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Wundinfektionen (SSI): NICE-Leitlinie zur Prävention

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Haarentfernung sollte nicht routinemäßig erfolgen; falls nötig, sind elektrische Clipper am OP-Tag zu verwenden (keine Rasierer).
  • Alkoholische Chlorhexidin-Lösung ist die erste Wahl für die präoperative Hautantiseptik.
  • Eine Antibiotikaprophylaxe ist bei sauberen Eingriffen mit Implantat sowie bei kontaminierten Operationen indiziert.
  • Wundspülungen oder intrakavitäre Lavagen zur SSI-Prävention werden nicht empfohlen.
  • Duschen ist für Patienten bereits 48 Stunden nach der Operation sicher möglich.
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Hintergrund

Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) machen einen erheblichen Anteil nosokomialer Infektionen aus und entstehen meist durch die Kontamination der Inzision mit der körpereigenen Flora des Patienten während der Operation. Die aktuelle NICE-Leitlinie liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Prävention in der prä-, intra- und postoperativen Phase.

Präoperative Phase

Körperreinigung und Dekolonisierung

  • Duschen: Patienten sollten am Tag vor oder am Tag der Operation mit Seife duschen oder baden.
  • Nasale Dekolonisierung: Bei Eingriffen mit hohem Risiko für Staphylococcus aureus-Infektionen sollte eine Kombination aus nasaler Mupirocin-Salbe und Chlorhexidin-Körperwaschung erwogen werden.

Haarentfernung

Eine routinemäßige Haarentfernung zur Reduktion des SSI-Risikos wird nicht empfohlen.

  • Falls eine Haarentfernung zwingend erforderlich ist, dürfen keine Rasierer verwendet werden, da diese das Infektionsrisiko erhöhen.
  • Es sind ausschließlich elektrische Clipper mit Einwegköpfen am Tag der Operation zu verwenden.

Antibiotikaprophylaxe

Die Indikation zur Antibiotikaprophylaxe richtet sich nach der Wundklassifikation:

OP-KategorieAntibiotikaprophylaxeBemerkung
Saubere OP ohne ImplantatNicht empfohlenKeine routinemäßige Prophylaxe
Saubere OP mit Implantat/ProtheseIndiziertEinzeldosis i.v. bei Narkoseeinleitung
Sauber-kontaminierte OPIndiziertEinzeldosis i.v. bei Narkoseeinleitung
Kontaminierte OPIndiziertEinzeldosis i.v. bei Narkoseeinleitung
Schmutzige/infizierte WundeTherapie erforderlichTherapeutische Antibiose zusätzlich zur Prophylaxe

Hinweis: Bei Operationen, die länger als die Halbwertszeit des verwendeten Antibiotikums dauern, muss eine Wiederholungsdosis gegeben werden.

Intraoperative Phase

Hautantiseptik

Die Hautpräparation erfolgt unmittelbar vor der Inzision. Die Wahl des Antiseptikums richtet sich nach der Lokalisation und möglichen Kontraindikationen:

SituationWahl des Antiseptikums
1. Wahl (Standard)Alkoholische Chlorhexidin-Lösung
Nähe zu SchleimhäutenWässrige Chlorhexidin-Lösung
Chlorhexidin kontraindiziertAlkoholische Povidon-Iod-Lösung
Alkohol & Chlorhexidin ungeeignetWässrige Povidon-Iod-Lösung

Vorsicht: Bei Frühgeborenen besteht ein erhöhtes Risiko für schwere Verätzungen durch Chlorhexidin.

Abdeckfolien (Incise Drapes)

  • Nicht-iodhaltige Inzisionsfolien sollen nicht routinemäßig verwendet werden, da sie das SSI-Risiko erhöhen können.
  • Wenn eine Folie benötigt wird, ist eine iod-imprägnierte Folie zu wählen (außer bei Iod-Allergie).

Homöostase und Operationstechnik

  • Diathermie: Darf nicht für die chirurgische Inzision verwendet werden, um das SSI-Risiko zu senken.
  • Oxygenierung: Während großer Operationen und in der Aufwachphase ist eine Hämoglobinsättigung von >95 % aufrechtzuerhalten.
  • Wundspülung: Wundirrigationen und intrakavitäre Lavagen werden zur SSI-Prävention nicht empfohlen.

Wundverschluss

  • Nahtmaterial: Die Verwendung von antimikrobiellen (Triclosan-beschichteten) Nähten sollte erwogen werden, insbesondere in der Kinderchirurgie.
  • Sectio caesarea: Zum Hautverschluss sollten Nähte anstelle von Klammern (Staples) erwogen werden, um das Risiko einer Wunddehiszenz zu reduzieren.
  • Topische Antibiotika/Antiseptika: Dürfen vor dem Wundverschluss nur im Rahmen klinischer Studien angewendet werden (Ausnahme: Gentamicin-Kollagen-Implantate in der Herzchirurgie).

Postoperative Phase

Verbandswechsel und Wundreinigung

  • Verbandswechsel müssen in aseptischer Non-Touch-Technik erfolgen.
  • Bis 48 Stunden postoperativ: Wundreinigung ausschließlich mit steriler Kochsalzlösung.
  • Ab 48 Stunden postoperativ: Patienten dürfen sicher duschen. Zur Wundreinigung kann Leitungswasser verwendet werden, falls die Wunde dehiszent ist oder chirurgisch eröffnet wurde.

Wundheilung

  • Primäre Wundheilung: Keine topischen antimikrobiellen Wirkstoffe verwenden.
  • Sekundäre Wundheilung: Keine Eusol-Gaze, feuchte Baumwollgaze oder quecksilberhaltige Antiseptika verwenden. Stattdessen sind geeignete interaktive Wundauflagen zu wählen.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur präoperativen Haarentfernung niemals Rasierer, da diese Mikroläsionen verursachen und das Infektionsrisiko erhöhen. Nutzen Sie stattdessen ausschließlich elektrische Clipper mit Einwegköpfen unmittelbar vor der Operation.

Häufig gestellte Fragen

Eine alkoholische Chlorhexidin-Lösung ist die erste Wahl, sofern keine Kontraindikationen bestehen und der Eingriff nicht in direkter Nähe zu Schleimhäuten stattfindet.
Patienten können 48 Stunden nach der Operation wieder sicher duschen.
Nein, eine routinemäßige Haarentfernung wird nicht empfohlen. Falls Haare den Eingriff stören, sollten am OP-Tag elektrische Clipper verwendet werden, keine Rasierer.
Nein, die Leitlinie rät von Wundirrigationen und intrakavitären Lavagen zur reinen Reduktion des SSI-Risikos ab.
Bei sauberen Eingriffen mit Implantat/Prothese, bei sauber-kontaminierten und bei kontaminierten Operationen. Bei sauberen Eingriffen ohne Implantat wird sie nicht routinemäßig empfohlen.

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