Pankreaskarzinom: Leitlinie zu Diagnostik & Therapie (NICE)
📋Auf einen Blick
- •Ein Pankreas-Protokoll-CT ist die primäre Bildgebung bei Verdacht auf ein Pankreaskarzinom.
- •Bei resektablen Tumoren sollte eine primäre Operation ohne vorherige biliäre Drainage angestrebt werden.
- •Als adjuvante Therapie wird eine Kombination aus Gemcitabin und Capecitabin für 6 Zyklen empfohlen.
- •FOLFIRINOX ist die Erstlinientherapie für metastasierte Tumoren bei gutem Allgemeinzustand (ECOG 0-1).
- •Bei inoperablen Tumoren ist die Gabe von magensaftresistentem Pankreatin indiziert.
Hintergrund
Das Pankreaskarzinom wird oft spät diagnostiziert, weshalb nur ein kleiner Teil der Patienten für eine potenziell kurative Resektion infrage kommt. Die vorliegende NICE-Leitlinie fasst die evidenzbasierten Empfehlungen zur Diagnostik, zum Staging sowie zur kurativen und palliativen Therapie zusammen.
Diagnostik und Staging
Die primäre Bildgebung bei Verdacht auf ein Pankreaskarzinom (z. B. bei obstruktivem Ikterus oder Auffälligkeiten in anderen Untersuchungen) ist das Pankreas-Protokoll-CT.
| Klinische Situation | Primäre Diagnostik | Weitere Schritte bei Unklarheit |
|---|---|---|
| Obstruktiver Ikterus | Pankreas-Protokoll-CT (vor Drainage!) | FDG-PET/CT oder EUS mit Punktion |
| Zystische Läsionen | Pankreas-Protokoll-CT oder MRT/MRCP | EUS zur Malignitätsbeurteilung |
| Lokalisiertes Karzinom | CT Thorax/Abdomen/Becken | FDG-PET/CT vor Therapiebeginn |
Hochrisikokriterien bei Zysten (Indikation zur Resektion):
- Obstruktiver Ikterus bei Zyste im Pankreaskopf
- Solide, kontrastmittelaufnehmende Anteile
- Durchmesser des Ductus pancreaticus major ≥ 10 mm
Therapie des resektablen Karzinoms
Bei resektablen Tumoren sollte eine primäre Operation angestrebt werden. Eine neoadjuvante Therapie wird außerhalb von klinischen Studien nicht empfohlen.
| Maßnahme | Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Biliäre Drainage | Nicht routinemäßig präoperativ | Direkte Resektion bevorzugt |
| Resektion | Pyloruserhaltende Resektion erwägen | Wenn onkologisch ausreichend |
| Lymphadenektomie | Standard-Lymphadenektomie | Keine erweiterte Resektion |
| Adjuvante Therapie | Gemcitabin + Capecitabin | Start nach Erholung, 6 Zyklen |
Therapie des inoperablen Karzinoms
Die systemische Therapie richtet sich nach dem Stadium und dem Allgemeinzustand (ECOG-Status) des Patienten.
| Stadium | Therapie der 1. Wahl | Alternative (bei schlechterem AZ) |
|---|---|---|
| Lokal fortgeschritten | Systemische Kombinationschemotherapie | Gemcitabin-Monotherapie |
| Metastasiert | FOLFIRINOX (bei ECOG 0-1) | Gemcitabin-Kombination oder Monotherapie |
| Zweitlinie | Oxaliplatin-basiert (falls nicht in Erstlinie) | Gemcitabin-basiert (nach FOLFIRINOX) |
Supportive Therapie und Symptomkontrolle
Die supportive Therapie ist essenziell für die Lebensqualität der Patienten.
- Schmerztherapie: Bei unkontrollierten Schmerzen, eskalierendem Analgetikabedarf oder inakzeptablen Opioid-Nebenwirkungen sollte eine EUS-gesteuerte oder perkutane Neurolyse des Plexus coeliacus erwogen werden. Eine thorakale Splanchnikektomie wird nicht empfohlen.
- Ernährung: Patienten mit inoperablem Karzinom sollten magensaftresistentes Pankreatin erhalten. Nach einer Resektion wird eine frühe enterale Ernährung (oral oder per Sonde) gegenüber einer parenteralen Ernährung bevorzugt. Fischöle zur Behandlung von Gewichtsverlust werden nicht empfohlen.
- Biliäre Obstruktion: Bei inoperablen Patienten ist die endoskopische Einlage von selbstexpandierenden Metallstents einem chirurgischen Bypass vorzuziehen.
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei resektablen Tumoren mit obstruktivem Ikterus auf eine präoperative biliäre Drainage, sofern der Patient direkt operiert werden kann. Dies senkt das Komplikationsrisiko.