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Sepsis & Septischer Schock: S3-Leitlinie 2025 (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF / DSG / DGAI / DIVI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Sepsis ist definiert als lebensbedrohliche Organdysfunktion (SOFA-Anstieg ≥ 2) durch eine Infektion.
  • Laktatmessung und Blutkulturen (mind. 2 Sets) müssen vor Beginn der antiinfektiven Therapie erfolgen.
  • Intravenöse Antiinfektiva sollen bei septischem Schock innerhalb von 1 Stunde, bei Sepsis innerhalb von 3 Stunden verabreicht werden.
  • Initiale Volumentherapie mit 30 ml/kg Kristalloiden in den ersten 3 Stunden; Ziel-MAP liegt bei ≥ 65 mmHg.
  • Vasopressoren (Noradrenalin) können initial periphervenös verabreicht werden, um Zeitverzug zu vermeiden.
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Hintergrund

Die Sepsis ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine unverzügliche Diagnostik und Therapie. Die S3-Leitlinie (Update 2025) aktualisiert die Empfehlungen basierend auf den Sepsis-3-Kriterien.

BegriffDefinitionKriterien
SepsisAkut lebensbedrohliche Organdysfunktion durch inadäquate Wirtsantwort auf eine Infektion.Anstieg des SOFA-Scores um ≥ 2 Punkte.
Septischer SchockUntergruppe der Sepsis mit zellulären/metabolischen Anomalien und signifikant erhöhter Mortalität.Persistierende Hypotension trotz adäquater Volumentherapie, Vasopressorbedarf für MAP ≥ 65 mmHg UND Laktat > 2 mmol/l.

Screening und Diagnostik

Krankenhäuser sollen ein Sepsis-Screening für Hochrisikopatienten etablieren. Bei Verdacht auf Sepsis wird die Messung des Laktats im Blut (Empfehlungsgrad: stark) empfohlen.

  • Vor Beginn der Antibiotikatherapie mindestens 2 Blutkultur-Sets entnehmen.
  • Weitere Proben (Urin, Atemwegssekret, etc.) gewinnen, sofern dies die Therapie nicht verzögert.
  • Ein einzelnes Screening-Tool (wie qSOFA) reicht oft nicht aus; Kombinationen (z. B. SIRS + qSOFA oder NEWS2) werden vorgeschlagen.

Initiale hämodynamische Stabilisierung

Die Therapie muss unverzüglich beginnen.

MaßnahmeEmpfehlung / ZielwertBemerkung
Volumentherapie30 ml/kg kristalloide Lösung in den ersten 3 StundenBei Sepsis-induzierter Hypoperfusion oder Schock.
Ziel-BlutdruckMAP ≥ 65 mmHgStarke Empfehlung. Höhere Werte zeigen keinen Überlebensvorteil.
VasopressorenFrühzeitige Gabe, auch periphervenösUm den MAP schnell auf ≥ 65 mmHg anzuheben, nicht auf ZVK-Anlage warten.

Steuerung der Flüssigkeitstherapie

Nach dem initialen Bolus soll die weitere Flüssigkeitsgabe streng evaluiert werden:

  • Steuerung durch dynamische Variablen (z. B. Schlagvolumenvariation, passiver Beinhebeversuch) anstelle von statischen.
  • Nutzung der Rekapillarisierungszeit und Laktat-Clearance zur Beurteilung der Gewebeperfusion.
  • Echokardiographie zur Beurteilung von Herzfunktion und Volumenstatus.
  • Keine Gelatine verwenden. Albumin kann additiv zu Kristalloiden gegeben werden, wenn große Mengen benötigt werden.

Antimikrobielle Therapie

Der Zeitpunkt der Antiinfektiva-Gabe ist prognostisch entscheidend:

  • Septischer Schock: Intravenöse Antiinfektiva idealerweise innerhalb von 1 Stunde (Empfehlungsgrad: stark).
  • Sepsis ohne Schock: Nach zeitnaher Diagnostik Gabe innerhalb von 3 Stunden (Expertenkonsens).
  • Wahl der Therapie: Breitspektrum-Therapie, die alle wesentlichen Bakterien erfasst.
  • Applikationsform: Beta-Laktam-Antibiotika sollen als prolongierte oder kontinuierliche Infusion (nach initialem Bolus) verabreicht werden (Empfehlungsgrad: stark).
  • Kombinationstherapie: Keine routinemäßige "double gram-negative coverage" bei niedrigem Risiko für multiresistente Erreger.

Weitere intensivmedizinische Maßnahmen

Beatmung (ARDS bei Sepsis)

  • Tidalvolumen: ca. 6 ml/kg IBW (4-8 ml/kg IBW).
  • Inspiratorische Druckdifferenz: ≤ 14 cmH2O.
  • Oxygenierung: Ziel-SpO2 von 92-96 % bzw. paO2 70-90 mmHg.
  • Bauchlagerung: Mindestens 12 Stunden, vorzugsweise 16 Stunden (Empfehlungsgrad: stark).
  • Rekrutierungsmanöver: Keine prolongierten Manöver (> 60 s).

Nierenersatztherapie & Stoffwechsel

  • Unverzüglicher Start bei lebensbedrohlichen Veränderungen (Säure-Basen, Elektrolyte, Überwässerung).
  • Dosis: 20-25 ml/kg/h für kontinuierliche Verfahren.
  • Blutzucker: Insulintherapie ab Werten ≥ 180 mg/dl (≥ 10 mmol/l).
  • Stressulkusprophylaxe: Mit Protonenpumpeninhibitoren bei Vorliegen von Risikofaktoren.

Adjuvante Therapien

TherapieEmpfehlungIndikation / Bemerkung
KortikosteroideHydrocortison (200 mg/d) +/- FludrocortisonBei anhaltendem Vasopressorbedarf (Noradrenalin ≥ 0,25 µg/kg/min für > 4h).
ThromboseprophylaxeNiedermolekulares Heparin (NMH)Starke Empfehlung zur VTE-Prophylaxe.
BlutreinigungNicht empfohlenKeine unselektiven Adsorptionsverfahren einsetzen.
Vitamin CNicht empfohlenHochdosiertes Vitamin C soll nicht verwendet werden.

Nachsorge

Sepsis-Überlebende haben ein hohes Risiko für das Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS). Im Entlassbericht muss auf diese Möglichkeit hingewiesen werden, und Patienten sollen über Selbsthilfegruppen informiert werden.

💡Praxis-Tipp

Warten Sie bei einem septischen Schock nicht auf die Anlage eines zentralvenösen Katheters (ZVK). Beginnen Sie die Vasopressortherapie (Noradrenalin) frühzeitig über einen großlumigen peripheren Zugang, um den Ziel-MAP von ≥ 65 mmHg schnellstmöglich zu erreichen.

Häufig gestellte Fragen

Eine Sepsis liegt vor bei einer akut lebensbedrohlichen Organdysfunktion (definiert als SOFA-Score-Anstieg um ≥ 2 Punkte), die durch eine inadäquate Wirtsantwort auf eine Infektion ausgelöst wird.
Als Richtwert werden 30 ml/kg Körpergewicht an kristalloiden Lösungen innerhalb der ersten 3 Stunden empfohlen.
Bei einem septischen Schock idealerweise innerhalb von 1 Stunde. Bei einer Sepsis ohne Schocksymptomatik sollte sie nach Abschluss der Basisdiagnostik innerhalb von 3 Stunden erfolgen.
Das Ziel ist ein mittlerer arterieller Druck (MAP) von mindestens 65 mmHg. Höhere Zielwerte bringen keinen Überlebensvorteil.
Ja, Hydrocortison (200 mg/d) wird empfohlen, wenn trotz ausreichender Volumengabe ein anhaltender Vasopressorbedarf (Noradrenalin ≥ 0,25 µg/kg/min über mind. 4 Stunden) besteht.

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