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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

ESC-Leitlinie 2024: Erhöhter Blutdruck & Hypertonie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Einführung der neuen Kategorie 'Erhöhter Blutdruck' (Praxis-Messung: 120-139/70-89 mmHg).
  • Der systolische Zielblutdruck unter medikamentöser Therapie liegt bei 120-129 mmHg.
  • Bevorzugte Nutzung von Langzeit- (ABPM) oder häuslicher Blutdruckmessung (HBPM) zur Diagnosesicherung.
  • Risikostratifizierung mittels SCORE2/SCORE2-OP zur Indikationsstellung einer Pharmakotherapie.
  • Basisdiagnostik umfasst obligatorisch EKG, eGFR, Urin-ACR sowie Stoffwechselparameter.
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Hintergrund

Die ESC/DGK-Leitlinie 2024 bringt einen Paradigmenwechsel im Management der arteriellen Hypertonie. Das kardiovaskuläre Risiko (CVD-Risiko) steigt auf einer kontinuierlichen Skala, weshalb die neue Kategorie "Erhöhter Blutdruck" eingeführt wurde. Ein zentrales neues Behandlungsziel ist ein systolischer Blutdruck von 120–129 mmHg für Erwachsene unter medikamentöser Therapie. Empfehlungen der Klasse I für Medikamente setzen nun einen belegten Nutzen für kardiovaskuläre Endpunkte voraus.

Definition und Klassifikation

Die Diagnose erfordert eine Bestätigung durch ambulante Messungen (HBPM oder ABPM) oder wiederholte Praxismessungen.

KategoriePraxis-Messung (mmHg)Häusliche Messung (HBPM)24h-Langzeit (ABPM)
Nicht-erhöhter Blutdruck< 120/70< 120/70< 115/65
Erhöhter Blutdruck120/70 – < 140/90120/70 – < 135/85115/65 – < 130/80
Hypertonie≥ 140/90≥ 135/85≥ 130/80

Blutdruckmessung in der Praxis

  • Validierte Geräte: Nur klinisch validierte Geräte verwenden (Klasse I).
  • Seitenvergleich: Bei Erstvorstellung an beiden Armen messen. Bei einer Differenz > 10 mmHg systolisch (assoziiert mit erhöhtem CVD-Risiko) künftig den Arm mit dem höheren Wert nutzen (Klasse I).
  • Orthostase-Test: Bei Erstdiagnose und Symptomen Blutdruckabfall (systolisch ≥ 20 mmHg / diastolisch ≥ 10 mmHg) nach 1 und 3 Minuten Stehen prüfen (Klasse IIa).
  • Puls tasten: Bei jeder Messung Ruhepuls tasten, um Arrhythmien (z. B. Vorhofflimmern) zu erkennen (Klasse I).

Risikostratifizierung und Therapieindikation

Ein risikobasierter Ansatz wird empfohlen (Klasse I). Eine medikamentöse Therapie bei "Erhöhtem Blutdruck" ist indiziert bei:

  • Direkten Hochrisikokonstellationen: Manifeste CVD, mäßige/schwere chronische Nierenerkrankung (CKD), Hypertonie-bedingte Organschäden (HMOD), Diabetes mellitus oder familiäre Hypercholesterinämie.
  • SCORE2 / SCORE2-OP: Bei einem 10-Jahres-CVD-Risiko von ≥ 10 % (Klasse I).
  • Graubereich (5 bis < 10 % Risiko): Berücksichtigung von Risikomodifikatoren (z. B. Schwangerschaftskomplikationen, Autoimmunerkrankungen, sozioökonomische Faktoren) oder erweiterter Diagnostik (Koronarkalk-Score, Carotis-Plaque, NT-proBNP) zur gemeinsamen Entscheidungsfindung (Klasse IIb).

Basisdiagnostik und HMOD-Screening

Zur Erstbewertung von Patienten mit erhöhtem Blutdruck oder Hypertonie werden folgende Routineuntersuchungen empfohlen:

UntersuchungKlinischer Nutzen
Nüchternblutzucker / HbA1cBewertung CVD-Risiko und Komorbiditäten
Serumlipide (Gesamt, LDL, HDL, Triglyceride)Bewertung CVD-Risiko
Na, K, Hb/Hkt, Ca, TSHScreening auf sekundäre Hypertonie
Kreatinin, eGFR, Urin-ACRBewertung CVD-Risiko, HMOD und Nierenfunktion (Klasse I)
12-Kanal-EKGBeurteilung HMOD (LVH, Vorhofflimmern) (Klasse I)

Spezifische Kriterien für Hypertonie-bedingte Organschäden (HMOD) umfassen unter anderem:

  • Niere: eGFR < 60 ml/min/1,73 m² oder Albuminurie ≥ 30 mg/g.
  • Herz: Linksventrikuläre Hypertrophie (LVH) im EKG (z. B. Sokolow-Lyon) oder in der Echokardiographie.
  • Arterien: Carotis-Femoral-Pulswellengeschwindigkeit (PWV) > 10 m/s oder Koronarkalk-Score > 100.

Resistente Hypertonie

Eine resistente Hypertonie liegt vor, wenn der Blutdruck trotz folgender Maßnahmen nicht im Zielbereich (< 140/90 mmHg Praxisblutdruck) ist:

  • Geeignete Lebensstilmodifikationen
  • Maximale oder maximal verträgliche Dosis einer Dreifachtherapie (Diuretikum, RAS-Blocker, Kalziumkanalblocker)
  • Bestätigung der unkontrollierten Werte durch HBPM oder ABPM

Wichtig: Eine Pseudo-Resistenz (z. B. durch Non-Adhärenz oder Weißkitteleffekt) muss zwingend ausgeschlossen werden. Bei Verdacht auf resistente Hypertonie sollte eine Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum erwogen werden (Klasse IIa).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie zur Diagnosesicherung bevorzugt die Langzeit- oder häusliche Blutdruckmessung, um eine Weißkittel- oder maskierte Hypertonie sicher auszuschließen. Messen Sie bei Erstvorstellung zwingend an beiden Armen.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer Praxismessung von 120-139 mmHg systolisch oder 70-89 mmHg diastolisch.
Bei Erwachsenen, die blutdrucksenkende Medikamente erhalten, wird ein systolischer Zielwert von 120-129 mmHg angestrebt.
Bei einem 10-Jahres-CVD-Risiko von ≥ 10 % (SCORE2/SCORE2-OP) oder bei Vorliegen von CVD, CKD, HMOD, Diabetes oder familiärer Hypercholesterinämie.
Fehlende Blutdruckkontrolle trotz Lebensstilmodifikation und Dreifachtherapie (Diuretikum, RAS-Blocker, Kalziumkanalblocker) in maximal tolerierter Dosis, bestätigt durch ABPM/HBPM.

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