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NICEA2022Neurologie

Epilepsie-Leitlinie (NICE): Diagnostik und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Dringliche Ueberweisung (innerhalb von 2 Wochen) nach dem ersten Verdachtsanfall oder bei Rezidiv nach Remission.
  • Ein 12-Kanal-EKG wird nach dem ersten Anfall empfohlen; ein EEG darf eine Epilepsie nicht ausschliessen.
  • MRT ist der Standard fuer die Bildgebung, ausser bei idiopathischer generalisierter oder selbstlimitierender Epilepsie.
  • Monotherapie ist die bevorzugte Behandlungsstrategie; Valproat unterliegt strengen Sicherheitsauflagen.
  • Die Wahl des Antiepileptikums richtet sich spezifisch nach der Anfallsart (z. B. Ethosuximid bei Absencen).
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Hintergrund

Die Epilepsie erfordert eine praezise Diagnostik und eine individuell abgestimmte Therapie. Die vorliegende NICE-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Beurteilung nach einem Erstanfall, zur Diagnostik sowie zur medikamentoesen Behandlung verschiedener Anfallsarten und Epilepsiesyndrome bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Diagnostik und Assessment

Nach einem ersten Verdachtsanfall oder einem Rezidiv nach Remission muss dringlich (innerhalb von 2 Wochen) eine Ueberweisung an einen Spezialisten erfolgen.

MassnahmeIndikationKernaussage
12-Kanal-EKGNach jedem ersten VerdachtsanfallDient dem Ausschluss kardialer Ursachen, die einen Anfall imitieren koennten.
EEGBei Verdacht auf epileptischen AnfallDarf nicht zum Ausschluss einer Epilepsie verwendet werden. Idealerweise innerhalb von 72 Stunden durchfuehren.
MRTStandard-BildgebungIndiziert fuer alle, ausser bei idiopathischer generalisierter Epilepsie oder selbstlimitierender Epilepsie mit zentrotemporalen Spikes.
GenetikUnklare AetiologieErwaegung einer Whole-Genome-Sequencing bei Beginn <2 Jahren oder spezifischen klinischen Merkmalen.

Therapieprinzipien

Die Behandlung sollte idealerweise als Monotherapie erfolgen. Wenn die erste Wahl nicht wirksam ist, sollte eine alternative Monotherapie versucht werden, bevor eine Kombinationstherapie (Add-on) erwogen wird.

  • Start der Therapie: Nach gesicherter Diagnose. Nach einem ersten unprovozierten Anfall kann eine Therapie erwogen werden, wenn neurologische Defizite, eindeutige EEG-Veraenderungen oder strukturelle MRT-Anomalien vorliegen.
  • Beendigung: Kann nach 2 Jahren Anfallsfreiheit basierend auf einer individuellen Risikobewertung erwogen werden. Das Ausschleichen sollte schrittweise ueber mindestens 3 Monate erfolgen.

Medikamentoese Therapie nach Anfallsart

Die Wahl des Antiepileptikums richtet sich nach der spezifischen Anfallsart:

Anfallsart1. Wahl (Monotherapie)2. Wahl / Add-on
Generalisierte tonisch-klonische AnfaelleLamotrigin, Levetiracetam, ValproatClobazam, Perampanel, Topiramat
Fokale AnfaelleLamotrigin, LevetiracetamCarbamazepin, Oxcarbazepin, Zonisamid
AbsencenEthosuximidLamotrigin, Levetiracetam, Valproat
Myoklonische AnfaelleLevetiracetam, ValproatBrivaracetam, Clobazam, Clonazepam
Tonische oder atonische AnfaelleLamotrigin, ValproatClobazam, Rufinamid, Topiramat
Idiopathische generalisierte EpilepsienLamotrigin, Levetiracetam, ValproatPerampanel, Topiramat

Spezielle Epilepsiesyndrome im Kindesalter

Syndrom1. WahlBemerkung
Dravet-SyndromValproatBei Versagen: Triple-Therapie (Valproat + Stiripentol + Clobazam).
Lennox-Gastaut-SyndromValproat2. Wahl: Lamotrigin.
BNS-Epilepsie (Infantile Spasmen)Prednisolon + VigabatrinDringliche Ueberweisung (<24h) an paediatrischen Neurologen.
Selbstlimitierende Epilepsie (zentrotemporale Spikes)Lamotrigin, LevetiracetamTherapieentscheidung individuell mit Eltern/Kind abwaegen.

Sicherheit und Monitoring

Besondere Vorsicht ist bei der Verordnung von Valproat und Topiramat geboten:

  • Valproat bei unter 55-Jaehrigen: Darf nur neu angesetzt werden, wenn zwei Spezialisten dokumentieren, dass keine andere Therapie wirksam oder tolerabel ist.
  • Frauen im gebaerfaehigen Alter: Valproat und Topiramat duerfen nur unter Einhaltung eines Schwangerschaftsverhuetungsprogramms verordnet werden.
  • Maenner: Bei Kinderwunsch innerhalb des naechsten Jahres unter Valproat ist eine Ueberweisung an einen Spezialisten zur Ueberpruefung der Medikation erforderlich.
  • Knochengesundheit: Langzeittherapien (z. B. mit Carbamazepin, Phenytoin, Valproat) erhoehen das Risiko fuer Osteomalazie. Vitamin-D- und Calcium-Substitution erwaegen.

Regelmaessige (mindestens jaehrliche) Reviews sind fuer Patienten mit Lernbehinderungen, medikamentenresistenter Epilepsie oder hohem SUDEP-Risiko (Sudden Unexpected Death in Epilepsy) obligatorisch.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie nach einem ersten Verdachtsanfall immer ein 12-Kanal-EKG durch, um kardiale Synkopen auszuschließen, und nutzen Sie das EEG niemals zum Ausschluss einer Epilepsie.

Häufig gestellte Fragen

Dringlich innerhalb von 2 Wochen an einen Spezialisten fuer Epilepsie.
Ein MRT ist der Standard, ausser bei idiopathischer generalisierter Epilepsie oder selbstlimitierender Epilepsie mit zentrotemporalen Spikes.
Lamotrigin oder Levetiracetam als Monotherapie.
Bei Personen unter 55 Jahren nur, wenn zwei Spezialisten dies dokumentieren und keine andere Therapie wirksam/tolerabel ist. Bei Frauen im gebaerfaehigen Alter nur mit Schwangerschaftsverhuetungsprogramm.
Eine Beendigung kann erwogen werden, wenn der Patient seit 2 Jahren anfallsfrei ist, basierend auf einer individuellen Risikobewertung.

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