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Tumortherapie in der Schwangerschaft: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Im 1. Trimenon ist eine systemische Tumortherapie aufgrund der Teratogenität grundsätzlich kontraindiziert.
  • Ab dem 2. Trimenon ist eine Chemotherapie bei gegebener Indikation in Standarddosierung (nach aktuellem Körpergewicht) möglich.
  • Zielgerichtete Therapien (TKI, ICI, Antikörper) und antihormonelle Therapien sind in der gesamten Schwangerschaft kontraindiziert.
  • Bildgebung der Wahl sind Ultraschall und MRT (ohne Gadolinium-Kontrastmittel).
  • Zwischen der letzten Chemotherapie und der Entbindung sollte ein Intervall von 3 Wochen eingehalten werden.
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Hintergrund

Krebserkrankungen treten bei etwa 1-2 von 1.000 Schwangerschaften auf, mit steigender Inzidenz aufgrund des zunehmenden mütterlichen Alters. Am häufigsten werden Mammakarzinome (39 %), Zervixkarzinome (13 %) und maligne Lymphome (10 %) diagnostiziert. Die Therapieentscheidung erfordert ein multidisziplinäres Team und eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung in Abhängigkeit vom Schwangerschaftsstadium.

Bildgebende Diagnostik

In der Schwangerschaft sind strahlungsfreie Verfahren zu bevorzugen.

ModalitätBewertung & Besonderheiten
UltraschallGilt als sicher. Auf Kontrastmittelsonographie sollte verzichtet werden.
MRTGilt als sicher (fetale Lautstärkeexposition auf 90 dB begrenzen). Gadolinium ist kontraindiziert (plazentagängig, akkumuliert im Fruchtwasser).
Röntgen / CTNur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung (lebensbedrohliche Situationen). Fetale Schwellendosis von 50-100 mGy beachten.
MammographieGilt als sicher, Sensitivität kann durch erhöhte Brustdichte verringert sein. Sentinel-Staging mit 99Technetium ist möglich.

Allgemeine Therapieprinzipien

Das therapeutische Vorgehen richtet sich maßgeblich nach dem Trimenon der Schwangerschaft:

PhaseSystemische TherapieSchwangerschaftsverlauf & Entbindung
1. TrimenonKontraindiziert (erhöhte Rate an Fehlbildungen und Fehlgeburten).Ggf. Diskussion über Schwangerschaftsabbruch bei akuter Behandlungsindikation.
2. & 3. TrimenonBei Indikation möglich. Standarddosierung nach aktuellem Körpergewicht.Weitgehend normaler Schwangerschafts- und Entwicklungsverlauf zu erwarten.
  • Entbindung: Angestrebt wird eine normale Entbindung. Von frühzeitiger Geburtseinleitung und primärer Sectio (Ausnahme: Zervixkarzinom) wird abgeraten.
  • Therapieintervall: Es wird ein Intervall von 3 Wochen zwischen Chemotherapie und Entbindung empfohlen, um eine perinatale Myelosuppression zu vermeiden.
  • Kontraindizierte Substanzen: Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI), (V)EGF-Antikörper, antihormonelle Substanzen, Immuncheckpointinhibitoren (ICI) und PARP-Inhibitoren sind im gesamten Schwangerschaftsverlauf kontraindiziert.

Spezifische Tumorentitäten

Akute Leukämien

EntitätTherapie ab 2. TrimenonBemerkung
AMLStandard "7+3" (Daunorubicin + Cytarabin)Daunorubicin ist Mittel der Wahl (geringere fetale Toxizität als Idarubicin).
APLATRA + AnthrazyklineBei niedrigem/intermediärem Risiko ggf. ATRA-Monotherapie zur Überbrückung.
ALLGMALL-ProtokollMethotrexat ist kontraindiziert (Aminopterin-Syndrom). Blinatumumab vermeiden.

Maligne Lymphome

Schwangere mit Lymphomen sollten ab dem 2. Trimenon grundsätzlich ähnlich wie Nichtschwangere behandelt werden.

  • Non-Hodgkin-Lymphom (NHL): R-CHOP ist als Standardtherapie geeignet. Antimetabolite (z. B. MTX) sind kontraindiziert.
  • Hodgkin-Lymphom: ABVD gilt im 2. und 3. Trimenon als sichere Therapieoption. Brentuximab vedotin und Nivolumab sind kontraindiziert.

Solide Tumoren

EntitätTherapie ab 2. TrimenonKontraindikationen
MammakarzinomAnthrazykline (AC/EC) gefolgt von Taxanen (Paclitaxel/Docetaxel).Endokrine Therapien, Trastuzumab, Pertuzumab, CDK4/6-Inhibitoren.
OvarialkarzinomCarboplatin + PaclitaxelBevacizumab (VEGF-Inhibition stört Embryonalentwicklung).
ZervixkarzinomNeoadjuvante platinbasierte Chemotherapie.Spontangeburt oft riskant, Sectio wird empfohlen.
MelanomLokoregionäre Chirurgie.BRAF-/MEK-Inhibitoren, Immuncheckpoint-Inhibitoren.

Supportivtherapie

Die medikamentöse Supportivtherapie ist im 2. und 3. Trimenon überwiegend sicher durchführbar:

IndikationEmpfohlene WirkstoffeKontraindizierte / Zu vermeidende Wirkstoffe
AntiemeseMetoclopramid, 5-HT3-AntagonistenAprepitant
InfektionenPenicilline, Cephalosporine, Makrolide, (Liposomales) Amphotericin BAminoglykoside, Fluorochinolone, Tetracycline, Sulfonamide
NeutropenieG-CSF-
ThromboseNiedermolekulare Heparine (NMH)-
GlukokortikoidePrednisolon, Methylprednisolon (geringe Plazentagängigkeit)Andere Glukokortikoide bevorzugt meiden

Hinweis: Bisphosphonate sollen in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden.

💡Praxis-Tipp

Planen Sie die letzte Chemotherapie-Gabe so, dass ein Intervall von mindestens 3 Wochen bis zur Entbindung besteht. So vermeiden Sie eine gefährliche perinatale Myelosuppression bei Mutter und Neugeborenem.

Häufig gestellte Fragen

Nein. Trotz pharmakokinetischer Besonderheiten in der Schwangerschaft erfolgt die Dosierung nach Standard und dem aktuellen Körpergewicht der Patientin.
Ultraschall und MRT gelten als sicher. Auf Gadolinium-Kontrastmittel im MRT muss jedoch zwingend verzichtet werden. CT und Röntgen sollten nur in lebensbedrohlichen Situationen eingesetzt werden.
Nein. Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI), monoklonale Antikörper (z. B. Trastuzumab, Bevacizumab) und Immuncheckpoint-Inhibitoren sind aufgrund unkalkulierbarer Risiken für den Fötus in der gesamten Schwangerschaft kontraindiziert.
Daunorubicin ist das Anthrazyklin der Wahl, da es im Vergleich zu Idarubicin eine geringere Plazentagängigkeit und eine geringere fetale Toxizität aufweist.
Grundsätzlich wird eine normale vaginale Entbindung angestrebt. Eine primäre Sectio wird nur bei spezifischen Indikationen, wie beispielsweise dem Zervixkarzinom, empfohlen.

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