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Synkope und TLoC: Leitlinie zur Abklärung (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Jeder Patient mit einer transienten Bewusstlosigkeit (TLoC) benötigt ein 12-Kanal-EKG.
  • Red Flags wie Synkopen unter Belastung oder EKG-Anomalien erfordern eine kardiologische Vorstellung innerhalb von 24 Stunden.
  • Bei Verdacht auf Epilepsie (z.B. durch Zungenbiss oder postiktale Verwirrtheit) muss eine neurologische Vorstellung binnen 2 Wochen erfolgen.
  • Die Auswahl des Langzeit-EKGs (Holter vs. Event-Rekorder) richtet sich nach der Häufigkeit der Synkopen.
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Hintergrund

Die transiente Bewusstlosigkeit (TLoC, umgangssprachlich Synkope oder "Blackout") ist ein häufiges Symptom. Die NICE-Leitlinie bietet einen strukturierten Algorithmus zur initialen Beurteilung, Diagnostik und Überweisung von Erwachsenen (ab 16 Jahren), um kardiale, reflexvermittelte und neurologische Ursachen sicher zu differenzieren und gefährliche Verläufe abzuwenden.

Initiale Beurteilung

Die Anamnese (inklusive Fremdanamnese durch Zeugen) ist essenziell. Es müssen Umstände, Prodromi, das Aussehen während des Ereignisses und die Erholungsphase detailliert dokumentiert werden.

Jeder Patient mit TLoC benötigt ein 12-Kanal-EKG (bevorzugt mit automatisierter Auswertung).

Red Flags (Dringliche Überweisung)

Patienten mit bestimmten Warnzeichen müssen innerhalb von 24 Stunden kardiologisch vorgestellt und beurteilt werden:

Red FlagKriterium / Beschreibung
EKG-AnomalienÜberleitungsstörungen, langes/kurzes QT-Intervall, ST-/T-Wellen-Veränderungen
HerzinsuffizienzBekannte Anamnese oder klinische Zeichen
BelastungSynkope während körperlicher Anstrengung
FamilienanamnesePlötzlicher Herztod bei Verwandten <40 Jahre oder erbliche Herzerkrankungen
BegleitsymptomeNeue oder unerklärliche Atemnot, Herzgeräusch

Bemerkung: Bei Patienten >65 Jahre ohne Prodromi sollte eine Überweisung binnen 24 Stunden ebenfalls erwogen werden.

Differenzialdiagnosen der Synkope

DiagnoseTypische Merkmale
Unkomplizierte Synkope (vasovagal)Die 3 "P"s: Posture (langes Stehen), Provoking factors (Schmerz, med. Prozedur), Prodromal symptoms (Schwitzen, Hitzegefühl)
Situative SynkopeEindeutig provoziert durch Miktion, Husten oder Schlucken
Orthostatische HypotensionTypische Anamnese, Bestätigung durch Blutdruckmessung (Liegend/Stehend)
EpilepsieZungenbiss (seitlich), Kopfwendung, ungewöhnliche Körperhaltung, prolongierte Zuckungen, postiktale Verwirrtheit, Déjà-vu/Jamais-vu

Spezifische Diagnostik nach Synkopen-Typ

  • Verdacht auf Epilepsie: Vorstellung beim Spezialisten innerhalb von 2 Wochen. Ein EEG ist nicht routinemäßig zur Abklärung einer unklaren TLoC indiziert.
  • Belastungsinduzierte Synkope: Tritt sie während der Belastung auf, ist ein dringendes Belastungs-EKG (<7 Tage) indiziert. Tritt sie erst nach der Belastung auf, ist sie eher vasovagal bedingt.
  • Verdacht auf kardiale Arrhythmie: Ein Kipptischversuch ist hierbei nicht als Erstlinien-Diagnostik indiziert. Die Wahl des Langzeit-EKGs richtet sich nach der Frequenz der Ereignisse:
Frequenz der SynkopenEmpfohlene EKG-DiagnostikBemerkung
Mehrmals pro WocheHolter-EKG (bis zu 48h)Bei Erfolglosigkeit Wechsel auf externen Event-Rekorder
Alle 1-2 WochenExterner Event-RekorderBei Erfolglosigkeit Wechsel auf implantierbaren Rekorder
Seltener als alle 2 WochenImplantierbarer Event-RekorderHolter-EKG hier nur bei Überleitungsstörungen im Ruhe-EKG
  • Ungeklärte Synkope (>60 Jahre) oder Verdacht auf Karotissinus-Syndrom: Karotissinus-Massage als Erstlinien-Untersuchung (unter EKG- und RR-Monitoring sowie Reanimationsbereitschaft).

Fahrverbot und Aufklärung

Patienten dürfen bis zur fachärztlichen Abklärung kein Kraftfahrzeug führen. Die Patienten sind über mögliche Auslöser, Vermeidungsstrategien und die Prognose aufzuklären. Bei unklaren Diagnosen sollten Patienten oder Angehörige angewiesen werden, zukünftige Ereignisse per Video zu dokumentieren.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die 3 'P's (Posture, Provoking factors, Prodromal symptoms) zur schnellen klinischen Diagnose der unkomplizierten vasovagalen Synkope. Führen Sie bei jeder unklaren Synkope zwingend ein 12-Kanal-EKG durch.

Häufig gestellte Fragen

Innerhalb von 24 Stunden bei EKG-Anomalien, Herzinsuffizienz, Synkope unter Belastung, positiver Familienanamnese für plötzlichen Herztod (<40 Jahre) oder neuem Herzgeräusch.
Bei Synkopen, die seltener als alle 2 Wochen auftreten, wird primär ein implantierbarer Event-Rekorder (Loop-Rekorder) empfohlen.
Nein, ein EEG sollte nicht routinemäßig zur Untersuchung einer transienten Bewusstlosigkeit (TLoC) eingesetzt werden, es sei denn, es besteht ein hochgradiger Verdacht auf Epilepsie.
Nein, Patienten dürfen nicht fahren, während sie auf eine fachärztliche Beurteilung warten. Danach gelten die spezifischen Fahreignungsrichtlinien.

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