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Chronische Lymphatische Leukämie (CLL): Leitlinie Onkopedia

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose erfordert ≥ 5.000 klonale B-Lymphozyten/µl im peripheren Blut über mindestens drei Monate.
  • Eine Therapieindikation besteht erst bei symptomatischem Verlauf ('active disease') oder im Stadium Binet C.
  • Vor Therapiebeginn ist zwingend die Bestimmung von del(17p13), TP53-Mutationsstatus und IGHV-Mutationsstatus erforderlich.
  • Die Erstlinientherapie erfolgt heute primär Chemotherapie-frei mit BTK-Inhibitoren (z.B. Acalabrutinib, Zanubrutinib) oder BCL2-Inhibitoren (Venetoclax).
  • Bei genetischem Hochrisiko (del17p/TP53-Mutation) wird präferenziell eine kontinuierliche Therapie mit Zweitgenerations-BTK-Inhibitoren empfohlen.
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Hintergrund

Die Chronische Lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste leukämische Erkrankung in Mitteleuropa. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 70 Jahren. Der Erkrankung geht oft eine klinisch asymptomatische monoklonale B-Zell Lymphozytose (MBL) voraus. Eine antineoplastische Behandlung wird erst bei Symptomen initiiert.

Diagnosekriterien

Nach den iwCLL-Kriterien (2018) müssen für die Diagnose folgende Kriterien erfüllt sein:

KriteriumBeschreibung
B-LymphozytenMindestens 5.000 klonale B-Lymphozyten/µl im peripheren Blut über ≥ 3 Monate
MorphologieVorherrschen kleiner, morphologisch reif wirkender Lymphozyten im Blutausstrich
ImmunphänotypKoexpression der B-Zell-Antigene CD19 und CD23 mit dem T-Zell-Antigen CD5
ZusatzmarkerSchwache oder fehlende Expression von Oberflächenimmunglobulin, CD20 und CD79b
MonoklonalitätLeichtkettenrestriktion (Igκ oder Igλ)

Stadieneinteilung nach Binet

Die Einteilung erfolgt rein klinisch und laborchemisch. Apparative Untersuchungen (CT, Sonografie) sind für die Stadieneinteilung nicht relevant.

StadiumKriterien
AHb ≥ 10 g/dl, Thrombozyten ≥ 100.000/µl, < 3 betroffene Regionen*
BHb ≥ 10 g/dl, Thrombozyten ≥ 100.000/µl, ≥ 3 betroffene Regionen*
CHb < 10 g/dl und/oder Thrombozyten < 100.000/µl

Zu den Regionen (n=5) zählen zervikale, axilläre, inguinale Lymphknotenvergrößerungen sowie Leber- und Milzvergrößerungen.

Prognostische Faktoren und Diagnostik

Vor Einleitung einer Therapie müssen zwingend folgende genetische Untersuchungen erfolgen:

  • del(17p13) mittels FISH
  • TP53-Mutationsanalyse (Sanger Sequenzierung oder NGS)
  • IGHV-Mutationsstatus (nur einmalig zu bestimmen)

Therapieindikation

Eine Therapie erfolgt nicht allein aufgrund der Diagnose (Watch & Wait), sondern erst bei Stadium Binet C oder bei "active disease" (Binet A/B mit Symptomen):

  • Auftreten/Verschlechterung einer Anämie oder Thrombozytopenie
  • Massive (>10 cm), progrediente oder symptomatische Lymphadenopathie
  • Massive (>6 cm unter Rippenbogen), progrediente oder symptomatische Splenomegalie
  • Lymphozytenverdopplungszeit < 6 Monate (bei Ausgangswert >30.000/µl)
  • Auf Standardtherapie refraktäre Autoimmunzytopenie
  • B-Symptomatik: Gewichtsverlust >10% in 6 Monaten, Fieber >38°C >2 Wochen, Nachtschweiß >1 Monat, schwere Fatigue

Erstlinientherapie

Die Therapieauswahl richtet sich nach dem genetischen Risikoprofil, Komorbiditäten (kardial/renal) und Patientenpräferenz. Chemoimmuntherapien sind weitgehend durch zielgerichtete Inhibitoren abgelöst worden.

RisikogruppePräferierte TherapieoptionenBemerkung
Günstig (IGHV mutiert, kein TP53-Defekt)Venetoclax + Obinutuzumab (VenObi)Zeitlich befristet (12 Zyklen). Alternativ: Ibrutinib+Venetoclax, Acalabrutinib+Venetoclax oder kontinuierliche Zweitgenerations-BTKi.
Intermediär (IGHV unmutiert, kein TP53-Defekt)BTKi kontinuierlich (Acalabrutinib, Zanubrutinib) ODER VenObi / Ibrutinib+Venetoclax / Acalabrutinib+VenetoclaxGleichwertige Empfehlung für Dauertherapie oder zeitlich befristete Therapie.
Hochrisiko (del17p / TP53-Mutation)BTKi kontinuierlich (Acalabrutinib, Zanubrutinib)Präferenziell Dauertherapie. Alternativ zeitlich befristete Therapien möglich.

Zweitlinientherapie

Die Wahl der Rezidivtherapie hängt maßgeblich von der Vortherapie ab:

  • Nach Chemoimmuntherapie: Venetoclax + Rituximab (VenR) oder BTKi.
  • Nach BTKi-Vorbehandlung: Venetoclax-basierte Therapie (VenR) oder der nicht-kovalente BTKi Pirtobrutinib (zugelassen nach kovalentem BTKi).
  • Nach Venetoclax-Vorbehandlung: BTK-Inhibitoren.

Komplikationen und Supportive Therapie

  • Infektionen: Häufig durch sekundären Immundefekt. Bei schweren/rezidivierenden Infekten und IgG <4g/l ist eine Immunglobulin-Substitution indiziert.
  • Autoimmunphänomene: Autoimmunhämolytische Anämie (AIHA) und Immunthrombozytopenie (ITP) sind häufig. Therapie primär mit Kortikosteroiden, alternativ anti-CD20-haltige Therapien.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie vor jeder Erstlinientherapie zwingend den TP53- und IGHV-Mutationsstatus. Bei asymptomatischen Patienten im Stadium Binet A oder B ist eine 'Watch & Wait'-Strategie indiziert – behandeln Sie nicht allein den Laborwert.

Häufig gestellte Fragen

Bei Stadium Binet C oder bei 'active disease' (z.B. B-Symptomatik, massive Lymphadenopathie, rasche Lymphozytenverdopplung, symptomatische Splenomegalie).
Zwingend erforderlich sind die Bestimmung von del(17p13) mittels FISH, der TP53-Mutationsstatus und der IGHV-Mutationsstatus.
Sie wurde weitgehend durch zielgerichtete Inhibitoren (BTKi, BCL2i) abgelöst und kommt nur noch in sehr ausgewählten Ausnahmefällen zum Einsatz.
Präferenziell wird eine kontinuierliche Therapie mit einem Zweitgenerations-BTK-Inhibitor (Acalabrutinib oder Zanubrutinib) empfohlen.
Hier kommen Venetoclax-basierte Therapien (z.B. Venetoclax + Rituximab) oder der nicht-kovalente BTK-Inhibitor Pirtobrutinib zum Einsatz.

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