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WHO2018

WHO-Leitlinie: Prävention von Surgical Site Infections

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die chirurgische Antibiotikaprophylaxe (SAP) muss innerhalb von 120 Minuten vor dem Hautschnitt erfolgen und darf postoperativ nicht verlängert werden.
  • Zur präoperativen Hautantisepsis werden alkoholbasierte Chlorhexidin-Lösungen (CHG) empfohlen.
  • Haarentfernung sollte vermieden werden; falls nötig, nur mit einem Clipper, niemals mit einem Rasierer.
  • Bei elektiver kolorektaler Chirurgie wird eine mechanische Darmvorbereitung nur in Kombination mit oralen Antibiotika empfohlen.
  • Triclosan-beschichtete Nahtmaterialien werden zur Reduktion des SSI-Risikos unabhängig von der Operationsart empfohlen.
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Hintergrund

Health Care-Associated Infections (HAI) stellen weltweit das häufigste unerwünschte Ereignis in der Patientenversorgung dar. Surgical Site Infections (SSI), also postoperative Wundinfektionen, sind in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMIC) die am häufigsten erfasste HAI und betreffen bis zu einem Drittel der operierten Patienten. In Europa und den USA sind SSIs die zweithäufigste Form der HAI. Die vorliegende WHO-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen für prä-, intra- und postoperative Maßnahmen zur Reduktion des SSI-Risikos.

Präoperative Maßnahmen

Die Vorbereitung des Patienten vor dem Eingriff umfasst mehrere essenzielle Schritte zur Keimreduktion und Optimierung der Ausgangsbedingungen.

MaßnahmeEmpfehlungEvidenzgrad
KörperwaschungDuschen/Waschen mit normaler oder antimikrobieller Seife vor der OP.Bedingt / Moderat
S. aureus DekolonisationMupirocin 2% Nasensalbe +/- CHG-Waschung bei bekannten Trägern (Herz-Thorax-/Ortho-Chirurgie).Stark / Moderat
Antibiotikaprophylaxe (SAP)Gabe innerhalb von 120 Minuten vor dem Hautschnitt (Halbwertszeit beachten).Stark / Moderat
DarmvorbereitungMechanische Vorbereitung nur in Kombination mit oralen Antibiotika bei elektiver kolorektaler Chirurgie. Keine alleinige mechanische Vorbereitung!Bedingt / Moderat
HaarentfernungHaare belassen oder nur mit Clipper entfernen. Rasieren ist strikt abzulehnen.Stark / Moderat
HautantisepsisAlkoholbasierte Lösungen mit Chlorhexidingluconat (CHG).Stark / Niedrig-Moderat
HändedesinfektionChirurgische Händedesinfektion mit antimikrobieller Seife oder alkoholbasiertem Handrub.Stark / Moderat

Zusätzlich rät die WHO vom Einsatz antimikrobieller Hautversiegelungen (Skin Sealants) ab. Bei untergewichtigen Patienten vor großen Eingriffen sollte eine intensivierte enterale/orale Ernährung erwogen werden. Immunsuppressiva sollten perioperativ nicht abgesetzt werden, um SSIs zu vermeiden.

Intraoperative Maßnahmen

Während der Operation stehen die Aufrechterhaltung der physiologischen Parameter des Patienten sowie die chirurgische Technik im Vordergrund.

MaßnahmeEmpfehlungEvidenzgrad
Oxygenierung80% FiO2 bei intubierten Erwachsenen (intraoperativ und 2-6h postoperativ).Bedingt / Moderat
NormothermieEinsatz von Wärmesystemen im OP zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur.Bedingt / Moderat
BlutzuckerkontrolleIntensive perioperative Blutzuckerkontrolle bei Diabetikern und Nicht-Diabetikern.Bedingt / Niedrig
VolumenmanagementZielgerichtete Flüssigkeitstherapie (Goal-directed fluid therapy).Bedingt / Niedrig
Abdeckungen/KittelSterile Einweg- (Vlies) oder Mehrweg-Materialien (Gewebe) sind gleichwertig. Keine plastischen Inzisionsfolien verwenden.Bedingt / Niedrig-Moderat
WundprotektorenErwägung bei sauber-kontaminierten, kontaminierten und schmutzigen abdominellen Eingriffen.Bedingt / Sehr niedrig
WundspülungWässrige PVP-I-Lösung vor Wundverschluss erwägen. Keine antibiotischen Spülungen.Bedingt / Niedrig
NahtmaterialVerwendung von Triclosan-beschichtetem Nahtmaterial.Bedingt / Moderat

Für die Implantation von Totalendoprothesen (Arthroplastik) wird der Einsatz von Laminar-Airflow-Systemen zur reinen SSI-Prävention nicht empfohlen.

Postoperative Maßnahmen

Die postoperative Phase zielt darauf ab, Wunden sicher abheilen zu lassen und Resistenzen durch unnötigen Antibiotikaeinsatz zu vermeiden.

  • SAP-Verlängerung: Die chirurgische Antibiotikaprophylaxe darf nach Beendigung der Operation nicht verlängert werden (Starke Empfehlung, moderate Evidenz).
  • Wundauflagen: Bei primär verschlossenen Wunden sollten keine modernen/fortschrittlichen Wundauflagen (Advanced Dressings) anstelle von Standardauflagen zur SSI-Prävention verwendet werden.
  • Drainagen: Die Antibiotikaprophylaxe darf bei liegender Wunddrainage nicht fortgeführt werden. Drainagen sind zu entfernen, sobald dies klinisch indiziert ist.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie konsequent auf die postoperative Verlängerung der Antibiotikaprophylaxe, auch bei liegenden Drainagen. Nutzen Sie zur Haarentfernung niemals Rasierer, sondern ausschließlich Clipper.

Häufig gestellte Fragen

Die SAP sollte innerhalb von 120 Minuten vor dem chirurgischen Schnitt verabreicht werden, wobei die Halbwertszeit des jeweiligen Antibiotikums zu berücksichtigen ist.
Nein, die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, die präoperative Antibiotikaprophylaxe bei liegender Wunddrainage nicht zu verlängern.
Es werden alkoholbasierte antiseptische Lösungen auf Basis von Chlorhexidingluconat (CHG) empfohlen.
Eine mechanische Darmvorbereitung sollte nur in Kombination mit oralen Antibiotika erfolgen. Von einer alleinigen mechanischen Vorbereitung wird dringend abgeraten.
Nein. Haare sollten idealerweise gar nicht entfernt werden. Ist dies unumgänglich, darf ausschließlich ein Clipper verwendet werden, niemals ein Rasierer.

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