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Trophoblasterkrankungen: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Klassifikation der GTD erfolgt nach WHO in villöse (z.B. Partial-/Blasenmole) und nicht-villöse Formen.
  • Die Risikostratifizierung und Therapieplanung einer malignen GTD basiert auf dem FIGO-Risikoscore.
  • Zur operativen Therapie von Molenschwangerschaften soll eine Saugkürettage unter sonographischer Kontrolle erfolgen.
  • Ein strenges, standardisiertes hCG-Monitoring ist essenziell zur Erkennung einer Trophoblastpersistenz.
  • Low-Risk-Fälle (FIGO <5) werden primär mit Methotrexat behandelt, High-Risk-Fälle (FIGO ≥7) mit dem EMA-CO-Schema.
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Hintergrund

Gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen (GTD) umfassen eine zytogenetisch und klinisch heterogene Gruppe von Krankheitsbildern, die durch eine Fehldifferenzierung und/oder Proliferation des Trophoblastepithels gekennzeichnet sind. Die morphologische Einteilung erfolgt nach der WHO-Klassifikation.

KlassifikationEntitäten
Villöse GTDPartialmole, Blasenmole (komplette Mole), Invasive Mole
Nicht-villöse GTDPlazentabettknoten (PSN), Hyperplastische Implantationsstelle (EPS), Plazentabett-Tumor (PSTT), Epitheloider Trophoblasttumor (ETT), Chorionkarzinom (CCA)

Starke Empfehlung: Im Falle einer operativen Therapie einer malignen GTD soll die postoperative Stadieneinteilung nach der aktuellen TNM-Klassifikation erfolgen. Die Risikostratifizierung soll nach dem aktuellen FIGO-Risikoscore erfolgen.

Diagnostik und hCG-Bestimmung

Die hCG-Bestimmung im Serum ist neben der Histologie der wichtigste Parameter zur Festlegung der Therapie, Therapiedauer und Beurteilung des Therapieeffekts.

  • Sollte-Empfehlung: Es sollte ein Assay benutzt werden, der mit irregulären Formen von hCG (z.B. hyperglykosiliertes hCG) in hohem Maße kreuzreagiert.
  • Starke Empfehlung: Das Therapiemonitoring soll immer mit der gleichen Assaymethode im selben Labor durchgeführt werden, um methodenbedingte Schwankungen zu vermeiden.

Villöse GTD: Partialmole und Blasenmole

Die Partial- und Blasenmole sind die häufigsten GTD-Formen. Sie leiten sich vom villösen Trophoblasten ab und entstehen infolge einer Befruchtungsstörung.

MerkmalPartialmoleBlasenmole (komplette Mole)
ZytogenetikMeist Triploidie (69XXX, 69XXY, 69XYY)Meist 46,XX (androgenetisch)
Fetus/EmbryoOft nachweisbar, meist fehlgebildetKeine Fetalanlage
Anti-D-ProphylaxeSoll bei Rh-negativ gegeben werdenNicht notwendig (außer Histologie fehlt >72h)

Operative Therapie

  • Soll-Empfehlung: Zur Entleerung von Trophoblastmaterial soll eine Saugkürettage unter sonographischer Kontrolle durchgeführt werden.
  • Starke Empfehlung: Im Rahmen der Kürettage soll eine zeitnahe Bereitstellung von Erythrozytenkonzentraten gewährleistet sein.
  • Starke Empfehlung: Aufgrund der Perforations- und Blutungsgefahr können Uterotonika eingesetzt werden. Die Hysterektomie soll nur bei lebensbedrohlichen Blutungen erfolgen.

Nachsorge und hCG-Monitoring

EntitätMonitoring-SchemaKontrazeption
PartialmoleWöchentlich bis zur Negativität (mind. 2 aufeinanderfolgende negative Werte)Nicht explizit gefordert
BlasenmoleWöchentlich bis zur Negativität, danach monatlich für mind. 6 MonateSoll für 6 Monate erfolgen (z.B. orale Kombinationspräparate)

Therapie der persistierenden GTD

Für die Diagnose einer persistierenden villösen GTD (postmolare Trophoblastpersistenz) gelten folgende Kriterien:

  1. Vier oder mehr konsekutive hCG-Werte mit einer Plateaubildung
  2. Anstieg der hCG-Werte bei 2 konsekutiven Messungen (Tag 0 und 7)
  3. Persistierende hCG-Werte über 6 Monate

Starke Empfehlung: Bei Diagnose einer persistierenden villösen GTD soll eine Chemotherapie durchgeführt werden. Eine Re-Kürettage kann in Einzelfällen zur Vermeidung einer Chemotherapie erwogen werden (z.B. hCG <1000 IU/l und keine Fernmetastasen).

Chemotherapie nach Risikogruppen

RisikogruppeFIGO-ScorePrimärtherapieZweitlinientherapie (bei Resistenz)
Low-Risk< 5Methotrexat (MTX) 50mg i.m. d 1,3,5,7 + Folsäure 15mg p.o. d 2,4,6,8Actinomycin D oder EMA-CO
Intermediate-Risk5 - 6MTX (Ausnahme: EMA-CO bei Metastasen, hCG >411.000 oder Chorionkarzinom)Actinomycin D oder EMA-CO
High-Risk≥ 7EMA-CO PolychemotherapieEMA-EP, BEP, TP-TE oder Carboplatin-Paclitaxel
  • Starke Empfehlung: Im Falle einer Mono-Chemotherapie sollen bei negativem hCG noch 3 konsolidierende Zyklen erfolgen.
  • Starke Empfehlung: Bei High-Risk-Fällen soll eine Chemotherapie nach dem EMA-CO-Schema erfolgen.
  • Starke Empfehlung: Bei Auftreten einer Chemotherapie-Resistenz soll ein Re-Staging mittels gynäkologischer Untersuchung, Transvaginalsonographie, CT (Thorax/Abdomen) und MRT (Schädel) erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie für das hCG-Monitoring stets denselben Assay im selben Labor, da unterschiedliche Kreuzreaktivitäten zu falsch-positiven oder falsch-negativen Werten führen können.

Häufig gestellte Fragen

Wöchentlich bis zum Erreichen von mindestens zwei konsekutiven negativen Werten, danach monatlich für mindestens 6 Monate unter sicherer Kontrazeption.
Bei der Partialmole soll rhesus-negativen Patientinnen eine Anti-D-Prophylaxe gegeben werden. Bei der Blasenmole ist sie nicht notwendig, es sei denn, die definitive histologische Diagnose liegt nach 72 Stunden noch nicht vor.
Bei vier oder mehr konsekutiven hCG-Werten mit Plateaubildung oder einem Anstieg der hCG-Werte bei zwei konsekutiven Messungen.
Mittel der Wahl ist eine Polychemotherapie nach dem EMA-CO-Schema.

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