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Fertilitätserhalt bei Krebstherapie: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Onkologische Therapien (Chemo-, Strahlentherapie, Stammzelltransplantation) können zu vorübergehender oder permanenter Infertilität führen.
  • Das Risiko für nicht-hereditäre Krebserkrankungen oder Fehlbildungen bei Nachkommen von Krebspatienten ist nicht erhöht.
  • Die Kryokonservierung von Eizellen (ab 18 J.), Ovargewebe (ab Pubertät) sowie Spermien und Hodengewebe (ab Pubertät) ist unter bestimmten Voraussetzungen Kassenleistung.
  • Bei Frauen stehen Ovariopexie, Kryokonservierung (Oozyten/Ovargewebe) und GnRH-Agonisten als fertilitätserhaltende Maßnahmen zur Verfügung.
  • Bei Männern ist die Kryokonservierung von Ejakulat der Standard, alternativ können operative Verfahren (TESE/MESA) angewandt werden.
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Hintergrund

Eine onkologische Behandlung (Chemotherapie, Strahlentherapie, gonadale Operation) oder eine Blutstammzelltransplantation kann die Fertilität stark einschränken. Bei Frauen kann dies zu einer prämaturen Ovarialinsuffizienz (POF) führen, bei Männern zur Azoospermie.

Das Risiko einer permanenten Infertilität hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Alter zum Zeitpunkt der Therapie
  • Art der Therapie (z.B. hochdosierte Alkylanzien)
  • Intensität der Therapie

Wichtig für die Patientenaufklärung: Die meisten Kinder von Langzeitüberlebenden werden gesund geboren. Es zeigt sich kein erhöhtes Risiko für nicht-hereditäre Krebserkrankungen oder Fehlbildungen bei den Nachkommen, auch nicht nach künstlicher Befruchtung.

Diagnostik der Fertilität

Zur Einschätzung der Fertilitätsreserve sollten spezifische Parameter erhoben werden. Ein einzelner Wert ist oft nur eine Momentaufnahme.

GeschlechtDiagnostikBemerkung
FrauenAMH und FSH (Serum)AMH ist bei POF erniedrigt, FSH erhöht. Bei Auffälligkeiten nach 4-6 Wochen kontrollieren.
FrauenAntraler FollikelpoolSonographische Bestimmung der Eizellreserve (untersucherabhängig).
MännerSpermiogrammGoldstandard (Konzentration, Motilität, Morphologie). Bei Auffälligkeiten nach 8-10 Wochen wiederholen.

Fertilitätserhaltende Maßnahmen bei Frauen

Die Wahl der Methode hängt von der Art der Therapie, dem Zeitfenster, dem Alter und dem Partnerstatus ab. Patientinnen sollten vor Therapiebeginn in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum vorgestellt werden.

MaßnahmeZeitbedarfIndikation / Bemerkung
OvariopexieIm Rahmen einer OPChirurgische Verlagerung der Ovarien aus dem Strahlenfeld bei geplanter Beckenbestrahlung.
Kryokonservierung von Oozytenca. 2 WochenErfordert hormonelle Stimulation. Vitrifikation unbefruchteter Eizellen hat eine Überlebensrate von nahezu 100%.
Kryokonservierung von Ovargewebeca. 2 TageEmpfohlen bis 35-38 Jahre. Risiko der Re-Übertragung maligner Zellen (z.B. bei Leukämie) muss bedacht werden.
GnRH-AgonistenWährend ChemotherapieVermindert Zellteilungsaktivität und Chemosensitivität im Ovar. Empfohlen z.B. bei Mammakarzinom (unabhängig vom Hormonrezeptor-Status).

Fertilitätserhaltende Maßnahmen bei Männern

Spermien können mit heutigen Methoden mindestens 30 Jahre, vermutlich unbegrenzt, überleben.

MaßnahmeVoraussetzungBemerkung
Kryokonservierung von EjakulatHodenvolumen ab 10-12 mlStandardmethode. Optimale Ausbeute nach 2-5 Tagen Karenzzeit.
Operative Eingriffe (TESE/MESA)Azoospermie, OAT-SyndromMikrochirurgische Aspiration aus Hoden/Nebenhoden oder Kryokonservierung von Hodengewebe.
ElektrostimulationEingeschränkte MasturbationsfähigkeitZ.B. bei Jugendlichen oder retrograder Ejakulation (Spermiengewinnung aus postmasturbatorischem Urin).

Pädiatrische und Psychosoziale Aspekte

Bei Patienten, die vor der Pubertät behandelt wurden, muss in der Nachsorge auf eine regelrechte Pubertätsentwicklung geachtet werden. Ab dem 14. Lebensjahr sollten Hormonanalysen durchgeführt werden.

Der drohende Verlust der Fruchtbarkeit stellt eine massive emotionale Belastung dar. Eine frühzeitige psychosoziale Betreuung und offene Kommunikation sind essenziell, um den Betroffenen bei der Entscheidungsfindung unter Zeitdruck zu helfen.

💡Praxis-Tipp

Klären Sie junge Krebspatienten immer vor Beginn einer gonadotoxischen Therapie über das Fertilitätsrisiko auf und nehmen Sie ihnen die Angst: Das Risiko für Fehlbildungen bei zukünftigen Kindern ist durch die Krebstherapie nicht erhöht.

Häufig gestellte Fragen

Ja, nach G-BA Beschluss sind die Kryokonservierung von Eizellen (ab 18 Jahren), Ovargewebe (ab Pubertät) sowie Hodengewebe und Samenzellen (ab Pubertät) bei gonadotoxischen Therapien Kassenleistung.
Die ovarielle Stimulation und die anschließende Entnahme der Eizellen erfordern ein Zeitfenster von circa 2 Wochen vor Beginn der onkologischen Therapie.
Nein, aktuelle Daten zeigen kein erhöhtes Risiko für nicht-hereditäre Krebserkrankungen oder Fehlbildungen bei den Nachkommen.
Da ein Spermiogramm nur eine Momentaufnahme ist, sollte es bei Auffälligkeiten nach 8-10 Wochen wiederholt werden.

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