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Prävention nosokomialer Infektionen: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Händedesinfektion mit alkoholischem Präparat ist Standard; bei sichtbarer Verschmutzung oder C. difficile-Risiko müssen Wasser und Seife verwendet werden.
  • Eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe beim Wechsel von Dauerkathetern wird nicht empfohlen.
  • Die Hautdesinfektion vor der Anlage von Gefäßzugängen erfolgt primär mit Chlorhexidingluconat in 70% Alkohol.
  • Gebrauchte Kanülen dürfen nicht verbogen, abgebrochen oder in die Schutzkappe zurückgesteckt werden (kein Recapping).
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Hintergrund

Nosokomiale Infektionen (Healthcare-associated infections) können bei Patienten aller Altersgruppen auftreten, insbesondere wenn invasive Verfahren oder Geräte eingesetzt werden. Die vorliegende NICE-Leitlinie definiert Standards für die Infektionsprävention und -kontrolle in der primären und ambulanten Versorgung. Ziel ist es, die Patientensicherheit zu erhöhen und die Übertragung von Mikroorganismen durch medizinisches Personal, Patienten und Angehörige zu minimieren.

Standardprinzipien der Händehygiene

Die Händehygiene ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Infektionsprävention. Medizinisches Personal muss bei direktem Patientenkontakt "unterhalb der Ellbogen nackt" (bare below the elbow) sein: keine künstlichen Nägel, kein Nagellack, keine Armbanduhren oder Steinringe, sowie kurze Ärmel.

SituationEmpfohlene MethodeBemerkung
Standard-PatientenkontaktAlkoholische HändedesinfektionEinreiben bis die Hände trocken sind
Sichtbare VerschmutzungFlüssigseife und WasserGründliches Abspülen und Trocknen mit Papiertüchern
Risiko für C. difficileFlüssigseife und WasserAlkoholische Präparate sind hier unzureichend

Die Händedesinfektion muss unmittelbar vor und nach jedem direkten Patientenkontakt, nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten, nach Kontakt mit der Patientenumgebung und nach dem Ausziehen von Handschuhen erfolgen.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Die Auswahl der PSA basiert auf einer Risikobewertung bezüglich der Übertragung von Mikroorganismen und der Kontamination mit Blut oder Körperflüssigkeiten.

  • Handschuhe: Müssen als Einwegartikel getragen werden bei invasiven Eingriffen, Kontakt mit sterilen Bereichen, intakter Haut/Schleimhaut oder Körperflüssigkeiten. Polythen-Handschuhe dürfen für klinische Interventionen nicht verwendet werden.
  • Schürzen/Kittel: Einweg-Plastikschürzen bei Risiko der Exposition gegenüber Körperflüssigkeiten. Langärmlige, flüssigkeitsabweisende Kittel bei Risiko für ausgedehnte Spritzer.
  • Gesichts-/Augenschutz: Bei Gefahr von Spritzern in Gesicht und Augen.

Umgang mit spitzen und scharfen Gegenständen (Sharps)

MaßnahmeEmpfehlung
WeitergabeNicht direkt von Hand zu Hand weitergeben
EntsorgungSofort durch den Anwender in einen normgerechten Abwurfbehälter
ManipulationKanülen nicht verbiegen, abbrechen oder recappen (Ausnahme: zugelassene Sicherheitssysteme)
BehälterNicht über die Fülllinie füllen, bei Nichtgebrauch vorübergehend verschließen

Langzeit-Harnwegskatheter

Die klinische Notwendigkeit eines Katheters sollte regelmäßig überprüft und dieser so bald wie möglich entfernt werden. Der intermittierende Selbstkatheterismus ist einem Dauerkatheter vorzuziehen, sofern klinisch angemessen.

Katheterwechsel und Antibiotikaprophylaxe

Blasenspülungen zur Prävention katheterassoziierter Infektionen dürfen nicht angewendet werden. Katheter sollten nur bei klinischer Notwendigkeit oder nach Herstellerangaben gewechselt werden.

Situation beim KatheterwechselEmpfehlung zur Antibiotikaprophylaxe
Routinemäßiger WechselNicht routinemäßig anbieten
Anamnese für symptomatische HWI nach WechselErwägen (Informed Consent dokumentieren)
Trauma beim Wechsel (z.B. Makrohämaturie)Erwägen (Informed Consent dokumentieren)

Enterale Ernährung

Wenn möglich, sollten vorgefertigte, gebrauchsfertige Nahrungen bevorzugt werden.

  • Spülung der Sonde: Vor und nach der Nahrungs- oder Medikamentengabe spülen.
  • Spülflüssigkeit (Nicht-Immunsupprimierte): Frisch gezapftes Leitungswasser.
  • Spülflüssigkeit (Immunsupprimierte): Abgekühltes, frisch abgekochtes Wasser oder steriles Wasser.

Gefäßzugänge (Vascular Access Devices)

Bei der Anlage und Pflege von Gefäßzugängen muss eine aseptische Non-Touch-Technik (ANTT) angewendet werden.

Hautdesinfektion und Verbandswechsel

Die Hautdesinfektion an der Einstichstelle erfolgt vor der Anlage mit Chlorhexidingluconat in 70% Alkohol (MHRA-Sicherheitswarnung zu Nebenwirkungen beachten).

ZugangsartVerbandsartWechselintervall
Peripherer VenenkatheterTransparenter semipermeabler MembranverbandBelassen für die Liegedauer der Kanüle (sofern intakt)
Zentraler Venenkatheter (ZVK)Transparenter semipermeabler MembranverbandAlle 7 Tage (oder früher bei Feuchtigkeit/Defekt)
Getunnelte/Implantierte ZVKTransparenter semipermeabler MembranverbandAlle 7 Tage bis zur Heilung der Einstichstelle

Routine-Antibiotika-Blocklösungen oder systemische antimikrobielle Prophylaxen zur Prävention von katheterassoziierten Blutstrominfektionen (CRBSI) werden nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe beim Wechsel von Dauerkathetern. Erwägen Sie diese nur bei Patienten mit stattgehabtem Trauma (z. B. Makrohämaturie) oder bekannten symptomatischen Infektionen nach vorherigen Wechseln.

Häufig gestellte Fragen

Flüssigseife und Wasser müssen verwendet werden, wenn die Hände sichtbar verschmutzt sind oder in klinischen Situationen, in denen das Risiko einer Ausbreitung alkoholresistenter Erreger (wie Clostridium difficile) besteht.
Nein, eine routinemäßige Prophylaxe wird nicht empfohlen. Ausnahmen gelten nur bei stattgehabtem Trauma während des Wechsels oder bei einer Anamnese für symptomatische Harnwegsinfektionen nach vorherigen Katheterwechseln.
Die Haut sollte mit Chlorhexidingluconat in 70% Alkohol desinfiziert werden, wobei mögliche Unverträglichkeiten und Sicherheitswarnungen zu beachten sind.
Infusionssysteme für totale parenterale Ernährung sollten in der Regel alle 24 Stunden gewechselt werden. Enthalten die Lösungen nur Glukose und Aminosäuren, reicht ein Wechsel alle 72 Stunden.
Nein, gebrauchte Standardnadeln dürfen nicht recappt, verbogen oder abgebrochen werden. Sie müssen sofort in einen geeigneten Abwurfbehälter entsorgt werden.

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