Arterielle Hypertonie: NVL Leitlinie 2023 (BÄK/KBV/AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Einmaliges Blutdruck-Screening wird für alle Personen ab 18 Jahren empfohlen.
- •Die Diagnose einer Hypertonie erfordert eine Bestätigungsmessung, bevorzugt mittels ambulanter 24h-Blutdruckmessung (ABPM).
- •Zur Basisdiagnostik gehören Laborparameter (u.a. eGFR, Elektrolyte, Urinstatus) sowie ein Ruhe-EKG zum Screening auf Endorganschäden.
- •Der primäre Blutdruck-Zielwert liegt bei < 140/90 mmHg, sollte jedoch anhand von Alter, Komorbiditäten und Lebenserwartung individualisiert werden.
- •Das Monitoring sollte bevorzugt mittels Heimblutdruckmessung erfolgen, mit Kontrollen alle 4-6 Wochen nach Therapieanpassung.
Hintergrund
Die arterielle Hypertonie ist ein wesentlicher kardiovaskulärer Risikofaktor. Ein einmaliges Screening mittels Blutdruckmessung wird für alle Personen ab 18 Jahren empfohlen (Empfehlungsgrad ⇑). Die Einteilung der Schweregrade erfolgt anhand der Praxisblutdruckmessung:
| Kategorie | Systolisch (mmHg) | Diastolisch (mmHg) |
|---|---|---|
| Isolierte systolische Hypertonie | >= 140 | < 90 |
| Hypertonie Grad 1 | 140–159 | 90–99 |
| Hypertonie Grad 2 | 160–179 | 100–109 |
| Hypertonie Grad 3 | >= 180 | >= 110 |
Diagnostik und Grenzwerte
Bei Verdacht auf Hypertonie oder Vorliegen kardiovaskulärer Risikofaktoren erfolgt zunächst eine Praxisblutdruckmessung. Zur Bestätigung der Diagnose soll eine zweite Messung erfolgen, bevorzugt als ambulante 24h-Blutdruckmessung (ABPM) (⇑⇑). Alternativ kann eine Heimblutdruckmessung (HBPM) durchgeführt werden (⇑). Eine erneute Praxisblutdruckmessung nach 3-4 Wochen sollte nicht als alleiniges Messverfahren zum Ausschluss einer Hypertonie herangezogen werden (⇓).
| Messverfahren | Cut-off-Wert (mmHg) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Praxisblutdruck | >= 140/90 | Mittelwert der 2. und 3. Messung |
| Heimblutdruck (HBPM) | >= 135/85 | Mittelwert über 7 Tage |
| 24h-Messung (ABPM) | >= 130/80 (24h-Mittel) | Tag >= 135/85, Nacht >= 120/70 |
Basisdiagnostik und Endorganschäden
Nach Bestätigung der Diagnose soll eine strukturierte Basisdiagnostik erfolgen, um Endorganschäden und kardiovaskuläre Risiken zu erfassen:
- Labor (⇑⇑): Natrium, Kalium, eGFR (Serumkreatinin), Lipidstatus, Nüchternplasmaglukose (ggf. HbA1c), Urinstatus.
- Ruhe-EKG (⇑): Mit 12 Ableitungen für alle Patient*innen.
- Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR): Im Urin bei Erstdiagnose, insbesondere bei chronischer Nierenkrankheit (⇑⇑), aber auch ohne bekannte Nierenkrankheit (⇑).
Sekundäre Hypertonie
Bei bestimmten klinischen Hinweisen soll eine weiterführende Diagnostik zum Ausschluss einer sekundären Hypertonie erfolgen (⇑⇑):
| Verdachtsdiagnose | Klinische Hinweise |
|---|---|
| Phäochromozytom | Tachykardie, Schwitzen, rasche Blutdruck-Eskalation < 40. Lebensjahr |
| Hyperaldosteronismus | Spontane Hypokaliämie, Grad 2/3 bei < 60 Jahren, therapierefraktär |
| Renale Erkrankungen | Hämaturie/Proteinurie, aufgehobener Tag-Nacht-Rhythmus, Erstmanifestation < 30. Lebensjahr |
| Schlafapnoe | Lautes Schnarchen, Atempausen, Tagesmüdigkeit |
| Cushing-Syndrom | Stammbetonte Adipositas, Facies lunata, livide Striae |
Therapieziele
Patientinnen und Ärztinnen sollen gemeinsam individuelle Therapieziele vereinbaren (⇑⇑). Der primäre Zielwert liegt bei < 140/90 mmHg. Abhängig von Alter, Lebenserwartung, Komorbiditäten und Therapieverträglichkeit gilt ein Zielkorridor:
- Minimum: 120/70 mmHg
- Maximum: 160/90 mmHg
Monitoring
Das Monitoring sollte bevorzugt mittels Heimblutdruckmessung (7 Tage vor Termin) plus bestätigender Praxismessung erfolgen (⇑). Obligate Parameter sind Blutdruck und Pulsfrequenz.
- Nach Therapieanpassung: Kontrolle nach 4-6 Wochen.
- Bei Zielerreichung: Jährliche Kontrolle (bei relevanten Komorbiditäten wie Herzinsuffizienz oder Nierenkrankheit alle 3 Monate).
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie zur Bestätigung einer Hypertonie-Diagnose primär die 24h-Blutdruckmessung (ABPM). Eine einzelne unauffällige Praxisblutdruckmessung reicht zum sicheren Ausschluss einer Hypertonie bei bestehendem Verdacht nicht aus.