AWMF

Arterielle Hypertonie: NVL S3-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Hypertonie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung des Bluthochdrucks. Die Erkrankung weist in Deutschland eine hohe Prävalenz auf und ist ein zentraler Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse.

Ein besonderer Fokus der Leitlinie liegt auf der partizipativen Entscheidungsfindung und der Vereinbarung individueller Therapieziele. Dabei werden neben medizinischen Faktoren auch die Lebenssituation und die Präferenzen der Betroffenen berücksichtigt.

Zudem betont die Leitlinie die Wichtigkeit nichtmedikamentöser Maßnahmen als Basistherapie. Die medikamentöse Behandlung soll stadiengerecht und bevorzugt mit Fixkombinationen erfolgen, um die Adhärenz zu fördern.

Empfehlungen

Screening und Diagnostik

Bei Personen ab 18 Jahren sollte laut Leitlinie einmalig der Blutdruck gemessen werden. Bei Werten ≥ 140/90 mmHg in der Praxisblutdruckmessung wird eine Bestätigungsdiagnostik empfohlen.

Als Goldstandard zur Bestätigung empfiehlt die Leitlinie die ambulante 24h-Blutdruckmessung (starke Empfehlung). Alternativ kann eine validierte Heimblutdruckmessung erfolgen.

Zur Basisdiagnostik von Endorganschäden wird bei allen Personen mit bestätigter Hypertonie ein 12-Kanal-Ruhe-EKG empfohlen. Zudem soll laborchemisch die Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) im Urin bestimmt werden, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion.

Therapieziele und Lebensstil

Die Leitlinie empfiehlt, individuelle Blutdruck-Zielwerte gemeinsam zu vereinbaren. Als ideal gilt ein Praxisblutdruck von < 140/90 mmHg.

Bei hohem Alter, Gebrechlichkeit oder Polypharmazie können höhere Zielwerte (bis maximal 160/90 mmHg) toleriert werden.

Als Basistherapie werden folgende nichtmedikamentöse Maßnahmen empfohlen:

  • Reduktion des Salzkonsums auf unter 6 g pro Tag (starke Empfehlung)

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Adipositas

  • Regelmäßige körperliche Aktivität in moderater Intensität (mindestens 2 Stunden pro Woche)

  • Rauchstopp und risikoarmer Alkoholkonsum

Medikamentöse Stufentherapie

Als Wirkstoffklassen der ersten Wahl empfiehlt die Leitlinie ACE-Hemmer (ACEI) oder Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB), Kalziumkanalblocker sowie Thiazid-artige Diuretika. Bei den Diuretika sollten Chlortalidon oder Indapamid bevorzugt werden.

Die Therapiestrategie richtet sich nach dem Schweregrad und dem kardiovaskulären Risiko:

  • Hypertonie Grad 1 mit geringem Risiko: Monotherapie

  • Hypertonie Grad 2/3 oder Grad 1 mit hohem Risiko: Bevorzugt Kombinationstherapie

  • Bei Kombinationstherapie: Bevorzugter Einsatz von Fixkombinationen zur Adhärenzförderung

Therapieresistente Hypertonie

Eine therapieresistente Hypertonie liegt vor, wenn der Zielblutdruck trotz dreier maximal tolerierter Antihypertensiva nicht erreicht wird.

In diesem Fall wird die Zugabe von niedrig dosiertem Spironolacton empfohlen, sofern das Kalium < 4,5 mmol/L und die eGFR > 45 mL/min/1,73m² beträgt. Bei Kontraindikationen kann auf Alpha- oder Betablocker ausgewichen werden.

Dosierung

Die Leitlinie definiert folgende Schweregrade anhand der Praxisblutdruckmessung:

KategorieSystolisch (mmHg)Diastolisch (mmHg)
Hypertonie Grad 1140-15990-99
Hypertonie Grad 2160-179100-109
Hypertonie Grad 3≥ 180≥ 110
Isolierte systolische Hypertonie≥ 140< 90

Für das Management eines hypertensiven Notfalls (Blutdruck > 180/110 mmHg mit akuten Begleitsymptomen) werden folgende intravenöse und orale Optionen genannt:

WirkstoffInitiale DosierungErhaltungsdosisKontraindikationen (Auswahl)
Urapidil (i.v.)12,5-50 mg5-40 mg/hAortenisthmusstenose, arteriovenöser Shunt
Glyceroltrinitrat (s.l.)0,5-1 mg/hmax. 8-10 mg/hErhöhter intrakranieller Druck
Clonidin (p.o., i.v.)0,075 mg0,075 mg pro 12 hInstabile Angina pectoris, AV-Block
Enalaprilat (i.v.)1,25 mg über 5 minbis 5 mg/6 hSchwangerschaft, Myokardinfarkt
Esmolol (i.v.)500-1000 mcg/kg/min50-300 mcg/kg/minDekompensierte Herzinsuffizienz, Bradykardie

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von ACE-Hemmern, Angiotensin-II-Rezeptorblockern (Sartanen) und Renin-Inhibitoren in der Schwangerschaft, da diese fetotoxisch wirken.

Es wird darauf hingewiesen, dass Betablocker bei Asthma bronchiale kontraindiziert sind. Falls unverzichtbar, sollten kardioselektive Betablocker bevorzugt werden.

Die Kombination von ACE-Hemmern mit Angiotensin-II-Rezeptorblockern oder Renin-Inhibitoren wird aufgrund erhöhter Risiken für die Nierenfunktion nicht empfohlen.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie unterscheidet strikt zwischen einer hypertensiven Entgleisung (Blutdruck > 180/110 mmHg ohne akute Begleitsymptome) und einem hypertensiven Notfall. Bei einer Entgleisung wird empfohlen, zunächst 30 Minuten in einer Ruhesituation abzuwarten und kurzwirksame oder sublinguale Medikamente zu vermeiden. Erst bei Persistenz sollte eine moderate orale Blutdrucksenkung erfolgen, während ein echter Notfall mit Endorganschäden eine sofortige Krankenhauseinweisung erfordert.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie gelten Alpha-Methyldopa, Nifedipin und Metoprolol als Wirkstoffe der Wahl bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft. ACE-Hemmer und Sartane sind aufgrund ihrer Fetotoxizität streng kontraindiziert.

Die Leitlinie definiert eine therapieresistente Hypertonie als das Nichterreichen des Zielblutdrucks trotz der Einnahme von drei Antihypertensiva in maximal tolerierter Dosierung. Vor einer Eskalation sollte eine Pseudoresistenz (z. B. durch mangelnde Adhärenz oder Weißkitteleffekt) ausgeschlossen werden.

Es wird empfohlen, thiazidartige Diuretika wie Chlortalidon oder Indapamid einzusetzen. Diese weisen laut Leitlinie eine stärkere und längere Wirksamkeit auf als Hydrochlorothiazid (HCT) in niedriger Dosierung.

Die Leitlinie empfiehlt eine individuelle Zielwertvereinbarung. Bei Gebrechlichkeit, hohem Alter oder Polypharmazie können höhere Zielwerte (bis maximal 160/90 mmHg) akzeptiert werden, um Nebenwirkungen wie Schwindel und Stürze zu vermeiden.

Zur Basisdiagnostik wird die Bestimmung von Natrium, Kalium, eGFR (Serumkreatinin), Lipidstatus und Nüchternblutzucker (ggf. HbA1c) empfohlen. Zudem sollte ein Urinstatus inklusive Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR) erhoben werden.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: S3-Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie (S3) (AWMF). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien