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Odontogene Sinusitis maxillaris: Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die AWMF-Leitlinie definiert die odontogene Sinusitis maxillaris als eine entzündliche Veränderung der Kieferhöhlenschleimhaut, die überwiegend durch zahnmedizinische Behandlungen oder odontogene Infektionen verursacht wird. Meist ist nur eine Seite der Kieferhöhle betroffen.

Als häufigste Ursache wird eine persistierende Mund-Kieferhöhlen-Verbindung, beispielsweise nach einer Zahnentfernung, genannt. Die zweithäufigste Ursache stellt die apikale Parodontitis dar, gefolgt von disloziertem Fremdmaterial wie Wurzelresten, Implantaten oder überstopftem Wurzelkanalfüllmaterial.

Die Häufigkeit dieser Erkrankung wird laut Leitlinie oft unterschätzt und macht etwa 10 bis 40 Prozent aller Fälle einer Sinusitis maxillaris aus. Eine klare Abgrenzung zur klassischen Rhinosinusitis ist für die Wahl der korrekten Therapie entscheidend.

Klinischer Kontext

Epidemiologie: Die odontogene Sinusitis maxillaris macht etwa zehn bis zwölf Prozent aller Kieferhöhlenentzündungen aus. Bei einseitigen Beschwerden liegt der Anteil jedoch deutlich höher und kann bis zu vierzig Prozent betragen. Erwachsene sind aufgrund der kumulativen zahnmedizinischen Eingriffe und Erkrankungen am häufigsten betroffen. Pathophysiologie: Die Wurzeln der Oberkieferprämolaren und -molaren liegen anatomisch sehr nah am Kieferhöhlenboden. Durch apikale Parodontitis, Zahnextraktionen mit Bildung einer Mund-Antrum-Verbindung oder implantologische Eingriffe können orale Erreger in die Kieferhöhle eindringen. Dies führt meist zu einer Mischinfektion mit anaeroben und aeroben Bakterien. Klinische Bedeutung: Diese Form der Sinusitis wird häufig übersehen und primär als rhinogene Infektion fehldiagnostiziert. Ohne die Sanierung des zahnmedizinischen Fokus schlägt eine rein konservative HNO-ärztliche Therapie in der Regel fehl. Diagnostische Grundlagen: Leitsymptome sind oft einseitige Gesichtsschmerzen, eitrige und fötide Nasensekretion sowie Zahnschmerzen. Die Diagnostik stützt sich auf die zahnärztliche Untersuchung inklusive Sensibilitätstests sowie auf bildgebende Verfahren wie die digitale Volumentomographie (DVT) oder Computertomographie zur Darstellung der anatomischen Verhältnisse.

Wissenswertes

Die odontogene Sinusitis präsentiert sich typischerweise einseitig und geht oft mit einem fötiden, also übelriechenden, Nasensekret einher. Zudem können Zahnschmerzen oder eine vorangegangene zahnärztliche Behandlung in der Anamnese richtungsweisend sein.

Es handelt sich meist um polymikrobielle Mischinfektionen, die direkt aus der Mundhöhle stammen. Häufig dominieren Anaerobier wie Peptostreptococcus und Fusobacterium sowie aerobe Streptokokken.

Die digitale Volumentomographie (DVT) oder ein hochauflösendes CT der Nasennebenhöhlen und des Oberkiefers eignen sich am besten. Sie können den dentalen Fokus, wie apikale Läsionen oder Fremdkörper, sowie die knöchernen Strukturen detailliert darstellen.

Solange der dentale Fokus, wie eine infizierte Zahnwurzel oder eine Mund-Antrum-Fistel, nicht saniert wird, bleibt die Infektionsquelle bestehen. Zudem erfassen Standardantibiotika für rhinogene Infekte oft nicht das anaerobe Keimspektrum der Mundflora ausreichend.

Die ersten und zweiten Molaren sowie die zweiten Prämolaren des Oberkiefers sind am häufigsten verantwortlich. Deren Wurzelspitzen haben anatomisch die geringste Distanz zum Kieferhöhlenboden, was einen Durchbruch von Infektionen erleichtert.

Klinisch kann die Verbindung durch den Nasenblasversuch, auch Valsalva-Manöver genannt, oder die vorsichtige Sondierung der Alveole nach einer Zahnextraktion festgestellt werden. Bei einer bestehenden Fistel tritt oft hör- oder sichtbar Luft beziehungsweise Flüssigkeit zwischen Mund- und Nasenhöhle über.

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💡Praxis-Tipp

Als Warnzeichen für gefährliche Verläufe nennt die Leitlinie starke Schmerzen, Gesichtsschwellungen, anhaltendes Fieber, Lethargie und neurologische Symptome. Bei Vorliegen dieser Red Flags oder bei therapierefraktären ambulanten Verläufen wird eine sofortige Überweisung in eine stationäre Einrichtung mit operativer Therapiemöglichkeit empfohlen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine odontogene Sinusitis maxillaris auch vollkommen symptomlos verlaufen kann.

Häufig gestellte Fragen

Die odontogene Sinusitis maxillaris tritt meist streng einseitig auf und ist auf eine dentale Ursache wie eine Zahninfektion oder einen zahnärztlichen Eingriff zurückzuführen. Die Leitlinie betont, dass sie bezüglich der Ätiologie und Therapie klar von der rhinogenen Form abzugrenzen ist.

Als Basisdiagnostik wird eine Panoramaschichtaufnahme oder eine intraorale Röntgenaufnahme empfohlen. Zur genauen Operationsplanung oder bei unklaren Befunden sollte laut Leitlinie ein DVT oder ein Low-Dose-CT herangezogen werden.

Eine antibiotische Therapie ist in der Regel nur bei einer akuten Entzündung, bei Ausbreitungstendenz oder bei immunkompromittierten Patienten erforderlich. Als Mittel der ersten Wahl wird ein Aminopenicillin, gegebenenfalls mit Betalactamaseinhibitor, empfohlen.

Nein, die Leitlinie rät ausdrücklich von einer radikalen Ausräumung der Kieferhöhlenschleimhaut ab. Ebenso soll auf die dauerhafte Entfernung des fazialen Kieferhöhlendeckels verzichtet werden.

Auf die routinemäßige Anwendung mikrobiologischer Testverfahren kann laut Leitlinie verzichtet werden. Da es sich meist um Mischinfektionen mit Anaerobiern handelt, ist die Probengewinnung oft fehleranfällig und ändert selten das therapeutische Vorgehen.

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Quelle: Odontogene Sinusitis maxillaris (AWMF). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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