklärtem Gesundheitszustand der Familie kann die Fremdpendersuche parallel eingeleitet werden.
- Familienspender: Bevorzugt Geschwister. Testung der Genorte HLA-A, -B und -DRB1 in niedriger Auflösung.
- Intermediäres Risiko: Ist kein Familienspender verfügbar, wird ein 10/10 HLA-identischer Fremdspender empfohlen.
- Hochrisiko: Ohne 10/10 Fremdspender sollte eine Abwägung zwischen haploidentischer verwandter oder 9/10 HLA-kompatibler unverwandter Transplantation erfolgen.
Auswahlkriterien für unverwandte Spender
Der Goldstandard ist die hochauflösende Typisierung für HLA-A, -B, -C, -DRB1 und -DQB1 (10/10-Kompatibilität). Stehen mehrere Spender zur Verfügung oder sind Abstriche nötig, gelten folgende Kriterien:
| Kriterium | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| HLA-Mismatches | Allel-Mismatch bevorzugen | Ein Allel-Mismatch ist einem Antigen-Mismatch vorzuziehen. |
| HLA-DPB1 | Permissive Differenzen | Bei mehreren 10/10 oder 9/10 Spendern jene mit permissiven DPB1-Differenzen wählen. |
| Alter | Jüngere Spender bevorzugen | Ein junger Fremdspender kann besser sein als ein deutlich älterer Geschwisterspender. |
| Geschlecht | Männlich für männlich | Weibliche Spender (besonders nach Schwangerschaften) erhöhen bei Männern das GvHD-Risiko. |
| CMV-Status | Status-identisch | CMV-negativ zu negativ; CMV-positiv zu positiv. |
Alternative Stammzellquellen
- Haploidentische Spender: Einsatz bei Fehlen eines HLA-identischen Familien- oder Fremdspenders. Voraussetzung ist ein negatives Crossmatch.
- Nabelschnurblut: Beurteilung nach niedriger Auflösung (HLA-A, -B) und hoher Auflösung (HLA-DRB1). Priorisierung nach n/6-Kompatibilität und Zellzahl (TNC oder CD34+).
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei HLA-Differenzen immer einen Antikörpersuchtest (DSA) durch. Bestätigen Sie zudem die HLA-Ergebnisse von Patient und Spender zwingend an neu gewonnenen Blutproben, um fatale Verwechslungen auszuschließen.