Prävention nosokomialer Infektionen: Leitlinie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Händedesinfektion mit alkoholischem Präparat ist Standard; bei sichtbarer Verschmutzung oder C. difficile-Risiko müssen Wasser und Seife verwendet werden.
- •Eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe beim Wechsel von Dauerkathetern wird nicht empfohlen.
- •Die Hautdesinfektion vor der Anlage von Gefäßzugängen erfolgt primär mit Chlorhexidingluconat in 70% Alkohol.
- •Gebrauchte Kanülen dürfen nicht verbogen, abgebrochen oder in die Schutzkappe zurückgesteckt werden (kein Recapping).
Hintergrund
Nosokomiale Infektionen (Healthcare-associated infections) können bei Patienten aller Altersgruppen auftreten, insbesondere wenn invasive Verfahren oder Geräte eingesetzt werden. Die vorliegende NICE-Leitlinie definiert Standards für die Infektionsprävention und -kontrolle in der primären und ambulanten Versorgung. Ziel ist es, die Patientensicherheit zu erhöhen und die Übertragung von Mikroorganismen durch medizinisches Personal, Patienten und Angehörige zu minimieren.
Standardprinzipien der Händehygiene
Die Händehygiene ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Infektionsprävention. Medizinisches Personal muss bei direktem Patientenkontakt "unterhalb der Ellbogen nackt" (bare below the elbow) sein: keine künstlichen Nägel, kein Nagellack, keine Armbanduhren oder Steinringe, sowie kurze Ärmel.
| Situation | Empfohlene Methode | Bemerkung |
|---|---|---|
| Standard-Patientenkontakt | Alkoholische Händedesinfektion | Einreiben bis die Hände trocken sind |
| Sichtbare Verschmutzung | Flüssigseife und Wasser | Gründliches Abspülen und Trocknen mit Papiertüchern |
| Risiko für C. difficile | Flüssigseife und Wasser | Alkoholische Präparate sind hier unzureichend |
Die Händedesinfektion muss unmittelbar vor und nach jedem direkten Patientenkontakt, nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten, nach Kontakt mit der Patientenumgebung und nach dem Ausziehen von Handschuhen erfolgen.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Die Auswahl der PSA basiert auf einer Risikobewertung bezüglich der Übertragung von Mikroorganismen und der Kontamination mit Blut oder Körperflüssigkeiten.
- Handschuhe: Müssen als Einwegartikel getragen werden bei invasiven Eingriffen, Kontakt mit sterilen Bereichen, intakter Haut/Schleimhaut oder Körperflüssigkeiten. Polythen-Handschuhe dürfen für klinische Interventionen nicht verwendet werden.
- Schürzen/Kittel: Einweg-Plastikschürzen bei Risiko der Exposition gegenüber Körperflüssigkeiten. Langärmlige, flüssigkeitsabweisende Kittel bei Risiko für ausgedehnte Spritzer.
- Gesichts-/Augenschutz: Bei Gefahr von Spritzern in Gesicht und Augen.
Umgang mit spitzen und scharfen Gegenständen (Sharps)
| Maßnahme | Empfehlung |
|---|---|
| Weitergabe | Nicht direkt von Hand zu Hand weitergeben |
| Entsorgung | Sofort durch den Anwender in einen normgerechten Abwurfbehälter |
| Manipulation | Kanülen nicht verbiegen, abbrechen oder recappen (Ausnahme: zugelassene Sicherheitssysteme) |
| Behälter | Nicht über die Fülllinie füllen, bei Nichtgebrauch vorübergehend verschließen |
Langzeit-Harnwegskatheter
Die klinische Notwendigkeit eines Katheters sollte regelmäßig überprüft und dieser so bald wie möglich entfernt werden. Der intermittierende Selbstkatheterismus ist einem Dauerkatheter vorzuziehen, sofern klinisch angemessen.
Katheterwechsel und Antibiotikaprophylaxe
Blasenspülungen zur Prävention katheterassoziierter Infektionen dürfen nicht angewendet werden. Katheter sollten nur bei klinischer Notwendigkeit oder nach Herstellerangaben gewechselt werden.
| Situation beim Katheterwechsel | Empfehlung zur Antibiotikaprophylaxe |
|---|---|
| Routinemäßiger Wechsel | Nicht routinemäßig anbieten |
| Anamnese für symptomatische HWI nach Wechsel | Erwägen (Informed Consent dokumentieren) |
| Trauma beim Wechsel (z.B. Makrohämaturie) | Erwägen (Informed Consent dokumentieren) |
Enterale Ernährung
Wenn möglich, sollten vorgefertigte, gebrauchsfertige Nahrungen bevorzugt werden.
- Spülung der Sonde: Vor und nach der Nahrungs- oder Medikamentengabe spülen.
- Spülflüssigkeit (Nicht-Immunsupprimierte): Frisch gezapftes Leitungswasser.
- Spülflüssigkeit (Immunsupprimierte): Abgekühltes, frisch abgekochtes Wasser oder steriles Wasser.
Gefäßzugänge (Vascular Access Devices)
Bei der Anlage und Pflege von Gefäßzugängen muss eine aseptische Non-Touch-Technik (ANTT) angewendet werden.
Hautdesinfektion und Verbandswechsel
Die Hautdesinfektion an der Einstichstelle erfolgt vor der Anlage mit Chlorhexidingluconat in 70% Alkohol (MHRA-Sicherheitswarnung zu Nebenwirkungen beachten).
| Zugangsart | Verbandsart | Wechselintervall |
|---|---|---|
| Peripherer Venenkatheter | Transparenter semipermeabler Membranverband | Belassen für die Liegedauer der Kanüle (sofern intakt) |
| Zentraler Venenkatheter (ZVK) | Transparenter semipermeabler Membranverband | Alle 7 Tage (oder früher bei Feuchtigkeit/Defekt) |
| Getunnelte/Implantierte ZVK | Transparenter semipermeabler Membranverband | Alle 7 Tage bis zur Heilung der Einstichstelle |
Routine-Antibiotika-Blocklösungen oder systemische antimikrobielle Prophylaxen zur Prävention von katheterassoziierten Blutstrominfektionen (CRBSI) werden nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie auf eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe beim Wechsel von Dauerkathetern. Erwägen Sie diese nur bei Patienten mit stattgehabtem Trauma (z. B. Makrohämaturie) oder bekannten symptomatischen Infektionen nach vorherigen Wechseln.