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NICEA2024Dermatologie

Prävention von postoperativen Wundinfektionen (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine routinemäßige Haarentfernung wird nicht empfohlen; falls nötig, sind elektrische Clipper statt Rasierer zu verwenden.
  • Alkoholische Chlorhexidin-Lösung ist die erste Wahl für die präoperative Hautantisepsis.
  • Eine Antibiotikaprophylaxe ist bei sauberen Eingriffen mit Implantat sowie bei sauber-kontaminierten und kontaminierten Eingriffen indiziert.
  • Wundspülungen und intrakavitäre Lavagen zur SSI-Prävention werden nicht routinemäßig empfohlen.
  • Patienten können bereits 48 Stunden nach der Operation sicher duschen.
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Hintergrund

Postoperative Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) machen bis zu 20 % aller nosokomialen Infektionen aus. Die meisten SSI entstehen durch eine Kontamination der Inzision mit der körpereigenen Flora des Patienten während der Operation. Die Klassifikation der chirurgischen Wunden hilft bei der Risikoeinschätzung:

KlassifikationDefinition
Clean (Sauber)Keine Entzündung, kein Bruch der sterilen Kautelen, Respirationstrakt/Gastrointestinaltrakt/Urogenitaltrakt werden nicht eröffnet.
Clean-contaminated (Sauber-kontaminiert)Eröffnung von Respirations-, Gastrointestinal- oder Urogenitaltrakt unter kontrollierten Bedingungen ohne Kontamination.
Contaminated (Kontaminiert)Großer Bruch der sterilen Kautelen, grobe Verschmutzung aus dem GI-Trakt oder akute, nicht-eitrige Entzündung.
Dirty/Infected (Schmutzig/Infiziert)Perforation von Viszera, akute eitrige Entzündung oder traumatische Wunden mit verzögerter Behandlung/fäkaler Kontamination.

Präoperative Maßnahmen

  • Duschen: Patienten sollten am Tag vor oder am Tag der Operation mit Seife duschen oder gebadet werden.
  • Nasale Dekolonisierung: Bei Eingriffen mit hohem Risiko für Staphylococcus aureus-Infektionen sollte eine nasale Mupirocin-Gabe in Kombination mit einer Chlorhexidin-Körperwaschung erwogen werden.
  • Haarentfernung: Keine routinemäßige Haarentfernung zur SSI-Prävention. Falls zwingend erforderlich, am Tag der OP elektrische Clipper mit Einwegkopf verwenden. Niemals Rasierer benutzen, da diese das Infektionsrisiko erhöhen.
  • Mechanische Darmvorbereitung: Nicht routinemäßig zur SSI-Prävention anwenden.

Perioperative Antibiotikaprophylaxe

IndikationEmpfehlung
Saubere Eingriffe mit Implantat/ProtheseProphylaxe indiziert
Sauber-kontaminierte EingriffeProphylaxe indiziert
Kontaminierte EingriffeProphylaxe indiziert
Saubere, unkomplizierte Eingriffe ohne ImplantatKeine routinemäßige Prophylaxe
Schmutzige/Infizierte WundenAntibiotische Therapie (zusätzlich zur Prophylaxe) erforderlich
  • Die Gabe sollte als intravenöse Einzeldosis bei Narkoseeinleitung erfolgen (bei Verwendung einer Blutsperre entsprechend früher).
  • Eine Wiederholungsdosis ist erforderlich, wenn die Operationsdauer die Halbwertszeit des Antibiotikums überschreitet.

Intraoperative Maßnahmen

Hautantisepsis

Die Haut sollte unmittelbar vor der Inzision desinfiziert werden. Bei der Wahl des Antiseptikums gilt folgendes Stufenschema:

PrioritätWahl des AntiseptikumsIndikation / Bemerkung
1. WahlAlkoholische Chlorhexidin-LösungStandard, sofern keine Kontraindikationen vorliegen.
Alternative 1Wässrige Chlorhexidin-LösungWenn das OP-Gebiet an eine Schleimhaut grenzt.
Alternative 2Alkoholische Povidon-Iod-LösungBei Kontraindikation gegen Chlorhexidin.
Alternative 3Wässrige Povidon-Iod-LösungWenn alkoholische Lösungen und Chlorhexidin ungeeignet sind.

Vorsicht: Bei Frühgeborenen besteht ein Risiko für schwere Verätzungen durch Chlorhexidin. Bei Einsatz von Diathermie müssen alkoholische Lösungen vollständig verdunstet sein (Brandgefahr).

Weitere intraoperative Empfehlungen

  • Diathermie: Nicht für den chirurgischen Hautschnitt verwenden.
  • Homöostase: Normothermie erhalten, optimale Oxygenierung sicherstellen (Sättigung >95 % während OP und in der Aufwachphase) und adäquate Perfusion aufrechterhalten.
  • Wundspülung/Lavage: Weder Wundspülungen noch intrakavitäre Lavagen routinemäßig zur SSI-Prävention anwenden.
  • Wundverschluss: Die Verwendung von antimikrobiellen, Triclosan-beschichteten Nähten sollte erwogen werden (insbesondere in der Kinderchirurgie). Bei Sectio caesarea sollten Nähte gegenüber Klammern bevorzugt werden, um Wunddehiszenzen zu reduzieren. Gentamicin-Kollagen-Implantate können in der Herzchirurgie erwogen werden.

Postoperative Maßnahmen

  • Verbandswechsel: Immer in aseptischer Non-Touch-Technik durchführen.
  • Wundreinigung: Bis 48 Stunden postoperativ sterile Kochsalzlösung verwenden. Danach kann Leitungswasser genutzt werden (auch bei offenen Wunden).
  • Körperpflege: Patienten können 48 Stunden nach der Operation sicher duschen.
  • Topische Antimikrobiotika: Nicht bei primär heilenden Wunden anwenden.
  • Sekundärheilung: Keine Eusol-Gaze, feuchte Baumwollgaze oder quecksilberhaltige Antiseptika verwenden. Stattdessen geeignete interaktive Verbände nutzen.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie zur präoperativen Haarentfernung niemals Rasierer, sondern ausschließlich elektrische Clipper. Klären Sie Patienten darüber auf, dass sie bereits 48 Stunden nach der Operation sicher duschen dürfen.

Häufig gestellte Fragen

Bei sauberen Eingriffen mit Implantat oder Prothese, bei sauber-kontaminierten und bei kontaminierten Eingriffen. Bei sauberen Eingriffen ohne Implantat wird sie nicht routinemäßig empfohlen.
Eine alkoholische Chlorhexidin-Lösung, sofern keine Kontraindikationen bestehen oder die Operation in direkter Schleimhautnähe stattfindet.
Nein, die Leitlinie rät von der routinemäßigen intrakavitären Lavage oder Wundspülung zur Prävention von Wundinfektionen ab.
Patienten können in der Regel 48 Stunden nach der Operation sicher duschen.

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