ClariMedClariMed

Intensivtherapie bei Krebspatienten: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Mortalität von Krebspatienten auf der Intensivstation ist in den letzten 20 Jahren auf unter 40 % gesunken.
  • Ein "Full-code" Management (nicht-limitierte Intensivtherapie) wird bei Patienten mit Aussicht auf Langzeitüberleben empfohlen.
  • Eine Verlegung auf die Intensivstation innerhalb von 24 Stunden nach Eintreten kritischer Ereignisse verbessert die Prognose deutlich.
  • Bei akutem respiratorischem Versagen (ARF) ist ein Thorax-CT obligat, die Diagnostik darf die Therapie jedoch nicht verzögern.
  • Die frühzeitige Einbindung eines Palliativ-Teams verkürzt die Liegedauer und reduziert unnötige ICU-Aufnahmen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Prognose von Patienten mit malignen Erkrankungen auf der Intensivstation (ICU) hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich verbessert. Während 1999 noch Mortalitätsraten von 90 % bei Patienten mit hämatologischen Malignomen und metastasierten soliden Tumoren berichtet wurden, liegt diese inzwischen bei unter 40 %. Ziel ist es, kritische Ereignisse frühzeitig zu erkennen und Patienten rechtzeitig auf die Intensivstation zu verlegen.

Indikation und Verlegung

Eine nicht-limitierte Intensivbehandlung ("Full-code" Management) sollte allen kritisch kranken Krebspatienten angeboten werden, wenn die Prognose des zugrundeliegenden Malignoms ein Langzeitüberleben zulässt (A-IIu). Dies gilt typischerweise für:

  • Patienten mit kurativen Therapieansätzen
  • Patienten in Remission
  • Patienten mit nicht kurativ behandelbaren Erkrankungen, aber substanzieller Lebenserwartung

Die Verlegung auf die Intensivstation sollte bei manifestem oder drohendem Organversagen innerhalb von 24 Stunden erfolgen, da dies die Prognose deutlich verbessert. Ein tägliches Screening auf Zeichen einer Sepsis oder Organdysfunktion ist für die adäquate Triage essenziell.

Akutes respiratorisches Versagen (ARF)

Das Auftreten eines ARF bei Krebspatienten hat erhebliche prognostische Relevanz, besonders wenn eine Beatmungstherapie erforderlich wird. Die Diagnostik muss umfassend sein, darf den Start einer adäquaten Therapie (inklusive prompter Antibiotikagabe) jedoch keinesfalls verzögern (A-III).

MaßnahmeEmpfehlungEvidenzgrad
Thorax-CTBildgebung mittels Thorax-CT ist obligatA-IIt
Bronchoskopie / BALFrüh nach ICU-Aufnahme durchführenA-II
IntubationskriterienBei NIV oder HFNO müssen Kontraindikationen und Intubationskriterien vorab definiert seinA-IIIu
NIV / HFNOSollten bei diesen Patienten nicht auf der Normalstation durchgeführt werdenB-III

Spezifische Diagnostik bei ARF

DiagnostikIndikation / Zielerreger
BlutkulturenImmer
Thorax-CTImmer (MRT, falls CT nicht durchführbar)
EchokardiographieBei kardialer Anamnese oder Klinik
Sputum / AspiratBakterien, Pilze, Mykobakterien, RSV, Influenza, SARS-CoV-2
BAL (Zytologie & Kultur)Bakterien, Pilze, Mykobakterien, Pneumocystis jirovecii, Aspergillus

Therapie und Prävention

IntentionMaßnahmeEvidenzgrad
MortalitätsreduktionEnge Kooperation zwischen Intensivmedizinern, Hämato-Onkologen und InfektiologenA-IIt
InfektionspräventionFortsetzung prophylaktischer antiinfektiöser Therapien oder Umstellung auf therapeutische DosenA-IIt
MortalitätsreduktionKein routinemäßiger Einsatz von G-CSF bei neutropenischen Patienten mit LungeninfiltratenA-IIt

Palliativmedizin und End-of-Life

Die Prinzipien der palliativen Versorgung und das End-of-Life Management unterscheiden sich nicht grundsätzlich zwischen Patienten mit und ohne maligne Grunderkrankungen (A-IIt). Behandlungsentscheidungen werden maßgeblich durch den Patientenwunsch, progredientes Organversagen und ein rapides Fortschreiten der Krebserkrankung beeinflusst.

  • Der behandelnde Hämatologe/Onkologe soll frühzeitig in die Entscheidungsfindung eingebunden werden (A-IIt).
  • Die frühe Einbindung eines Palliativ-Teams führt zu selteneren ICU-Aufnahmen (A-I) und verkürzt die Liegedauer auf der Intensivstation sowie im Krankenhaus (A-IIt).

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Krebspatienten mit akutem respiratorischem Versagen (ARF) frühzeitig ein Thorax-CT und eine Bronchoskopie durch, aber verzögern Sie dadurch niemals den Beginn der kalkulierten antiinfektiösen Therapie.

Häufig gestellte Fragen

Bei manifestem oder drohendem Organversagen sollte die Verlegung innerhalb von 24 Stunden erfolgen, da dies die Prognose deutlich verbessert.
Ein "Full-code" Management wird für alle Patienten empfohlen, deren Prognose ein Langzeitüberleben zulässt (z. B. bei kurativem Ansatz, in Remission oder bei substanzieller Lebenserwartung).
Ein Thorax-CT ist obligat. Alternativ kann ein MRT durchgeführt werden, falls ein CT nicht möglich ist.
Nein, der routinemäßige Einsatz von G-CSF wird bei neutropenischen Patienten mit Lungeninfiltraten nicht empfohlen.

Verwandte Leitlinien