Nierenersatztherapie: Indikation und Verfahrenswahl
Hintergrund
Die Nierenersatztherapie (NET) ist neben der maschinellen Beatmung das wichtigste Organersatzverfahren für kritisch kranke Patienten in der Intensivmedizin. Die vorliegende AWMF-S3-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen für erwachsene Intensivpatienten mit akuter Nierenschädigung (AKI).
Ein besonderer Fokus liegt auf der optimalen Verfahrenswahl, der Antikoagulation sowie der Anpassung der Pharmakotherapie. Patienten mit einer bereits bestehenden chronischen Dialysepflichtigkeit werden in dieser Leitlinie nicht behandelt.
Zudem werden klare Kriterien für den Start sowie für die erfolgreiche Beendigung (Weaning) einer extrakorporalen Nierenersatztherapie definiert. Die Peritonealdialyse wird für erwachsene Intensivpatienten in diesem Dokument nicht thematisiert.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die alleinige Betrachtung von Retentionsparametern wie Kreatinin oder Harnstoff nicht ausreichend, um den Start einer Nierenersatztherapie zu rechtfertigen. Es wird betont, dass die Entscheidung immer in Zusammenschau mit der klinischen Symptomatik, wie etwa einer Überwässerung oder schweren Azidose, getroffen werden sollte. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Startdosis von Antiinfektiva bei dialysepflichtigen Patienten nicht reduziert werden darf, um eine gefährliche Unterdosierung zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt einen sofortigen Start bei lebensbedrohlichen Entgleisungen wie therapieresistenter Hyperkaliämie, schwerer Azidose oder Volumenüberladung. Bei unklarer Indikation ohne lebensbedrohliche Klinik kann zunächst abgewartet und konservativ therapiert werden.
Laut Leitlinie können bei septischen Patienten kontinuierliche (CRRT) und intermittierende (IHD) Verfahren sowie Diffusion und Konvektion gleichermaßen eingesetzt werden. Eine hochvolumige Hämofiltration wird bei Sepsis ausdrücklich nicht empfohlen.
Es wird eine Dosis von 20 bis 25 ml/kg/h über die geplante Behandlungsdauer empfohlen. Die tatsächlich verabreichte Dosis sollte täglich protokolliert und an die klinische Effektivität angepasst werden.
Die spontane Diuresemenge gilt als bester prädiktiver Marker für ein erfolgreiches Weaning. Als Orientierungswert für einen Auslassversuch nennt die Leitlinie eine Urinausscheidung von 300 bis 600 ml pro Tag ohne Diuretika.
Die Leitlinie empfiehlt, die Startdosis nicht zu reduzieren und als Kurzinfusion zu verabreichen, um das Verteilungsvolumen aufzusättigen. Für die Erhaltungsdosis sollte idealerweise ein Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) genutzt werden.
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Quelle: Nierenersatztherapie in der Intensivmedizin (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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