Sichere Chirurgie: OP-Checkliste & Infektionsprophylaxe

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie "Safe Surgery Saves Lives" aus dem Jahr 2009 adressiert die weltweite Belastung durch vermeidbare chirurgische Komplikationen. Schätzungen zufolge ereignen sich jährlich hunderte Millionen Operationen, wobei ein erheblicher Teil der postoperativen unerwünschten Ereignisse potenziell vermeidbar ist.

Das Ziel der Leitlinie ist es, die Sicherheit der chirurgischen Versorgung global zu verbessern. Dafür wurden zehn essenzielle Ziele für sichere Operationen definiert, die in allen Gesundheitssystemen anwendbar sind.

Ein zentrales Element zur Umsetzung dieser Ziele ist die Einführung einer standardisierten chirurgischen Sicherheitscheckliste. Diese soll die Kommunikation im Team fördern und die konsequente Einhaltung grundlegender Sicherheitsstandards gewährleisten.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie formuliert zehn essenzielle Ziele für eine sichere chirurgische Versorgung.

Patientenidentifikation und Eingriffsort

Es wird empfohlen, vor der Narkoseeinleitung die Identität der zu operierenden Person, den Eingriffsort und die Einwilligung zu überprüfen (dringende Empfehlung).

Bei Eingriffen, die Seitenangaben oder multiple Strukturen betreffen, soll die operierende Person den Eingriffsort eindeutig markieren.

Unmittelbar vor dem Hautschnitt wird ein "Time-out" empfohlen, bei dem das gesamte Team gemeinsam die korrekte Person, den Ort und das Verfahren verifiziert.

Anästhesiesicherheit und Atemwegsmanagement

Laut Leitlinie ist die kontinuierliche Anwesenheit einer ausgebildeten Anästhesiefachkraft die wichtigste Komponente der perioperativen Versorgung.

Es wird dringend empfohlen, die Gewebeoxygenierung kontinuierlich mittels Pulsoximetrie zu überwachen.

Zudem wird eine objektive Beurteilung der Atemwege vor der Narkoseeinleitung empfohlen, um mögliche Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen. Bei einem erwarteten schwierigen Atemweg soll ein Backup-Plan vorliegen und Assistenz unmittelbar verfügbar sein.

Blutverlust und Medikamentensicherheit

Die Leitlinie empfiehlt, das Risiko eines hohen Blutverlustes vor der Narkoseeinleitung zu evaluieren.

Bei einem signifikanten Risiko soll vor dem Hautschnitt ein angemessener intravenöser Zugang etabliert und die Verfügbarkeit von Flüssigkeiten oder Blutprodukten sichergestellt werden.

Zur Einstufung eines hypovolämischen Schocks bei akutem Blutverlust (bei Erwachsenen) führt die Leitlinie folgende Klassifikation an:

KlasseBlutverlust% des BlutvolumensPulsfrequenzBlutdruckMentaler StatusUrinausscheidungFlüssigkeitsersatz
I<= 750 mlBis 15 %< 100NormalNormal bis leicht ängstlichNormalKristalloide
II750-1500 ml15-30 %> 100Normal bis vermindertLeicht ängstlichVermindertKristalloide
III1500-2000 ml30-40 %> 120VermindertÄngstlich und verwirrtMinimalKristalloide und Blut
IV> 2000 ml> 40 %> 140Stark vermindertVerwirrt oder lethargischFehlendKristalloide und Blut

Um Medikationsfehler zu vermeiden, wird empfohlen, vor der Verabreichung eine vollständige Medikamentenanamnese inklusive Allergien zu erheben. Jedes Medikament soll vor der Gabe eindeutig etikettiert und überprüft werden.

Infektionsprävention

Die Leitlinie empfiehlt den routinemäßigen Einsatz einer prophylaktischen Antibiose bei allen rein-kontaminierten Eingriffen.

Diese soll innerhalb von einer Stunde vor dem Hautschnitt verabreicht werden (dringende Empfehlung).

Folgende Wirkstoffe werden laut Leitlinie für die chirurgische Prophylaxe empfohlen:

EingriffsartEmpfohlene Wirkstoffe
KolektomieCefotetan, Cefoxitin, Cefazolin plus Metronidazol, Ampicillin/Sulbactam oder Ertapenem; Alternativen mit Metronidazol oder Clindamycin
Sonstige gastrointestinale ChirurgieCefotetan, Cefoxitin, Cefazolin oder Cefuroxim
HysterektomieCefotetan, Cefoxitin, Cefazolin oder Cefuroxim, Cefazolin plus Metronidazol
Gefäß- und HerzchirurgieCefazolin oder Cefuroxim, penicillinasefeste Penicilline (Oxacillin, Cloxacillin), Vancomycin oder Clindamycin
GelenkersatzCefazolin, Cefuroxim oder ein penicillinasefestes Penicillin

Zusätzlich wird empfohlen, die Haut mit einem geeigneten Antiseptikum zu desinfizieren und die Körperkerntemperatur perioperativ im Normbereich zu halten. Eine Haarentfernung soll nur erfolgen, wenn das Haar den Eingriff stört, und dann idealerweise durch Kürzen (Clipping) statt durch Rasur.

Fremdkörperretention und Probenidentifikation

Um das Zurücklassen von Instrumenten oder Tupfern zu verhindern, wird eine vollständige Zählung aller Materialien bei Eröffnung von Körperhöhlen empfohlen.

Diese Zählung soll mindestens zu Beginn und am Ende jedes entsprechenden Eingriffs durchgeführt und dokumentiert werden.

Zudem wird empfohlen, dass das Team die korrekte Beschriftung aller chirurgischen Proben (inklusive Name und Entnahmeort) durch lautes Vorlesen und verbale Bestätigung verifiziert.

Teamkommunikation und Checklisten-Nutzung

Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der Kommunikation im OP-Team.

Es wird empfohlen, dass der operierende Arzt vor dem Hautschnitt kritische Schritte, das Risiko für starken Blutverlust und speziellen Ausrüstungsbedarf mit dem Team bespricht.

Vor dem Verlassen des Operationssaals soll das Team die durchgeführte Operation, die Vollständigkeit der Zählungen sowie wichtige Aspekte für die postoperative Überwachung gemeinsam rekapitulieren.

Überwachung und Qualitätskontrolle

Krankenhäuser und öffentliche Gesundheitssysteme sollen eine routinemäßige Überwachung der chirurgischen Kapazitäten, Volumina und Ergebnisse etablieren.

Zur einfachen Bewertung des postoperativen Zustands führt die Leitlinie den "Surgical Apgar Score" an. Dieser 10-Punkte-Score berechnet sich aus intraoperativen Messwerten:

Punkte01234
Geschätzter Blutverlust (ml)> 1000601-1000101-600<= 100-
Niedrigster mittlerer arterieller Blutdruck (mmHg)< 4040-5455-69>= 70-
Niedrigste Herzfrequenz (Schläge pro Minute)> 85 (oder Asystolie/Block)76-8566-7556-65<= 55
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein entscheidender Praxis-Hinweis der Leitlinie ist die strikte Einhaltung der präoperativen Antibiotikaprophylaxe innerhalb von 60 Minuten vor dem Hautschnitt. Es wird betont, dass eine zu frühe oder postoperative Verabreichung die Infektionsrate nicht effektiv senkt. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine ungelernte Ausübung des Krikoiddrucks bei der Intubation das Risiko einer Aspiration oder einer fehlgeschlagenen Intubation sogar erhöhen kann.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt, die prophylaktische Antibiose innerhalb von 60 Minuten vor dem Hautschnitt zu verabreichen. Eine Fortführung der Prophylaxe über 24 Stunden hinaus wird nicht empfohlen.

Der Score wird anhand von drei intraoperativen Parametern berechnet: dem geschätzten Blutverlust, der niedrigsten Herzfrequenz und dem niedrigsten mittleren arteriellen Blutdruck. Laut Leitlinie gibt ein Wert von 0 bis 10 eine objektive Einschätzung des postoperativen Risikos für Komplikationen.

Es wird empfohlen, Haare nur dann zu entfernen, wenn sie den Eingriff stören. Falls eine Entfernung notwendig ist, rät die Leitlinie zum Kürzen (Clipping) kurz vor der Operation, da eine Rasur das Risiko für Wundinfektionen erhöht.

Die Leitlinie empfiehlt die Markierung des Eingriffsortes durch die operierende Person bei Eingriffen mit Seitenangabe oder multiplen Strukturen. Zusätzlich wird ein "Time-out" unmittelbar vor dem Hautschnitt empfohlen, bei dem das gesamte Team Patient, Eingriff und Ort verbal bestätigt.

Es wird dringend empfohlen, bei allen Patienten unter Vollnarkose die Gewebeoxygenierung kontinuierlich mittels Pulsoximetrie zu überwachen. Die Leitlinie betrachtet dies als essenziellen Bestandteil einer sicheren Anästhesieversorgung.

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Quelle: WHO Guidelines for Safe Surgery (WHO, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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