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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Renale Denervation: Zertifizierung von Zentren (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die renale Denervation (RDN) ist indiziert bei therapieresistenter Hypertonie, Medikamentenunverträglichkeit oder mangelnder Adhärenz.
  • Zentren benötigen für die Zertifizierung >25 interventionelle Eingriffe an Nierengefäßen pro Jahr.
  • Vor dem Eingriff müssen sekundäre Hypertonieformen und eine Weißkittelhypertonie (mittels 24-h-Messung) zwingend ausgeschlossen werden.
  • Eine strukturierte Nachsorge nach 3, 6 und 12 Monaten inklusive 24-h-Blutdruckmessung und Nierenarterien-Bildgebung ist obligat.
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Hintergrund

Die arterielle Hypertonie ist ein Hauptrisikofaktor für kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Etwa 10 % der Patienten weisen eine therapieresistente Hypertonie auf (definiert als Blutdruck > 140/90 mmHg trotz antihypertensiver Dreifachtherapie inklusive Diuretikum in maximal tolerierter Dosis). Die renale Denervation (RDN) ist ein katheterbasiertes Verfahren zur selektiven Sympathektomie, das bei diesen Patienten zum Einsatz kommt. Die Zertifizierung von Renalen-Denervations-Zentren (RDZ) durch die Fachgesellschaften (DGK, DHL, DGfN) soll nationale Mindeststandards sichern und die Patientenversorgung optimieren.

Patientenselektion und Indikation

Die RDN ist keine primäre Alternative zur medikamentösen Therapie. Die Indikation erfordert den Ausschluss sekundärer Ursachen und eine strenge Patientenselektion.

IndikationAuszuschließende Faktoren (Kontraindikationen)
Therapieresistente HypertonieSekundäre Hypertonie (z. B. Nierenarterienstenose, Phäochromozytom, Schlafapnoe)
Nachgewiesene MedikamentenunverträglichkeitPseudoresistenz (Weißkittelhypertonie)
Mangelnde TherapieadhärenzEinnahme blutdrucksteigernder Substanzen (z. B. NSAR)

Vor der Intervention muss die bestehende Medikation kritisch geprüft werden (ausreichende Dosierung, synergistische Kombinationen, Einsatz von Aldosteronantagonisten). Die Indikationsstellung sollte idealerweise in einer interdisziplinären Blutdruckkonferenz erfolgen.

Diagnostik vor RDN

Vor dem Eingriff ist eine umfassende Diagnostik zwingend erforderlich:

KategorieObligate Untersuchungen
BlutdruckStandardisierte Praxismessung (Ø aus mind. 3 Messungen), 24-h-Langzeitmessung
LaborElektrolyte, Kreatinin (inkl. eGFR), TSH, kleines Blutbild, Gerinnung, Aldosteron/Renin-Ratio
UrinAlbumin/Kreatinin-Ratio (Spontanurin)
ApparativDoppler-Duplexsonographie der Nierenarterien, Langzeit-EKG

Voraussetzungen für die RDZ-Zertifizierung

Um als RDZ zertifiziert zu werden, müssen Kliniken strenge personelle, räumliche und apparative Kriterien erfüllen.

Personelle und prozedurale Kriterien

  • Erfahrung: Regelmäßig interventionelle Eingriffe an den Nierenarterien (> 25 pro Jahr). Die Fachgesellschaften empfehlen zusätzlich mind. 15 RDN pro Jahr.
  • Qualifikation: Zwei Fachärzte für Kardiologie mit Zertifizierung "Interventionelle Kardiologie" oder Zertifizierung "Interventionelle Radiologie".
  • Sicherheit: Kontinuierliche Überwachung der Vitalparameter, sicherer Umgang mit Analgosedierung, jährliches Notfalltraining.
  • Sonderfälle: Bei eGFR < 30 ml/min/1,73 m² ist die Einbindung eines Nephrologen zwingend.

Räumliche und apparative Kriterien

BereichMinimalanforderungZusätzliche Empfehlung
AngiographieIm Haus, 24/7 verfügbar-
DialyseStändige Verfügbarkeit (Transfer < 60 min)Im Haus, 24/7 verfügbar
IntensivstationIm Haus, 24/7 verfügbar (Transfer max. 15 min)-
GefäßchirurgieKonsiliarischIm Haus, 24/7 verfügbar
BlutdruckmessungMind. 5 validierte Langzeit-GeräteDHL-zertifizierte Geräte

Nachsorge

Eine engmaschige Nachsorge ist zur Evaluation von Sicherheit und Effektivität obligat. Bei Entlassung muss ein Kurzarztbrief mit Handlungs- und Nachsorgeempfehlungen mitgegeben werden.

ZeitpunktErforderliche Maßnahmen
3, 6 und 12 Monate (danach jährlich)Praxis- und 24-h-Blutdruckmessung, Kontrolle der Retentionsparameter, Bildgebung der Nierenarterien
Alle 6 MonateSerum-Kreatinin-Messung

Zusätzlich müssen alle behandelten Patienten in ein einheitliches, bundesweites Register eingeschlossen werden, um Langzeitdaten zu generieren.

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie vor jeder renalen Denervation zwingend eine Weißkittelhypertonie mittels 24-h-Langzeitblutdruckmessung aus und überprüfen Sie den Medikamentenplan auf blutdrucksteigernde Substanzen wie NSAR.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem Blutdruck > 140/90 mmHg trotz antihypertensiver Dreifachtherapie in maximal tolerierter Dosierung unter Einbeziehung eines Diuretikums.
Es müssen regelmäßig interventionelle Eingriffe an den Nierenarterien durchgeführt werden (mindestens 25 pro Jahr). Die Fachgesellschaften empfehlen zusätzlich mindestens 15 renale Denervationen pro Jahr.
Eine Ultraschalldiagnostik (Doppler-Duplexsonographie) der Nierenarterien ist zwingend erforderlich, sofern kein alternatives bildgebendes Verfahren zur Beurteilung der Anatomie eingesetzt wurde.
Kontrolluntersuchungen sind nach 3, 6 und 12 Monaten (anschließend jährlich) gefordert. Diese umfassen Praxis- und 24-h-Blutdruckmessung, Nierenwerte und eine Bildgebung der Nierenarterien.

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