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Pankreatitis: Leitlinie zur Diagnostik & Therapie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Keine prophylaktischen Antibiotika bei akuter Pankreatitis.
  • Fruehzeitige enterale Ernaehrung (innerhalb von 72 Stunden) bei schwerer akuter Pankreatitis; unbegruendete Nahrungskarenz vermeiden.
  • Bei infizierten Nekrosen wird ein endoskopischer Ansatz gegenueber perkutanen oder chirurgischen Verfahren bevorzugt.
  • Das Lebenszeitrisiko fuer Typ-3c-Diabetes bei chronischer Pankreatitis betraegt bis zu 80 % (HbA1c-Kontrolle alle 6 Monate).
  • Eine Knochendichtemessung wird alle 2 Jahre bei Erwachsenen mit chronischer Pankreatitis empfohlen.
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Hintergrund

Die Pankreatitis ist eine haeufige Ursache fuer akute Bauchschmerzen. Die Inzidenz der akuten Form liegt in Grossbritannien bei etwa 56 Faellen pro 100.000 Personen jaehrlich, waehrend die chronische Form mit ca. 5 Faellen pro 100.000 Personen seltener auftritt.

Schweregrad (Akute Pankreatitis)Definition (nach modifizierter Atlanta-Klassifikation)
MittelschwerOrganversagen, das sich innerhalb von 48 Stunden zurueckbildet (transient), oder lokale/systemische Komplikationen ohne persistierendes Organversagen.
SchwerEinzelnes oder multiples Organversagen, das laenger als 48 Stunden persistiert.

Ursachen und Diagnostik

Die Diagnose der akuten Pankreatitis wird in der Regel durch erhoehte Lipase- oder Amylasewerte im Blut bestaetigt. Sind diese nicht erhoeht, kann ein Abdomen-CT die Entzuendung nachweisen.

Wichtig: Gehen Sie nicht automatisch von einer alkoholbedingten Genese aus, nur weil der Patient Alkohol konsumiert.

FormHaeufige UrsachenWeitere abzuklaerende Ursachen
AkutGallensteine (50 %), Alkohol (25 %)Metabolisch (Hyperkalzaemie, Hyperlipidaemie), Medikamente, Mikrolithiasis, hereditaer, autoimmun, Tumore, Pancreas divisum
ChronischAlkohol (70-80 %)Genetische Faktoren, Autoimmunerkrankungen (IgG4-assoziiert), metabolische oder strukturelle Faktoren

Akute Pankreatitis: Therapie

  • Keine prophylaktischen Antibiotika bei akuter Pankreatitis anbieten.
  • Ernaehrung: Patienten sollten nicht nuechtern bleiben ('nil-by-mouth'), es sei denn, es gibt einen klaren Grund (z. B. Erbrechen).
  • Bei mittelschwerer oder schwerer akuter Pankreatitis innerhalb von 72 Stunden eine enterale Ernaehrung beginnen.
  • Parenterale Ernaehrung nur anbieten, wenn die enterale Ernaehrung fehlschlaegt oder kontraindiziert ist.

Management von Komplikationen

Bei der Behandlung von infizierten Pankreasnekrosen muss die Notwendigkeit eines fruehzeitigen Debridements gegen die Vorteile einer verzoegerten Intervention abgewogen werden.

KomplikationEmpfohlene Intervention
Infizierte NekroseEndoskopischer Ansatz (falls anatomisch moeglich). Alternativ perkutaner Ansatz.
Systemische KomplikationenRuecksprache mit einem spezialisierten Pankreaszentrum und ggf. Verlegung.

Chronische Pankreatitis: Therapie

Patienten mit chronischer Pankreatitis haben ein hohes Risiko fuer Malabsorption, Mangelernaehrung und eine Verschlechterung der Lebensqualitaet. Eine fruehzeitige Einbindung von Ernaehrungsberatern und die Gabe von Pankreasenzymen sind essenziell.

KomplikationTherapie der 1. WahlAlternative / Bemerkung
PankreasgangobstruktionOperation (offen oder minimalinvasiv) bei schmerzhafter Obstruktion des HauptgangsExtrakorporale Stosswellenlithotripsie (ESWL), falls OP ungeeignet
Symptomatische PseudozystenEUS-gesteuerte oder endoskopische transpapillaere DrainageChirurgische Drainage, falls endoskopisch ungeeignet/fehlgeschlagen
Typ-3c-DiabetesInsulintherapie (Pruefung alle 6 Monate)Primaerer Defekt ist unzureichende Insulinsekretion

Follow-up und Monitoring

Patienten mit chronischer Pankreatitis benoetigen eine engmaschige und lebenslange Anbindung, da das Risiko fuer Folgeerkrankungen drastisch erhoeht ist.

  • Exokrine Funktion & Ernaehrung: Klinische und biochemische Kontrolle mindestens alle 12 Monate (bei unter 16-Jaehrigen alle 6 Monate).
  • Knochendichte: Bei Erwachsenen alle 2 Jahre messen.
  • Diabetes-Screening: Das Lebenszeitrisiko fuer einen Typ-3c-Diabetes betraegt bis zu 80 %. Daher HbA1c mindestens alle 6 Monate kontrollieren.
  • Pankreaskarzinom: Erhoehtes Risiko, insbesondere bei hereditaerer Pankreatitis (Lebenszeitrisiko ca. 40 %). Hier ein jaehrliches Monitoring erwaegen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei akuter Pankreatitis auf prophylaktische Antibiotika und vermeiden Sie unbegruendete Nahrungskarenz. Starten Sie bei schweren Verlaeufen innerhalb von 72 Stunden mit einer enteralen Ernaehrung.

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Leitlinie raet explizit von einer routinemaessigen Antibiotikaprophylaxe ab.
Patienten sollten nicht routinemaessig nuechtern bleiben. Bei mittelschweren und schweren Verlaeufen soll innerhalb von 72 Stunden eine enterale Ernaehrung gestartet werden.
Aufgrund eines Lebenszeitrisikos von bis zu 80 % sollte der HbA1c-Wert mindestens alle 6 Monate kontrolliert werden.
Bevorzugt wird ein endoskopischer Ansatz zur Drainage. Ist dies anatomisch nicht moeglich, sollte ein perkutaner Ansatz gewaehlt werden.
Als Erstlinientherapie wird eine offene oder minimalinvasive Operation empfohlen. Bei Inoperabilitaet kann eine extrakorporale Stosswellenlithotripsie (ESWL) erwogen werden.

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