Postoperative Wundinfektionen: StatPearls Zusammenfassung
Hintergrund
Postoperative Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) stellen eine der häufigsten nosokomialen Infektionen bei chirurgischen Eingriffen dar. Sie tragen signifikant zur postoperativen Morbidität, Mortalität und zu verlängerten Krankenhausaufenthalten bei.
Die Infektionen werden meist durch die endogene Flora der Haut oder Schleimhäute verursacht. Die Diagnose muss laut Definition innerhalb von 30 Tagen nach der Operation oder innerhalb von 90 Tagen bei bestimmten Implantaten gestellt werden.
Das Risiko einer Infektion hängt von patientenspezifischen Faktoren wie fortgeschrittenem Alter, Adipositas und Diabetes mellitus sowie von prozeduralen Faktoren ab. Eine strukturierte Prävention in der perioperativen Phase ist daher essenziell.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Klassifikation, Prävention und Behandlung:
Klassifikation von Operationswunden
Die Leitlinie teilt chirurgische Eingriffe nach dem Kontaminationsgrad ein. Diese Einteilung korreliert mit dem Risiko für postoperative Wundinfektionen.
| Wundklasse | Definition |
|---|---|
| Sauber (Clean) | Keine Entzündung, keine Eröffnung von Gastrointestinal-, Urogenital- oder Respirationstrakt |
| Sauber-kontaminiert | Kontrollierte Eröffnung von Gastrointestinal-, Urogenital- oder Respirationstrakt ohne bestehende Kontamination |
| Kontaminiert | Bruch der sterilen Kautelen, grobe Kontamination aus dem Gastrointestinaltrakt oder frische traumatische Wunden |
| Schmutzig/Infiziert | Perforierte Viszera, eitrige Entzündungen oder alte traumatische Wunden mit nekrotischem Gewebe |
Prävention
Zur Reduktion des Infektionsrisikos wird eine präoperative Optimierung von Komorbiditäten wie Diabetes mellitus und die Raucherentwöhnung empfohlen.
Die Leitlinie nennt folgende perioperative Maßnahmen:
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Präoperatives Duschen mit Chlorhexidin am Vorabend oder Tag der Operation
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Haarentfernung unmittelbar vor dem Eingriff, vorzugsweise mit einem Clipper
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Verabreichung einer prophylaktischen Antibiose 30 bis 60 Minuten vor dem Hautschnitt
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Aufrechterhaltung der Normothermie und einer optimalen Gewebeoxygenierung
Diagnostik
Die Diagnose einer oberflächlichen Infektion wird primär klinisch gestellt. Bei Verdacht auf tiefe Wundinfektionen oder Organ-/Rauminfektionen wird eine Bildgebung mittels Ultraschall oder CT empfohlen.
Es wird angeraten, Wundabstriche zur mikrobiologischen Untersuchung und Resistenztestung zu entnehmen. Dies gilt insbesondere bei eitriger Sekretion oder vor Beginn einer systemischen Antibiose.
Therapie
Die primäre Behandlung oberflächlicher Infektionen besteht in der Öffnung der Wunde, der Drainage von Flüssigkeitsansammlungen und dem Debridement von nekrotischem Gewebe.
Systemische Antibiotika werden empfohlen, wenn systemische Infektionszeichen wie Fieber oder eine ausgeprägte Cellulitis vorliegen.
Bei tiefen Infektionen oder Organ-/Rauminfektionen wird eine bildgesteuerte perkutane Drainage oder eine chirurgische Revision im Operationssaal angeraten.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsbeispiele für die perioperative Antibiotikaprophylaxe:
| Medikament | Dosierung | Indikation |
|---|---|---|
| Cefazolin | 2 g (gewichtsangepasst) | Perioperative Prophylaxe bei sauberen Eingriffen |
| Vancomycin | 15 mg/kg | Perioperative Prophylaxe (z.B. bei spezifischen Allergien) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
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Iodbasierte Lösungen dürfen bei Personen mit einer Iodallergie nicht angewendet werden.
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Alkoholbasierte Präparate sind für die Anwendung auf Schleimhäuten kontraindiziert.
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Die Haarentfernung mit einem Clipper wird vor Skrotaleingriffen aufgrund des Risikos für Hauttraumata nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass das Auftreten von systemischen Symptomen nach einer Operation immer den Verdacht auf eine postoperative Komplikation wie eine Infektion oder Anastomoseninsuffizienz lenken sollte. Es wird darauf hingewiesen, dass bei tiefen Wundinfektionen die oberflächliche Inzision oft unauffällig erscheint, weshalb bei unklarem Fieber eine frühzeitige Bildgebung essenziell ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie manifestieren sich die Symptome typischerweise innerhalb von 3 bis 7 Tagen nach dem Eingriff. Die offizielle Definition umfasst jedoch einen Zeitraum von bis zu 30 oder 90 Tagen, abhängig von der Art der Operation.
Die Erreger variieren je nach Operationsgebiet. Bei Eingriffen an Herz, Brust oder Knochen dominieren Staphylococcus aureus und koagulase-negative Staphylokokken, während nach abdominellen Operationen häufig gramnegative Bakterien und Enterokokken nachgewiesen werden.
Eine systemische Antibiose wird empfohlen, wenn systemische Infektionszeichen wie Fieber, eine ausgeprägte Cellulitis oder eine tiefe Weichteilbeteiligung vorliegen. Bei rein oberflächlichen Infektionen ist oft eine lokale Wundversorgung ausreichend.
Die Leitlinie empfiehlt bevorzugt alkoholbasierte Lösungen mit Chlorhexidin oder Iod, da diese eine längere antiseptische Wirkung aufweisen. Alkoholbasierte Präparate trocknen zudem schneller und sind kosteneffizienter.
Der routinemäßige Einsatz von Drainagen wird nicht empfohlen, da ihre Wirksamkeit zur Prävention von Wundinfektionen umstritten ist. Wenn Drainagen verwendet werden, sollten diese so früh wie möglich entfernt werden.
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Quelle: StatPearls: Postoperative Wound Infections (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.