Barrett-Ösophagus & Karzinom: NICE-Leitlinie (2023)
📋Auf einen Blick
- •Endoskopische Surveillance erfolgt mittels hochauflösender Weißlichtendoskopie und Seattle-Biopsie-Protokoll.
- •Bei Long-Segment-Barrett (≥ 3 cm) wird eine Kontrolle alle 2-3 Jahre empfohlen, bei Short-Segment (< 3 cm) mit intestinaler Metaplasie alle 3-5 Jahre.
- •Aspirin und Antireflux-Operationen werden zur Prävention einer Progression nicht empfohlen.
- •Das Staging bei Verdacht auf ein Adenokarzinom Stadium 1 erfolgt primär durch endoskopische Resektion, nicht durch CT oder EUS (bei T1a).
- •High-Grade-Dysplasien und T1a-Karzinome werden primär durch endoskopische Resektion sichtbarer Läsionen und anschließende Ablation behandelt.
Hintergrund
Der Barrett-Ösophagus ist eine Präkanzerose, die sich zu einem Ösophaguskarzinom (Adenokarzinom) entwickeln kann. Die NICE-Leitlinie liefert evidenzbasierte Empfehlungen zur Überwachung, zum Staging und zur Behandlung des Barrett-Ösophagus sowie des Adenokarzinoms im Stadium 1 bei Erwachsenen.
Pharmakologische Interventionen und Antireflux-Chirurgie
Die medikamentöse Therapie zielt primär auf die Symptomkontrolle ab. Zur Prävention einer Krankheitsprogression gibt es klare Negativ-Empfehlungen:
- Kein Aspirin: Darf nicht zur Prävention der Progression zu Dysplasie oder Krebs angeboten werden.
- Keine Antireflux-Chirurgie: Darf nicht zur Prävention der Progression zu Dysplasie oder Krebs angeboten werden.
Endoskopische Surveillance
Die Überwachung erfolgt mittels hochauflösender Weißlichtendoskopie und dem Seattle-Biopsie-Protokoll. Die Frequenz richtet sich nach der Segmentlänge und individuellen Risikofaktoren (Alter, Geschlecht, Familienanamnese, Raucherstatus).
| Befund | Segmentlänge | Surveillance-Intervall |
|---|---|---|
| Long-Segment | ≥ 3 cm | Alle 2 bis 3 Jahre |
| Short-Segment mit intestinaler Metaplasie | < 3 cm | Alle 3 bis 5 Jahre |
| Short-Segment ohne intestinale Metaplasie* | < 3 cm | Keine Surveillance |
Voraussetzung: Diagnose wurde bei 2 unabhängigen Endoskopien bestätigt.
Staging bei Verdacht auf Adenokarzinom Stadium 1
Das primäre Staging-Verfahren ist die endoskopische Resektion. Bildgebende Verfahren haben beim frühen Staging einen nachrangigen Stellenwert:
- CT: Darf vor der endoskopischen Resektion beim Verdacht auf ein T1-Karzinom nicht eingesetzt werden.
- Endosonographie (EUS): Darf vor der endoskopischen Resektion beim Verdacht auf ein T1a-Karzinom nicht eingesetzt werden.
- EUS-Indikation: Kann zum Lymphknoten-Staging bei Verdacht auf ein T1b-Karzinom (basierend auf Endoskopie oder Histologie des Resektats) erwogen werden.
Therapie bei Dysplasien
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Dysplasie. Eine endoskopische Nachsorge ist nach jeder endoskopischen Therapie obligatorisch.
| Dysplasie-Grad | Primäre Therapie | Bemerkung |
|---|---|---|
| High-Grade | Endoskopische Resektion sichtbarer Läsionen | Anschließend endoskopische Ablation des restlichen Barrett-Ösophagus |
| Low-Grade | Radiofrequenzablation (RFA) | Diagnose muss aus 2 separaten Endoskopien stammen und von 2 GI-Pathologen bestätigt sein |
| Indefinite | Surveillance alle 6 Monate | Dosisoptimierung der säureunterdrückenden Medikation erwägen |
Therapie bei Adenokarzinom Stadium 1
Die Therapieentscheidung sollte in einer klinischen Konsultation gemeinsam mit dem Patienten getroffen werden.
| Tumorstadium | Therapie der Wahl | Alternative / Zusatzkriterien |
|---|---|---|
| T1a | Endoskopische Resektion | Anschließend endoskopische Ablation des restlichen Barrett-Ösophagus |
| T1b | Ösophagektomie | Bei Operationsfähigkeit und hohem Progressionsrisiko (z.B. inkomplette Resektion, tiefe submuköse Invasion >500 µm, Lymphgefäßinvasion) |
| T1b (inoperabel) | Radiotherapie (ggf. mit Chemotherapie) | Bei hohem Progressionsrisiko und fehlender OP-Tauglichkeit |
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie beim Staging eines vermuteten T1a-Ösophaguskarzinoms auf ein CT oder eine Endosonographie (EUS) vor der endoskopischen Resektion, da diese Verfahren in diesem frühen Stadium keinen diagnostischen Mehrwert bieten.