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Ernährungsunterstützung bei Erwachsenen: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein Screening auf Mangelernährung sollte bei allen stationären Patienten bei Aufnahme und danach wöchentlich erfolgen.
  • Mangelernährung ist definiert durch einen BMI < 18,5 kg/m² oder einen ungewollten Gewichtsverlust von > 10 % in 3-6 Monaten.
  • Bei hohem Risiko für ein Refeeding-Syndrom darf die Ernährungstherapie mit maximal 10 kcal/kg/Tag gestartet werden.
  • Die enterale Ernährung ist bei unzureichender oraler Aufnahme und funktionierendem Gastrointestinaltrakt indiziert.
  • Die Lagekontrolle von Magensonden muss vor jeder Nutzung zwingend mittels pH-Wert-Messung (pH ≤ 5,5) erfolgen.
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Hintergrund

Mangelernährung ist sowohl Ursache als auch Folge von Krankheiten. Sie erhöht die Vulnerabilität von Patienten erheblich. Die NICE-Leitlinie definiert evidenzbasierte Methoden zur Verbesserung der Nahrungsaufnahme (orale, enterale und parenterale Ernährungsunterstützung) für Erwachsene im Krankenhaus und in der ambulanten Pflege.

Screening und Indikation

Ein Screening auf Mangelernährung (z. B. mit dem MUST-Tool) sollte bei allen stationären Patienten bei Aufnahme und danach wöchentlich erfolgen. Im ambulanten Bereich ist ein Screening bei klinischem Verdacht indiziert.

KriteriumDefinition der manifesten Mangelernährung
BMI< 18,5 kg/m²
Gewichtsverlust> 10 % (ungewollt) in den letzten 3-6 Monaten
KombinationBMI < 20 kg/m² UND > 5 % Gewichtsverlust in 3-6 Monaten

Eine Ernährungsunterstützung sollte auch bei Patienten mit Risiko für Mangelernährung erwogen werden:

  • Wenig oder keine Nahrungsaufnahme für > 5 Tage (oder prognostiziert für die nächsten 5 Tage)
  • Schlechte Absorptionskapazität, hohe Nährstoffverluste oder erhöhter Bedarf (z. B. Katabolismus)

Nährstoffbedarf und Refeeding-Syndrom

Für Patienten, die nicht schwer krank sind und kein Refeeding-Risiko aufweisen, gelten folgende Zielwerte für die Gesamtaufnahme:

  • Energie: 25-35 kcal/kg/Tag
  • Protein: 0,8-1,5 g/kg/Tag
  • Flüssigkeit: 30-35 ml/kg/Tag

Risiko für Refeeding-Syndrom

Patienten mit hohem Risiko erfordern eine äußerst vorsichtige Aufdosierung der Ernährung.

Risiko-KategorieKriterien (1 Kriterium ausreichend)Kriterien (≥ 2 Kriterien erforderlich)
BMI< 16 kg/m²< 18,5 kg/m²
Gewichtsverlust> 15 % in 3-6 Monaten> 10 % in 3-6 Monaten
NahrungsaufnahmeFast null für > 10 TageFast null für > 5 Tage
ZusatzfaktorenNiedriges K, PO4 oder Mg vor StartAlkohol-/Drogenabusus, Insulin, Chemo, Diuretika

Therapie bei Refeeding-Risiko:

  • Start mit maximal 10 kcal/kg/Tag (in extremen Fällen nur 5 kcal/kg/Tag).
  • Langsame Steigerung auf den vollen Bedarf über 4-7 Tage.
  • Substitution: Orales Thiamin (200-300 mg/Tag), Vitamin-B-Komplex und Multivitamine für die ersten 10 Tage.
  • Substitution von Kalium, Phosphat und Magnesium (keine prä-feeding Korrektur nötig, außer bei extremen Werten).

Orale Ernährungsunterstützung

Indiziert bei Patienten, die sicher schlucken können und mangelernährt sind.

  • Dysphagie: Bei Anzeichen (z. B. feuchte Stimme, Husten beim Schlucken, rezidivierende Atemwegsinfekte) muss eine Überweisung an Spezialisten erfolgen.
  • Chirurgische Patienten: Postoperativ (Kaiserschnitt, gynäkologische oder abdominale Eingriffe) sollte innerhalb von 24 Stunden eine orale Aufnahme erwogen werden, sofern keine spezifischen Bedenken bezüglich der Darmfunktion bestehen.

Enterale Ernährung

Indiziert bei unzureichender oraler Aufnahme, aber funktionierendem, zugänglichem Gastrointestinaltrakt.

  • Zugang: Standardmäßig Magensonde. Bei oberer GI-Dysfunktion postpylorische Sonde (Duodenum/Jejunum).
  • PEG-Sonden: Können 4 Stunden nach komplikationsloser Anlage genutzt werden.
  • Lagekontrolle: Vor jeder Nutzung einer Magensonde muss die Lage durch Aspiration und pH-Messung (pH ≤ 5,5) bestätigt werden.
  • Motilitätsförderer: Bei verzögerter Magenentleerung (z. B. auf Intensivstation) erwägen, bevor auf postpylorische oder parenterale Ernährung umgestellt wird.

Parenterale Ernährung

Indiziert bei unzureichender enteraler Aufnahme oder nicht funktionierendem, unzugänglichem oder perforiertem Gastrointestinaltrakt.

  • Start: Mit maximal 50 % des geschätzten Bedarfs für die ersten 24-48 Stunden.
  • Zugang: Peripher venös für Kurzzeit (< 14 Tage), zentralvenös (getunnelt) für Langzeit (> 30 Tage).
  • Beendigung: Schrittweises Ausschleichen, sobald enterale/orale Ernährung ausreichend toleriert wird.

Laborchemisches Monitoring

Ein engmaschiges Monitoring ist besonders bei parenteraler Ernährung oder Refeeding-Risiko essenziell.

ParameterFrequenz (Initial)Rationale
Na, K, Harnstoff, KreatininTäglich bis stabilNierenfunktion, Flüssigkeitsstatus
Glukose1-2x täglich bis stabilGlukoseintoleranz ist häufig
Mg, PhosphatTäglich bei Refeeding-RisikoDepletion ist häufig und wird oft übersehen
Leberwerte (inkl. INR)2x wöchentlich bis stabilAuffälligkeiten bei parenteraler Ernährung häufig

💡Praxis-Tipp

Starten Sie bei Patienten mit einer Nahrungskarenz von mehr als 5 Tagen die Ernährungstherapie in den ersten 48 Stunden mit maximal 50 % des errechneten Bedarfs, um ein lebensbedrohliches Refeeding-Syndrom zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Bei einem BMI < 18,5 kg/m², einem ungewollten Gewichtsverlust von > 10 % in 3-6 Monaten oder einer Kombination aus BMI < 20 und > 5 % Gewichtsverlust.
Durch Aspiration von Magensaft und Überprüfung mit pH-Indikatorpapier. Der pH-Wert muss ≤ 5,5 betragen.
Wenn die Anlage komplikationslos verlief, kann die PEG-Sonde bereits nach 4 Stunden für die enterale Ernährung genutzt werden.
Der Standardbedarf liegt bei 25 bis 35 kcal pro kg Körpergewicht pro Tag.
Wenn die orale oder enterale Nahrungsaufnahme unzureichend ist oder wenn der Gastrointestinaltrakt nicht funktionstüchtig, unzugänglich oder perforiert ist.

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